BUNDESLIGA

Hertha findet zu sich zurück

Seitdem der Abgang von Trainer Dardai feststeht, haben die Berliner kein Gegentor kassiert. Skjelbred gibt das kämpferische Vorbild.

Lauffreudig und einsatzstark: Herthas Per Skjelbred (l.) enteilt dem Frankfurter  Ante Rebic.

Lauffreudig und einsatzstark: Herthas Per Skjelbred (l.) enteilt dem Frankfurter Ante Rebic.

Foto: Foto: Ottmar Winter

Berlin. Die Sache mit der Trainer-Entscheidung hätte auch schief gehen können. Bei fünf ausstehenden Saisonpartien mitzuteilen, dass Hertha BSC ohne Pal Dardai, aber mit einem neuen Chefcoach ins neue Spieljahr geht. Doch nach zwei Spielen der Noch-Dardai-Ära kann von einer „lame duck“ keine Rede sein. Im Gegenteil: Hertha BSC hat seit Bekanntgabe des Trainer-Wechsels keine Begegnung verloren und kein Tor kassiert. Beim 0:0 bei Champions-League-Aspirant Frankfurt überzeugten die Berliner weniger spielerisch, aber mit einem ­beeindruckenden Teamgeist.

Dass der auch Platz für Schabernack lässt, zeigte sich am Tag nach dem Spiel. Nach Ende der Trainingseinheit machte der Elektrowagen, auf dem alle Spieler hockten, Halt bei 15 wartenden Fans. Davie Selke gab den Ton an: „Will jemand Autogramme?“ Nach diversen Unterschriften und Selfies fuhr der Wagen an. Nur Pal Dardai stand noch in einer Traube von Anhängern und rief seinen ­Spielern hinterher: „Und der Trainer?“ Antwort: Die Ladefläche war voll, die Profis wurden zur Kabine gefahren – Dardai schmunzelte und ging die 200 Meter zu Fuß.

Valentino Lazaro lobt die Kollegen

Vor allem in der mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Arena in Frankfurt zeigten die Berliner: Das Arbeits­verhältnis stimmt. „Jeder hat für jeden gekämpft, wir haben uns gegenseitig gut unterstützt“, sagte Maximilian Mittelstädt, der gegen die Eintracht im defensiven Mittelfeld gespielt hatte.

Auch Valentino Lazaro, der vor Wochen die Einstellung einiger Kollegen kritisiert hatte, äußerte sich positiv: „Der Trainer hat uns in den vergangenen Tagen gut auf diese Partie eingestellt. Das war ein guter Schritt für uns. Ich kann der ganzen Mannschaft nur ein Lob aussprechen.“

Per Skjelbred mit den meisten Kilometern

Sinnbild des Hertha-Auftritts in Frankfurt war Per Skjelbred. Der Norweger, der in dieser Saison lange warten musste, um regelmäßig zum Einsatz zu kommen, legte mit 11,4 Kilometern die längste Strecke aller Akteure auf dem Platz zurück. Er hatte die meisten Ballkontakte bei Hertha (71), seine Pass­quote (84 Prozent) war gut.

In der Schlussminute, als Hertha nach der Ampelkarte für Lukas Klünter (81.) in Unterzahl spielte, hatte Skjelbred sogar die größte Chance auf den Siegtreffer, brachte freistehend den Ball aber nicht an Eintracht-Torwart Kevin Trapp vorbei. „Per ist ein Musterprofi. Ob Spiel oder Training, er fightet immer“, lobte Trainer Dardai, „er lässt sein Herz auf dem Platz.“ 31 Jahre ist Skjelbred mittlerweile, seit 2013 beim Hauptstadt-Klub. Hertha hat den Vertrag mit dem Blondschopf noch mal um ein Jahr bis 2020 verlängert. Seit sieben Spielen ist Hertha ohne Sieg. Da ist kein Spektakel gefragt, kein Zauberfußball, sondern es braucht Skjelbred-Qualitäten. „Per ist ein guter Junge, der vorbildliche Arbeit zeigt“, sagte Dardai, „jeder junge Spieler kann von seinem Willen lernen.“

VfB Stuttgart reist mit Selbstvertrauen an

Auch der Trainer war erleichtert, dass sein Team in Frankfurt die Grundtugenden auf den Platz gebracht hatte. „Die Tendenz stimmt“, sagte Dardai, „die Körpersprache war da, die Jungs haben ehrliche Arbeit abgeliefert. Die Mannschaft hat sehr gut gefightet.“

Am Sonnabend werden Dardai und die Mannschaft zulegen müssen. Weil es nicht, wie in Frankfurt gegen einen sichtlich müden Gegner geht, der sich auf den Saison-Höhepunkt vorbereitet, das erste Europa-League-Halbfinale gegen den FC Chelsea. Am Sonnabend empfängt Hertha im Olympiastadion den VfB Stuttgart (15.30 Uhr/Sky). Die abstiegsbedrohten Schwaben brauchen jeden Punkt - und spielen nach dem Trainerwechsel von Markus Weinzierl zu Nico Willig wie befreit auf und haben mit dem 1:0 gegen Gladbach Selbstvertrauen getankt.