Hertha BSC

Pal Dardai: „Ich bin ein bisschen erleichtert“

Erstmals, seit sein Aus im Sommer verkündet wurde, gibt der Coach der Berliner Einblicke in sein Seelenleben - und äußert einen Wunsch.

Pal Dardai ist seit 2015 Trainer von Hertha BSC.

Pal Dardai ist seit 2015 Trainer von Hertha BSC.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Von Groll keine Spur. „Ihr könnt das wahrscheinlich nicht verstehen“, sagte Pal Dardai auf der Pressekonferenz am Donnerstag, „aber für mich geht das Leben weiter – ich komme damit klar.“ Besagtes „damit“ meint in diesem Fall den Umstand, dass der Ungar im Sommer seinen Cheftrainerposten bei Hertha BSC räumen muss. Mit Saisonende ist nach gut vier Jahren Schluss, zumindest vorerst.

In den ausbleibenden fünf Spielen wird Dardai seine Mannschaft noch betreuen, angefangen mit dem Heimspiel gegen Hannover 96 am Sonntag (18 Uhr). Ob er zum Abschied einen speziellen Wunsch habe? „Dass die Mannschaft und auch der Manager für mich eine schöne Uhr kaufen“, sagte Dardai, gefolgt von seinem typisch verschmitzten Grinsen, das lange nicht mehr so authentisch wirkte wie in diesem Moment.

Viereinhalb Jahre haben Spuren hinterlassen

So gestählt Dardai durch seine vielen Jahre im Profi-Fußball auch sein mag: Am Donnerstag wirkte es, als sei eine Last von ihm abgefallen. „Ich spüre, dass ich auch ein bisschen erleichtert bin“, sagte er, „manchmal braucht man einfach eine Pause.“

Hertha-Trainer Pal Dardai vor dem Hannover-Spiel

Der öffentliche Druck, die verschärfte Kritik, das ständige Präsentsein – das alles hat über die vergangenen viereinhalb Jahre Spuren hinterlassen. Kaum ein Trainer der Liga stellte sich so oft den Medien wie Dardai, der zugab: „Ich bin ein bisschen müde. Als Cheftrainer musst du immer da sein.“ Ab Sommer wolle er sich nun erst einmal erholen.

Dardai: „Ich bin nicht enttäuscht“

Als vorerst letztes Ziel hat sich der 43-Jährige auf die Fahne geschrieben, im Hertha-Kosmos wieder für bessere Stimmung zu sorgen, am liebsten natürlich mit Siegen. „Ich bin nicht beleidigt, auch nicht wütend“, sagte er, „ich schwimme einfach mit. Das war schon als Spieler so. Mal sollte ich spielen, mal nicht, manchmal sollte ich verkauft werden. Aber ich bleibe einfach hier.“ Da war es wieder, das Dardai’sche Grinsen.

Manager Preetz nimmt das Team in die Pflicht

Manager Michael Preetz schlug ebenfalls versöhnliche Töne an. Der Trainer, der „großartige Arbeit geleistet hat“, habe einen würdigen Abschied verdient, dafür müsse sich die Mannschaft anders präsentieren als zuletzt.

Was die Suche nach einem Nachfolger betrifft, hielt sich der Manager bedeckt. „Wir werden uns in den nächsten Wochen intensiv damit befassen“, sagte Preetz, der keine einzelnen Namen kommentieren wollte. In den letzten Tagen habe er diesbezüglich „eine Menge Blödsinn gelesen“, sagte er noch.

Selbst das Anforderungsprofil wollte Preetz nicht näher erläutern. Nur so viel: „Wir suchen jemanden, der die DNA des Vereins versteht.“ Ein Satz, der auf niemanden besser zutrifft, als auf Pal Dardai.