BUNDESLIGA

Hertha will einen Sieg für den Trainer

Hertha BSC empfängt den Liga-Letzten Hannover 96, doch im Mittelpunkt steht Trainer Pal Dardai, der in vier Wochen gehen muss.

Pal Dardai hat Hertha BSC seit Februar 2015 in 146 Bundesligaspielen gecoacht.

Pal Dardai hat Hertha BSC seit Februar 2015 in 146 Bundesligaspielen gecoacht.

Foto: Foto: Reto Klar

Berlin.  Passend zum Osterfest haben die Beteiligten bei Hertha BSC in den Modus der Harmonie geschaltet. Nicht, dass es noch heißt, an diesem Sonntag würde ein Duell der Enttäuschten anstehen: Wenn Hertha BSC nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge den Tabellenletzten Hannover 96 empfängt (18 Uhr, Olympiastadion), der seine vergangenen acht Spiele verloren hat. Nein, wenn es ­öffentliche Äußerungen sind, wird beim Hauptstadt-Klub derzeit nur positiv geredet.

Dass er seinen Cheftrainer-Job am Saisonende los ist, kommentierte Pal Dardai so: „Ich bin nicht beleidigt, ich bin nicht wütend, ich schwimme mit der Situation bei Hertha mit. Das war schon als Spieler so.“

Über Manager Michael Preetz, der als treibende Kraft hinter dem Wechsel auf der Trainer-Position vermutet werden darf, sagte Dardai: „Von mir kommt nie ein negatives Wort über Hertha BSC, nicht mal über den Manager. Wir sind immer klargekommen, haben immer eine ehrliche Diskussion gehabt. Es ist vielleicht merkwürdig, aber ich bin nicht mal wütend.“

Spekulationen um Gerardo Seoane von den Young Boys Bern

Durch die Trainer-Entscheidung hat sich der Blick auf die Partie verändert. Sportlich will Hertha sich gegenüber den vergangenen Wochen verbessert präsentieren. So kehren Torjäger Vedad Ibisevic und Spielmacher Ondrej Duda nach abgesessenen Sperren zurück. Mit Abwehrchef Niklas Stark und Marko Grujic sind weitere Schlüsselspieler, die in ­Hoffenheim erkrankt und verletzt ­gefehlt hatten, wieder dabei.

Doch der Fokus richtet sich auf die rund 40.000 erwarteten Besucher. Hertha gegen Hannover ist ein Spiel für den Trainer. Dardai, seit Januar 1997 dabei und Rekordspieler im Klub, ist Publikumsliebling. Er wird vom Anhang viel Unterstützung erfahren. Preetz ist Rekord-Torjäger von Hertha. Aber sein Kreditkonto bei den Fans ist aus verschiedenen Gründen schmal bemessen, der Manager darf sich auf Kritik gefasst machen. Wie diese Personalentscheidung von der Basis beurteilt wird, hängt maßgeblich davon ab, welchen Nachfolger Preetz präsentieren wird (die BILD spekuliert über Gerardo Seoane, Meistertrainer der Young Boys Bern) – und ob der Neue in der kommenden Saison das Versprechen auf attraktiven und erfolgreichen Fußball umsetzen kann.

Läuft hinter den Kulissen eine Kampagne gegen Dardai?

Dardai hat die vielen positiven ­Äußerungen der Anhänger durchaus ­registriert. „Es ist eine schöne Sache zu spüren, dass mich die Leute lieben und mögen“, sagte der Noch-Trainer. „Diese Liebe und diese positive Energie sollen die Leute der Mannschaft geben, um ihr zu helfen, damit wir diese negative Serie beenden.“

Der Manager führte keine Gründe an, warum im Mai die Amtszeit von Pal Dardai nach viereinhalb Jahren – er ist nach dem Freiburger Christian Streich der am längsten amtierende Bundesliga-Trainer – enden wird. Aber Beobachtern war nicht entgangen, dass just in den Tagen, als Hertha die Trennung vom Cheftrainer verkündete, in verschiedenen Medien Details publiziert wurden, die Dardai schlecht aussehen lassen. So hieß es etwa bei „Spiegel Online“, Dardai habe im vergangenen November, als der Streit zwischen der aktiven Fanszene, Herthas Geschäftsführung und dem umstrittenen Digitalchef Paul Keuter hoch kochte, „Ultras heimlich in den Garten geladen“. Bei Hertha hätten das „manche als Hochverrat empfunden“.

In der Ostkurve wird diese Geschichte indessen anders erzählt. Demnach hatte am Vorabend der Partie gegen Leipzig (1:3) eine kleine Fan-Abordnung bei Dardai an der Haustür geklingelt – der Trainer wohnt fußläufig zum Olympiastadion - und dem Trainer mitgeteilt, dass das Schweigen der Ostkurve gegen Leipzig sich nicht gegen die Mannschaft richte, sondern gegen die Geschäfts­führung von Hertha BSC.

Manager Preetz: Die Jungs müssen sich gewaltig steigern

Doch davon war in der Pressekonferenz zum Hannover-Spiel genauso wenig die Rede wie von dem (ebenfalls anonym vorgetragenen) Vorwurf, Dardai sei intern zu selbstherrlich aufgetreten. Stattdessen sprach Preetz von „großartiger Arbeit, die das Trainerteam geleistet hat“. Es gehe jetzt darum, Dardai und Cotrainer Rainer Widmayer, der zum VfB Stuttgart zurückkehren wird, „einen gebührenden Abschied zu bereiten“.

Stattdessen nahm der Manager die Mannschaft in die Pflicht. Die hat aus zwölf Rückrunden-Partien lediglich elf Punkte geholt. Damit wird Hertha, derzeit Elfter, das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz verfehlen. „Wir wollen auch mit Blick auf die neue Saison einen guten Ausstieg aus diesem Jahr haben. Insofern müssen sich die Jungs gewaltig steigern“, sagte Preetz.

Mittelstädt: Dardai ist mein großer Förderer

Bei den Spielern waren unterschiedliche Reaktionen auf den anstehenden Trainer-Wechsel zu verzeichnen. Kapitän Ibisevic sagte: „Ich will gar nichts dazu sagen, sondern erstmal das Spiel machen.“ Marvin Plattenhardt, der unter Dardai zum Nationalspieler und Confed-Cup-Sieger 2017 geworden war, aber in dieser Saison seinen Stammplatz verloren hatte, bat um Verständnis: Er wolle sich nicht äußern.

Maximilian Mittelstädt, ein Eigen­gewächs aus dem Hertha-Nachwuchs, der eben Plattenhardt den Rang abgelaufen hat, sagte: „Das ist natürlich schade. Für mich war Pal Dardai ein großer Förderer, er hat mir mein Bundesliga-Debüt ermöglicht. Wir sind ihm einiges schuldig. Es lag auch an uns – wir haben nicht immer das gespielt, was er von uns sehen wollte.“ Valentino Lazaro hat bei sich „eine kleine Art von Schuldgefühl“ ausgemacht. „Weil wir zuletzt nicht das auf den Platz gebracht haben, was wir können.“

Der erfahrenste Spieler, Salomon Kalou, sagte: „Der Trainer war vier Jahre hier, das ist eine lange Zeit. Es wäre gut, wenn wir als Team mit ihm einen guten Abschluss hinbekommen.“