Hertha BSC

Pal Dardais Gratwanderung zwischen Zukunft und Gegenwart

Von Abschiedsstimmung will Herthas Coach nichts wissen. Pal Dardai hat noch sportliche Ziele, doch auch er denkt schon an den Sommer.

Im kommenden Jahr will Pal Dardai bei „einem großen Klub“ hospitieren.

Im kommenden Jahr will Pal Dardai bei „einem großen Klub“ hospitieren.

Foto: dpa

Berlin. Soll doch niemand behaupten, Pal Dardai hätte von seiner Zukunft keine klare Vorstellung. Für den ersten Spieltag der Bundesligasaison 2019/20 steht der Plan von Herthas Chef-Trainer jedenfalls – wobei: Ein bisschen wetterabhängig sei das schon, gab der Ungar zu.

Klar ist: Mit Herthas Profis wird Dardai (43) dann nicht mehr betraut sein, ab Sommer darf sein Nachfolger an Erfolgsstrategien und Aufstellungen tüfteln. Statt in aufwendigen Gegneranalysen die Schwachstellen des kommenden Kontrahenten zu entschlüsseln, wird Dardai in der Heimat die Füße hochlegen und das tun, was im Branchen-Duktus als „Akku aufladen“ bezeichnet wird.

Dardai: „Will Minimum Zehnter werden“

„Am Plattensee in Ungarn ist es wunderschön“, erklärte Dardai am Donnerstag, „da habe ich ein schönes Haus mit einem kleinen Boot, auf dem es sogar einen kleinen Fernseher gibt.“ Bei gutem Wetter werde er sich also aufs Wasser begeben und Herthas Saisonstart am Bildschirm verfolgen. Nur wenn das Wetter nicht mitspielt, „dann fliege ich nach Berlin und schaue mir das live an“.

Ansonsten war Dardai jedoch bemüht, den Fokus auf der Gegenwart zu halten. Fünf Spiele stehen für ihn noch an, seine Abschiedstour beginnt am Sonntag im Olympiastadion gegen Hannover 96 (18 Uhr). „Ich will Minimum Zehnter werden“, sagte er, „dann habe ich einen gute Abschied.“

Grujic und Duda vor Comeback

Ob seine Spieler noch mitziehen, jetzt, da sie wissen, dass sie im Sommer einen neuen Chef bekommen? Gemessen an den Trainingseindrücken macht sich Dardai keine Sorgen. „Das sah sehr dynamisch aus“, sagte er, „jetzt erwarte ich auch am Wochenende und in den letzten Spielen eine aggressive Antwort. Es gibt keinen Urlaub. Niemand soll denken, Pal ist schon mit einem Bein weg und wir können jetzt chillen.“

Im Vergleich zum vergangenen Wochenende hat sich die Personalsituation bei den Berlinern spürbar entspannt. Verteidiger Niklas Stark, der beim 0:2 gegen Hoffenheim kurzfristig ausgefallen war, steht wieder zur Verfügung, zudem kehrten am Donnerstag auch Fabian Lustenberger, Vladimir Darida und Marko Grujic ins Teamtraining zurück. Nicht zu vergessen: Kapitän Vedad Ibisevic und Spielmacher Ondrej Duda können nach abgesessenen Sperren ebenfalls wieder mitwirken.

Gegen Hannover werden 40.000 Zuschauer erwartet

Um nach fünf Niederlagen in Folge endlich wieder ein Erfolgserlebnis einzufahren, hofft Dardai auch auf die Unterstützung der Fans. Er habe in den vergangenen Tagen viel Zuspruch erhalten, erzählte er. „Es ist eine schöne Sache, dass die Leute mich lieben und mögen, aber jetzt sollen sie die Liebe und die positive Energie zur Mannschaft schicken.“ Hertha rechnet am Ostersonntag mit rund 40.000 Zuschauern.

Ein versöhnlicher Abschluss wäre Dardai nach den bemerkenswerten Erfolgen der vergangenen vier Jahre zu gönnen. Er selbst tat am Donnerstag das seinige, um die Beziehung zwischen ihm und seinem Herzensklub zu pflegen. „Von mir gibt es nicht ein negatives Wort über Hertha BSC“, sagt er, „nicht mal über den Manager.“