Bundesliga

Hertha besteht den Charaktertest nicht

Nach dem Debakel in Leipzig verliert Hertha BSC auch gegen Aufsteiger Düsseldorf. Das Saisonziel gerät immer weiter aus der Reichweite.

Frust bei Hertha: Maximilian Mittelstädt (v.l.), Davie Selke, Salomon Kalou, Per Skjelbred und die Stimmung nach der 1:2-Heimpleite gegen Düsseldorf

Frust bei Hertha: Maximilian Mittelstädt (v.l.), Davie Selke, Salomon Kalou, Per Skjelbred und die Stimmung nach der 1:2-Heimpleite gegen Düsseldorf

Foto: Matthias Koch

Berlin.  Karim Rekik saß konsterniert am Boden. Maximilian Mittelstädt lag auf dem Rücken und versteckte sein Gesicht hinter den Händen, wollte am liebsten unsichtbar sein. Wiedergutmachung hatten die Profis von Hertha BSC angekündigt nach dem 0:5 in der Vorwoche in Leipzig. Doch auch das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf ging mit 1:2 (1:1) verloren. „Die Niederlage in Leipzig hat Spuren hinterlassen“, sagte Trainer Pal Dardai, „wir waren nicht aggressiv genug. 0:5 darfst du einmal verlieren, aber die Antwort war nicht in Ordnung.“ Erst zum zweiten Mal in den vier Jahren unter seiner Verantwortung, Dardai ist seit Februar 2015 im Amt, kassierte Hertha vier Niederlagen in Folge.

Schon zehn Punkte auf Platz sechs

Damit sind alle Europacup-Träume endgültig dahin, Platz sechs ist bei nur noch sechs ausstehenden Spielen mittlerweile zehn Punkte entfernt.

Es sind manchmal nur Nuancen, aber sie entscheiden, wie ein Spiel in Erinnerung bleibt. In diesem Fall waren es zwei sehr ähnliche Situationen: Nach 57 Minuten schoss Herthas Ondrej Duda aus fünf Metern, Fortunen-Torwart Michael Rensing parierte artistisch, den Abpraller setzte Herthas Mathew Leckie neben das Düsseldorf Tor. Vier Minuten später parierte Hertha-Torwart Rune Jarstein ebenso glänzend gegen einen Sieben-Meter-Schuss von Benito Raman, der Abpraller fiel dem Düsseldorfer erneut vor die Füße, Nachschuss – Tor. Es war das 1:2. Der Tiefschlag, von dem sich die Berliner nicht mehr erholten.

Für Youngster Arne Maier ist die Saison beendet

Die erste Hiobsbotschaft des Tages hatte es bereits vor dem Spiel gegeben. Jung-Star Arne Maier (20) hatte sich im Abschlusstraining am Freitag am Knie verletzt. „Eine Untersuchung hat ergeben, dass es sich um eine Verletzung des Innenbandes im linken Kniegelenk handelt. Damit ist für ihn die Saison vorzeitig beendet“, teilte Hertha mit.

Anstelle Maiers spielte Per Skjelbred, auch Mathew Leckie kam neu in die Mannschaft. Jener hatte Trainer Pal Dardai die Umstellung auf ein 4-2-3-1-System verordnet.

Die Bedingungen vor 51.600 Zuschauer auf dem frisch verlegten Rasen im Olympiastadion waren gut. Allein, von Wiedergutmachung war kaum etwas zu sehen. Chancen hatten zunächst nur die Gäste. Hertha durfte sich bei Torwart Jarstein bedanken, der zweimal gegen den Fortunen Dodi Lukebakio rettete (3./30. Minute). Zudem jagte der Stürmer den Ball freistehend und unbehelligt von der Hertha-Abwehr über das Berliner Tor (26.). Ein Fehlpass von Skjelbred leitete die Gästeführung ein, zwei Stationen reichten den Fortunen, dann setzte sich Raman gegen Karim Rekik durch und traf in den linken Winkel, 0:1 (35.).

Einzig Grujic und Duda geben den Berlinern kurz Hoffnung

Die Hausherren fanden bis zur 40. Minute überhaupt nicht statt. Immerhin arbeitete sich das Team mit der ersten Gelegenheit zurück ins Spiel. Nach Skjelbreds Zuspiel startete Duda auf der rechten Seite durch, wartete lange mit der Flanke und passte den Ball dann scharf in die Mitte – der heranrauschende Marko Grujic schob das Spielgerät aus sechs Metern ein, das 1:1 ist das vierte Saisontor für die Leihgabe vom FC Liverpool (40.).

Nach der Pause wirkte Hertha zwar optisch überlegen. Aber außer der Doppelchance für Duda und Leckie sowie einem Flugkopfball von Salomon Kalou (83.) sprang wenig Brauchbares heraus für den Hauptstadt-Klub.

„Der Vorwurf geht an die Mannschaft und an mich“, sagte Trainer Dardai. „Wir haben die Situation etwas unterschätzt. Abgesehen von Salomon Kalou war das Selbstvertrauen bei den Offensivspielern wie weggeflogen. Das kann nicht sein. Die kreativen Spieler waren unsicher, die jungen Spieler haben mit Handbremse gespielt.“

Lazaro: „Charaktertest nicht bestanden“

Rechtsverteidiger Valentin Lazaro war sauer: „Ich habe die Schnauze voll. Wenn man mich fragt, wie der Charaktertest ausgegangen ist: Wir haben gegen Düsseldorf 1:2 verloren. Den Test haben wir nicht bestanden.“

Aufsteiger Düsseldorf ist mit nun 37 Punkten an Hertha vorbei gezogen. Wie es aussieht, werden die Berliner nicht mal ihr Minimalziel erreichen – einen einstelligen Tabellenplatz. Der Abstand auf den Neunten Hoffenheim – am kommenden Sonntag Gastgeber für Hertha – beträgt sieben Zähler, und Hoffenheim spielt noch an diesem Sonntag in Augsburg. Lazaro nimmt sich und seine Kollegen trotzdem in die Pflicht. „Für unser Ziel soll sich jeder bis zur letzten Sekunde den Arsch aufreißen“, forderte er.

Unmittelbar vor dem Anpfiff hatten sich die Fans in der Ostkurve in der Stadionfrage positioniert, um zu verhindern, dass die Vereinsführung eventuell noch einmal Pläne für einen Standort Brandenburg aus der Schublade holt. Auf einem großem Spruchband stand: „In Berlin nur Hertha. Hertha nur in Berlin.“