Immer Hertha

Kein Mourinho, kein Funkel, keine Buddhas

Nach der Trennung von Pal Dardai muss Michael Preetz für Hertha einen neuen Trainer finden. Eine Aufgabe mit vielen Tücken.

Michael Preetz (r.) muss einen Nachfolger für Pal Dardai (l.) finden. Sebastian Stier über die Trainersuche bei Hertha.

Michael Preetz (r.) muss einen Nachfolger für Pal Dardai (l.) finden. Sebastian Stier über die Trainersuche bei Hertha.

Foto: Uwe Anspach/dpa/ Reto Klar

Berlin. Ich war kürzlich in einer anderen Stadt, um mich dort einigen Kollegen vorzustellen, die ich seit Jahren nur vom Telefon kannte. Wenn man über einen so langen Zeitraum mit Leuten zu tun hat, sich aber noch nie gesehen hat, entstehen im Kopf ganz automatisch Bilder. Man stellt sich vor, wie derjenige am andere Ende wohl aussieht, welche Eigenheiten er hat oder ob er anstatt Milch lieber Soja in seinen Kaffee kippt.

Meistens hält dieses Kopfkino der Realität nicht stand. Der, den man sich alt und schlank erdacht hat, ist in Wirklichkeit jung und dick oder der mit der tiefen, rauen Stimme ist nicht der geglaubte Zwei-Meter-Mann, sondern ein Hänfling von Messi­hafter Gestalt.

Kann sein, dass Michael Preetz auch gerade sehr viel Kopfkino erlebt. Die Eintrittskarte dafür hat sich der Manager von Hertha BSC selbst ausgestellt, indem er in dieser Woche die Zusammenarbeit mit Pal Dardai als Trainer der Profis beendete. Nun muss Preetz einen Nachfolger finden, was heißt, dass er viel am Telefon hängt und mit potenziellen Kandidaten spricht. In der globalisierten Fußball-Welt, in der jeder scheinbar jeden kennt oder zumindest kurz über Google nachschauen kann, gibt es den Vorteil, dass man den Angerufenen zumindest rein äußerlich schon mal kennt. Bilder gibt es im Netz selbst von jedem slowakischen Viertligatrainer.

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Böse Gerüchte gibt es beim Fußball gratis

Was das Wesen angeht, muss Preetz sich auf sein Gespür verlassen. Niemand weiß, ob der Neue nicht vielleicht ein dunkles Geheimnis mit sich umher schleppt, ob er nicht heimlich trinkt oder ob er sich mehr für die Spielerfrauen als für die Spieler interessiert. Böse Gerüchte gibt es beim Fußball gratis, wie in jeder anderen Branche auch.

Ich will da gar nicht mit Preetz tauschen. Personalentscheidungen haben auch immer etwas mit Glück zu tun, den per se guten oder schlechten Trainer gibt es im Profibereich nicht. Oft hängt es auch daran, ob die Mannschaft zu ihm passt, die Chemie stimmt oder schlicht ob man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Friedhelm Funkel ist so ein Beispiel. Nachdem er mit Hertha vor vielen Jahren abgestiegen war, galt er als Auslaufmodell. Funkel war wie ein altes Barkas-Feuerwehrfahrzeug, wenn man so möchte der B1000 unter den Trainern. Ohne Drehleiter und zeitgemäßer Löschausrüstung. Weil er das System nicht mindestens 25 Mal pro Spiel änderte, hieß es, er sei für den modernen Fußball nicht mehr geeignet. Fast ein Jahrzehnt später ist Funkel immer noch ein Barkas, nur das er inzwischen dafür gefeiert wird.

Kommentar: Die Gefahr der großen Namen

So herrlich unaufgeregt sei er, inmitten all der Hysterie der Branche. Dass er 90 Minuten lang meist mit ein und demselben System auskommt, wird nun als Beweis für die innere Stärke genommen. Der ruht ganz in sich, der Funkel, dieser 65 Jahre alte Zweitakter. Ist ja schließlich schon lang genug dabei. Alles eine Sache des Blickwinkels eben.

Michael Preetz wird sich wohl nicht bei Friedhelm Funkel melden

Obwohl jetzt wieder en vogue, wird Michael Preetz die Nummer von Friedhelm Funkel wohl nicht mehr wählen. Es heißt, Hertha wünsche sich eine große Lösung. Mein erster Gedanke war, man könnte es ja mal bei Frank Neubarth probieren. Der frühere Stürmer von Werder Bremen ist ziemlich groß, so um die 1,90 Meter. Und zu haben wäre er auch, seit seiner Entlassung beim VfB Oldenburg vor sechs Jahren weist das Internet keine Stelle mehr aus in seinem Arbeitsprofil.

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Ich vermute aber, dass Preetz und Hertha weniger an körperlicher Größe denn an fußballerischer interessiert sind. In diesem Fall wäre Neubarth natürlich raus. Namen wie José Mourinho oder Antonio Conte fantasieren durch einige Ecken der Stadt. Jürgen Klinsmann wird auch genannt. Den umwehte schon als Bundestrainer die Aura des großen Innovators. Zu Beginn seiner Zeit beim FC Bayern ließ er auf dem Trainingszentrum Buddha-Figuren aufstellen.

Ein von Buddhas umrandeter Schenckendorffplatz? Komische Vorstellung. Vielleicht ganz ratsam, wenn Preetz die Nummer von Pal Dardai erst mal im Kurzwahlspeicher belässt. Nur so, zur Sicherheit.