Hertha BSC

Geht Pal Dardai jetzt tatsächlich zurück in den Nachwuchs?

Laut Klub-Mitteilung kehrt Herthas Noch-Chefcoach 2020 in den Nachwuchs zurück. Realistischer scheinen jedoch andere Varianten.

Pal Dardai (Mitte) mit Hertha-Talent Arne Maier (r.), den er schon als Nachwuchscoach in der U15 trainierte.

Pal Dardai (Mitte) mit Hertha-Talent Arne Maier (r.), den er schon als Nachwuchscoach in der U15 trainierte.

Foto: Thomas Frey / picture alliance/dpa

Berlin.  Zugegeben, der Plan hat Charme. Hertha BSC trennt sich in gegenseitigem Einvernehmen von seinem Cheftrainer Pal Dardai, der bisherige Bundesliga-Coach nimmt sich nach Saisonende ein Jahr Auszeit und kehrt danach in den Nachwuchs des Klubs zurück. Genauso stellen sie sich das aktuell vor beim Hauptstadtklub. Aber ob es tatsächlich so kommt?

Das Vertragsverhältnis des 43 Jahre alten Ungarn bleibe bestehen, heißt es in Herthas offizieller Pressemitteilung vom Dienstag. Demnach werde Dardai „im Sommer 2020 wieder als Nachwuchstrainer einsteigen“. Die Frage ist allerdings, wie reizvoll eine Aufgabe als Jugendcoach noch ist, wenn man sich als Bundesliga-Trainer über viereinhalb Jahre einen Namen gemacht hat.

Erfolgreiche Arbeit als Jugendtrainer

Ja, wenn einem Trainer dieser ungewöhnliche Schritt zuzutrauen ist, dann Dardai. Seine Bindung zu Hertha ist enorm, sein Leben ist seit 1997 untrennbar mit dem Verein verwoben. Als Rekordspieler (286 Bundesligaspiele) hat er sich Legendenstatus erworben, als Trainer führte er die Profis ab Februar 2015 erst in ruhiges Fahrwasser und dann phasenweise in überraschende Höhen. Anders ausgedrückt: Dardai ohne Hertha scheint genauso schwer vorstellbar wie Hertha ohne Dardai – es muss ja nicht immer der Cheftrainer-Posten sein.

Er selbst hat oft genug mit seiner Rückkehr in den Nachwuchs kokettiert, auch in den vergangenen Wochen, als die Kritik an seiner Arbeit stetig lauter wurde. Es gehe nicht um ihn oder sein Ego, sondern um das Wohl von Hertha BSC. „Wenn ich das Problem bin, gehe ich halt wieder zurück in die Akademie“, sagte Dardai. Finanziell habe er ohnehin ausgesorgt.

Der Ungar hat sich für andere Klubs interessant gemacht

Dass er ein guter Talentförderer ist, hat Dardai eindrucksvoll bewiesen. In seiner Zeit als Herthas U15-Coach (2013 bis 2015) schliff er den vielzitierten „Goldenen Jahrgang“ (Geburtsjahr 1999) um Arne Maier und Sohn Palko. Bei den Profis entwickelte er hochveranlagte Talente wie John Anthony Brooks, Maximilian Mittelstädt oder Jordan Torunarigha sukzessive weiter. Ohne Frage: Für Hertha wäre ein Trainer von seiner Qualität im Nachwuchs Gold wert.

Was dagegen spricht? Nun, womöglich die Angebote der anderen – und die werden kommen. Dass der FC Bayern oder Borussia Dortmund bei Dardai anklopfen, steht zwar nicht zu befürchten, aber manch wankelmütigem Traditionsklub dürfte er bei der nächstbesten Krise wie die ideale Lösung erscheinen. Denn wenn Dardai in den vergangenen viereinhalb Jahren eines nachgewiesen hat, dann, dass er eine Mannschaft stabilisieren kann.

Herthas Ex-Coach Röber glaubt nicht an Rückkehr

Spätestens, wenn das erste ernstzunehmende Angebot aus der Bundesliga auf dem Tisch liegt, dürfte Dardai ins Grübeln kommen. Darüber, ob es ihn tatsächlich mehr reizt, mit einer U-Mannschaft jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit durch die halbe Republik zu fahren. Oder ob er der Welt nicht doch lieber beweisen will, dass er auch außerhalb des Hertha-Kosmos funktioniert, im Rampenlicht und gut entlohnt.

Herthas Ex-Coach Jürgen Röber, unter dem Dardai einst 132 Bundesligaspiele machte, hat diesbezüglich eine klare Vermutung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Pal im Anschluss wieder Nachwuchs-Trainer wird“, sagte er dem Portal t-online.de: „Pal ist ein Ehrgeizling. Da gehst du nicht zurück in den Nachwuchs.“