Fußball

Herthas Lebenszeichen gegen Frankfurt

Beim Liga-Vierten Eintracht Frankfurt erarbeiten sich die Berliner trotz Unterzahl ein 0:0.

Der Berliner Per Skjelbred (M. ) hält den Frankfurter Jonathan de Guzman (l.) vor Schiedsrichter Sven Jablonski zurück.

Der Berliner Per Skjelbred (M. ) hält den Frankfurter Jonathan de Guzman (l.) vor Schiedsrichter Sven Jablonski zurück.

Foto: Thomas Frey / dpa

Frankfurt. Es wäre eine passende Pointe für dieses nicht ganz gewöhnliche Fußballspiel gewesen: In der Frankfurter Arena lief bereits die erste Minute der Nachspielzeit, als Herthas Per Skjelbred frei auf Eintracht-Keeper Kevin Trapp zusprintete. Der Norweger hätte die umkämpfte Partie im gefühlt letzten Moment entscheiden können, obwohl Hertha zu diesem Zeitpunkt in Unterzahl spielte, und wer von den 51.500 Zuschauern jetzt nicht vor Hoffnung oder Panik schrie, der hielt den Atem an. 90 Minuten Abnutzungskampf verdichteten sich auf einen einzigen Augenblick, doch Skjelbred, in dessen Berliner Profi-Vita zwar 169 Pflichtspiele, aber lediglich zwei Törchen stehen, bekam den Ball nicht an Trapp vorbei. Der Mittelfeldspieler schoss dem Torwart gegen die Brust – die über weite Strecken hektische Bundesliga-Partie endete 0:0.

Lustenberger ersetzt den verletzten Stark

„Es wäre mehr drin gewesen“, sagte Herthas Valentino Lazaro, „mit einem Quäntchen Glück schießen wir das 1:0. Ich glaube, dann hätte es kaum jemanden gegeben, der gesagt hätte, das wäre ­unverdient.“ Als Vorwurf in Richtung Teamkollege Skjelbred war das keineswegs gemeint: „Riesenlob, dass Per in der Nachspielzeit überhaupt noch so weit mit nach vorne geht.“

Nein, richtig ärgern mochte sich kein Berliner über den verpassten Sieg. Ein Remis bei einem Champions-League-Anwärter trotz Unterzahl, das hätten vorab wohl die meisten Hertha-Profis unterschrieben. Nach zuvor fünf Niederlagen wirkte der zweite Punktgewinn in Folge wie ein ­lindernder Balsam für die geschundene blau-weiße Seele.

Im Vergleich zur Vorwoche hatte Trainer Pal Dardai seine Startformation auf drei Positionen verändert. Für den verletzten Niklas Stark rückte Fabian Lustenberger in die Innenverteidigung, im zentralen Mittelfeld ersetzte Maximilian Mittelstädt den gelbgesperrten Marko Grujic. Zudem kehrte auch „Denk­pause“-Empfänger Valentino Lazaro ins Team zurück, der seinen Landsmann Martin Hinteregger in der Anfangsphase gut beschäftigte, am Ende jedoch meist zu kopflos agierte.

Herthas Fans erst nach 26 Minuten im Stadion

Kopflos wirkte zunächst auch die Unterstützung der Berliner Fans. Weil die Stimmungsmacher der aktiven Fan­szene im Stau standen, blieb es im Gästeblock bis zur 26. Minuten erstaunlich ruhig – erst dann marschierten mehrere Bus-Ladungen Anhänger samt Fahnen und Trommeln in den Gästebereich ein. Die bis dahin beste Berliner Chance ­hatten sie da grad verpasst, wurden kurz darauf aber mit einer noch besseren ­entschädigt.

Nachdem Ondrej Duda einen satten 18-Meter-Schuss über das Frankfurter Tor gesetzt hatte (24.), versuchte sich der engagierte Vedad Ibisevic, nur brachte Herthas Kapitän das Kunststück fertig, eine Klünter-Flanke aus drei Metern freistehend am linken Pfosten vorbeizuköpfen (26.). „Ich war mir eigentlich ­sicher, dass er reingeht“, sagte der Bosnier: „Ich glaube, ich habe ihn nicht so gut getroffen, weil alles nass war – der Kopf und der Ball.“ Aber auch wenn der Torerfolg ausblieb, war die Szene gewissermaßen der Höhepunkt eines bis zu diesem Zeitpunkt mehr als ordentlichen Auftritts der Berliner.

Trainer Pal Dardai ist mit dem Punkt zufrieden

„Wir müssen uns aus unserer schlechten Phase rausarbeiten“, hatte Manager Michael Preetz unter der Woche gefordert, und tatsächlich schienen die Profis ihre mentalen Ärmel ziemlich weit hochgekrempelt zu haben. In der Defensive überzeugte die umsichtige letzte Reihe um Lukas Klünter, Lustenberger und Karim Rekik, die etliche Frankfurter Steilpässe abfing. Im Spiel nach vorne boten die Berliner ebenfalls mehr an, waren griffiger und zielstrebiger, sodass Frankfurts Hintermannschaft mehrfach in höchster Not klären musste. Nach einer halbe Stunde meldete allerdings auch der Champions-League-Anwärter seine Ambitionen an. Erst parierte Hertha-Keeper Rune Jarstein einen Fünf-Meter-Knaller von Frankfurts Ante Rebic (32.), ehe Jonathan de Guzman aus ähnlich kurzer Distanz übers Berliner Tor schoss (35.). Torlos ging es in die Kabine.

Weil die Europapokal-Kämpfer aus Frankfurt nach der Pause eher müde als energiegeladen auftraten, witterten die Berliner Anfang der zweiten Hälfte ihrer Chance. Skjelbred (51.) und Rekik (56.) scheiterten aus der Distanz, die Eintracht wackelte nun merklich.

Harter Platzverweis gegen Klünter

Es wäre spannend zu sehen gewesen, wie Herthas Schlussoffensive ausgefallen wäre, hätte Klünter nicht nach 81 Minuten wegen eines Trikot-Zupfers Gelb-Rot gesehen. Es war eine sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Sven Jablonski, der in dieser Szene kein Fingerspitzengefühl bewies. Im Heimspiel am kommenden Sonnabend gegen den VfB Stuttgart muss Klünter zuschauen.

Hertha-Trainer Pal Dardai nahm trotzdem viel Positives aus Frankfurt mit. „Uns fehlt zwar das Dosenöffner-Tor“, sagte der Ungar, „aber die Tendenz ist gut. Ich bin zufrieden mit dem Punkt.“