Bundesliga

Seoane bleibt in Bern, Wagner Topkandidat bei Hertha

Hertha sucht einen Nachfolger für Trainer Pal Dardai. Die Morgenpost stellt David Wagner vor. Gerardo Seoane winkt ab

Auf Augenhöhe mit den Großen: David Wagner (l.) vo Huddersfield Town mit Pep Guardiola von Manchester City.

Auf Augenhöhe mit den Großen: David Wagner (l.) vo Huddersfield Town mit Pep Guardiola von Manchester City.

Foto: Foto: dpa PA/ Egerton / empics

Berlin. Wer auch immer der Neue wird: Die Fußstapfen, in die er tritt, sind groß. „Dardai - einer von uns!“ war auf dem großen Spruchband in der Ostkurve zu lesen nach dem Ende der Nullnummer zwischen Hertha BSC und Hannover 96. Schon vor der Partie und auch ­danach feierten die Anhänger den Cheftrainer mit Sprechchören „Pal Dardai - oho-ho.“ In vier Wochen zum Saison­ende ist für Dardai auf dem Chefsessel Schluss. Vier sorgenfreie Jahre fern der Abstiegszone reichten den Verantwort­lichen nicht mehr. Hertha BSC sucht einen neuen Trainer.

Das ist die Aufgabe von Manager Michael Preetz. Der sagte vor der Hannover-Partie vor lediglich 38.918 Besuchern im Olympiastadion, die Suche sei „völlig offen“. Er führe Gespräche. „Ich will mir ein Bild verschaffen.“ Der Liga-Elfte stehe nicht unter Druck. „Wir haben Zeit bis zum Saisonende, das sind einige ­Wochen“, sagte Preetz, „ich werde mir die Zeit nehmen, um eine Entscheidung zu treffen.“

Schalke, Wolfsburg, Stuttgart und Hertha suchen

Die Trainer-Position gilt als die wichtigste im modernen Fußball – und der Markt ist in Deutschland in Bewegung wie noch nie. Auf der Suche sind der FC Schalke, der VfL Wolfsburg und der VfB Stuttgart. In Hannover hat man nicht den Eindruck, als ob Thomas Doll das Vertrauen für einen Neuaufbau genießt. Selbst beim Aufsteiger in spe, dem 1. FC Köln, wird, so ist zu hören, eine Alternative zu Markus Anfang gefahndet. Schon versorgt sind RB Leipzig (Julian Nagelsmann), TSG Hoffenheim (Alfred Schreuder) und Borussia Mönchen­gladbach (Marco Rose), die alle mit ­neuen Übungsleitern in die Saison 2019/20 starten.

Hertha BSC sucht also auch. Der Zeitgeist der Branche verlangt nach unverbrauchten Trainern, die junge Spieler entwickeln können, über ausgeprägtes Taktikverständnis verfügen, etwas Erfahrung mitbringen, aber noch heiß sind auf den großen Erfolg. Insofern werden erfahrene Fahrensmänner wie Bruno Labbadia (53) oder Dieter Hecking (54) in Berlin wohl nicht andocken.

Klinsmann und Seoane: Kein Interesse an der Bundesliga

Jürgen Klinsmann befindet sich für die DFL auf Promotiontour in China. Von der chinesischen Mauer hat Klinsmann via Twitter ein Foto geschickt: „Hab gehört, mein Name wird mit Bundesliga-Clubs in Verbindung gebracht. Nur um Klarheit zu schaffen: Da ist nix dran und absolut kein Thema für mich im Moment.“

Auch ein anderer Aspirant, der in Berliner Medien gespielt worden war, winkte ab. Gerardo Seoane (40), in der Schweiz gerade Meister mit den Young Boys Bern geworden, erklärte sich am Ostermontag nach einem 0:1 in Neuchatel: „Ich bleibe auch in Zukunft bei Young Boys. Ich habe in Bern weiter spannende Aufgaben vor mir. Der Verein war immer informiert über die Anfragen aus dem Ausland.“

Tedesco im erweiterten Blickfeld

Seoane hat im vergangenen Sommer den Job von Adi Hütter übernommen, den Fredi Bobic als neuen Trainer zu Eintracht Frankfurt geholt hatte. Die Young Boys wurden erneut überlegen Meister, derzeit liegt Bern 22 Punkte vor dem Zweiten, dem FC Basel – und Seoane wird bleiben.

Auf der Liste bei Hertha ganz oben steht David Wagner, Sensationsaufsteiger mit Huddersfield Town in die Premier League. Im erweiterten Blickfeld bei Hertha: Domenico Tedesco.

Der ehemalige Schalke-Trainer ist bekannt. Weniger bekannt in Deutschland ist David Wagner (47), der aus der Dortmunder Trainer-Schule stammt. Als Kernkompetenz des gelernten Sport- und Biologielehrers gilt: mit wenigen Mitteln viel Erreichen. Beim Aufstieg in die Premier League 2017 war das Spieler-Budget von Huddersfield (13 Millionen Euro) im unteren Viertel der Championship angesiedelt. Wagner setzt auf die Faktoren Professionalität, Teamgeist und eine exzellente Fitness. Er verbesserte die Infrastruktur in Huddersfield, ließ etwa einen Koch anstellen.

Wildlife in Schweden ohne Handy, ohne Toilette

Wagner setzte auf Talente, die er von den Topklubs wie dem FC Liverpool und FC Chelsea auslieh. Oder auf Spieler, die anderswo aussortiert waren, weil ihnen niemand mehr etwas zutraute.

Zur Saisonvorbereitung gehörte ein Wildlife-Trip der Mannschaft in Schweden: ohne Toiletten, ohne Smartphone, das Essen musste selbst geangelt ­werden. Der Teamspirit trug den Außenseiter in die Premier League, wo ­Huddersfield sich sogar eine Saison lang behauptete. Zu den Vorgaben, die Wagner seinen Spielern auferlegt, gehörte: Alle wohnen im Umkreis von höchstens 25 Kilometern um das Trainingszentrum. Im Januar gab Wagner, Trauzeuge von Liverpools Trainer Jürgen Klopp, seinen Job wegen Erschöpfung auf.

Wagner steht nicht für Offensivfußball

Zu sagen ist aber auch: Wagner ist nicht mit Offensivfußball aufgefallen. Huddersfield ist der erste englische Klub, der nach 46 Spieltagen mit einem negativen Tor­verhältnis aufgestiegen ist (56:58). Die Relegations-Resultate: Gegen Sheffield Wednesday 0:0, 1:1 (5:4 im Elfmeter­schießen). Im Finale gegen den FC Reading 0:0 (4:3 i.E.).

Michael Preetz spielt derzeit auf Zeit. Aber jeder Manager weiß: Ob ­Wagner, Tedesco oder Mr. X – die ­Kandidaten sind der ­Liga-Konkurrenz ebenfalls bekannt.