BUNDESLIGA

Vedad Ibisevic, der grimmige Leader von Hertha BSC

Warum Hertha BSC den Vertrag mit seinem Führungsspieler Vedad Ibisevic um mindestens eine weitere Saison verlängern will

Rein ins Getümmel: Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (M.) im Duell mit dem Frankfurter Filip Kostic (Nr. 10).

Rein ins Getümmel: Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic (M.) im Duell mit dem Frankfurter Filip Kostic (Nr. 10).

Foto: Foto: Hangst / Bongarts/Getty

Berlin. Bei einigen Fans tauchte sofort die Frage auf: Warum eigentlich? Und ja, Vedad Ibisevic wird im Sommer 35 Jahre. Auch in dieser Saison hatte Ibisevic mit seinem Ballwurf an den Kopf von BVB-Torwart Roman Bürki seinen Ruf verteidigt, jederzeit vom Platz ­fliegen zu können. Doch Hertha BSC hat gute Gründe, den im Juni auslaufenden Vertrag mit dem Team-Oldie nochmal zu verlängern. Weil die Einschätzung über den Wert von Ibisevic sich in Berlin deutlich unterscheidet von seinem vormaligen Arbeitgeber, dem VfB Stuttgart, der am Sonnabend Gast bei Hertha im Olympiastadion ist (15.30 Uhr, Sky).

In Stuttgart war Ibisevic im Sommer 2015 betrachtet worden in einer Mischung aus „ist über seinen Zenit hinaus“, „wenn er nicht spielt, ist er nicht gut für die Mannschaft“ und „zu teuer ist er ohnehin“. So groß war der Wunsch, Ibisevic los zu werden, dass der VfB rund die Hälfte des Stürmer-Gehaltes bis Juni 2017 übernahm. Ironie der Geschichte: Während Ibisevic mit Hertha europäisch spielte, stieg der VfB Stuttgart 2016 in die Zweite Liga ab.

Ibisevic steht vor Reus und Müller

Bei Hertha stemmt sich Ibisevic hartnäckig gegen den Reflex, dass im modernen Fußball immer alle jung und schnell sein müssen. Von den aktuellen Bundesliga-Profis haben nur Robert Lewandowski (201), Claudio Pizarro (195) und Mario Gomez (169) mehr Tore geschossen als Ibisevic (119). Damit liegt der Hertha-Kapitän vor Größen wie Marco Reus (115) oder Thomas Müller (110).

Hertha-Manager Michael Preetz hat sich vor dem Stuttgart-Spiel nochmal deutlich positioniert: „Wir sprechen mit dem Ziel, dass Vedad hier weiterspielen soll.“ Bisher sei die Angelegenheit nur deshalb nicht weiter vorangeschritten, weil der Ibisevic-Berater „in letzter Zeit sehr viel Urlaub gemacht hat“, so Preetz.

Auf den Spuren von Klose und Pizarro

Nun ist es so, dass im Profifußball Verträge nicht für zurückliegende Erfolge, sondern mit Blick auf die Zukunft vergeben werden. Da hat Hertha mit Ibisevic einen Stürmer, der in der Liga von Miroslav Klose unterwegs ist. Klose kommt auf den exzellenten Wert von 0,39 Tore pro Bundesliga-Spiel (307 ­Einsätze, 121 Treffer). Der Vergleichswerte von Ibisevic: 0,38 (312/119).

Schon klar: Mit der Zeit werden die Einsatzzeiten von Ibisevic kürzer werden. In Bremen etwa profitiert Werder seit Jahren von dem Schwung, den ­Claudio Pizarro als Joker und Strafraumstürmer regelmäßig auslöst.

Ibisevic will unbedingt gewinnen

Zudem verfügt Ibisevic über eine Qualität, die bei Hertha seit Jahren nicht sehr ausgeprägt ist: Er will unbedingt gewinnen. Ob schön oder dreckig, mit Kraft, List oder Tücke – egal. Und wenn er nicht gewinnen kann, will der Bosnier es dem Gegner so schwer wie möglich machen. Dabei schießt Ibisevic auch mal übers Ziel hinaus, wie bei Bürki im Februar. Aber seine Haltung: Dass es nichts geschenkt gibt, dass man hart arbeiten muss, um Ziele zu erreichen – solche ­Typen wünscht sich ­jeder Klub.

Und Hertha ist ein Klub, der in den vergangenen 20 Jahre nur wenige Spieler mit dieser grimmigen Leader-­Fähigkeit hatte. Axel Kruse war so einer, auch ­Kjetil Rekdal. Profis, die wie Ibisevic, auch neben dem Platz für das ­Binnenklima in der Mannschaft wichtig waren.