Hertha BSC

Warum für Hertha gegen Düsseldorf nur ein Sieg zählt

Eine ganze Saison auf der Kippe: Hertha BSC und Trainer Pal Dardai müssen am Sonnabend im Olympiastadion unbedingt punkten.

Herthas Niklas Stark (r.) wurde in dieser Saison Nationalspieler, trotz der 1:4-Pleite gegen Takashi Usamis Düsseldorfer im November.

Herthas Niklas Stark (r.) wurde in dieser Saison Nationalspieler, trotz der 1:4-Pleite gegen Takashi Usamis Düsseldorfer im November.

Foto: NORBERT SCHMIDT / picture alliance / Norbert Schmidt

Berlin.  Laut eigener Rechnung ist Pal Dardai gerade bei der Hälfte angekommen. Vom Trainer von Hertha BSC ist der famose Satz überliefert, dass alle Kollegen in der Bundesliga einschließlich ihm lediglich über Sechs-Wochen-Verträge verfügen. „Wenn du in sechs Wochen nicht gewinnst, bist du weg“, hat Dardai mal gesagt.

Es ist ein tristes Frühjahr rund ums Olympiastadion. Bei der Stadionplanung erlebte Hertha in dieser Woche einen Rückschlag, dazu hat der Berliner Bundesligist die vergangenen drei Spiele verloren, man befindet sich als Zehnter im Ödland der Tabelle, eine mögliche Qualifikation für die Europa League ist angesichts von sieben Punkten Rückstand kein Thema mehr.

Die war zwar nie das ausdrückliche Saisonziel, aber dass Hertha so früh aussichtslos dahinter zurückliegt, hat für Misstöne gesorgt. Dass zwischen Trainer Dardai und Manager Michael Preetz ein Dissens darüber herrscht, was als Erfolg zu werten ist und was nicht, ist zuletzt immer offensichtlicher geworden.

Gegner Düsseldorf macht mehr aus seinen Möglichkeiten

Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Hertha gemessen an den eigenen Möglichkeiten nun eine gute oder weniger gute Saison spielt. Da gehen die Meinungen von Manager und Trainer offensichtlich auseinander.

Den Zahlen nach befindet sich Hertha tatsächlich dort, wo es erwartbar gewesen ist. Laut dem Fachportal „Transfermarkt.de“ besitzt der Kader einen Marktwert von 203,5 Millionen Euro, das reicht zu Platz neun unter den Bundesligisten.

Am Sonnabend geht es im Olympiastadion ausgerechnet gegen Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, Sky), den Vorletzten in dieser Wertung (Kaderwert: 67,8 Millionen Euro). Sportlich liegt Düsseldorf aber nur einen Punkt hinter Hertha, nicht nur gefühlt hat die Fortuna deutlich mehr aus ihren Möglichkeiten gemacht.

Weiterentwicklung schlägt sich nicht in Resultaten nieder

Eintracht Frankfurt, mit ähnlichen finanziellen Gegebenheiten wie Hertha BSC ausgestattet, liegt 14 Punkte vor den Berlinern, steht im Viertelfinale der Europa League und hat vergangenes Jahr den DFB-Pokal gewonnen. Klar, dass Preetz das nicht entgangen ist. Zumal die Mannschaft im Herbst angedeutet hatte, wozu sie fähig ist. Nach einem fulminanten Start lag Hertha zwischenzeitlich auf Platz drei, bis in den Dezember hielt man stets den Kontakt zu den Europapokalplätzen.

Weil die Berliner unter Dardai in den vergangenen Jahren immer eine schwächere Rückserie spielten, lautete der klare Auftrag an den Trainer, dieses Mal bitte schön nicht wieder einzubrechen im Frühjahr. Das gelang bisher nicht, aus zehn Spielen hat Hertha nur elf Punkte geholt. Die spielerische Entwicklung, die zweifellos stattgefunden hat, schlägt sich einfach nicht in Resultaten nieder, ein Gefühl von Stillstand hat sich bei Preetz eingeschlichen.

Dardai: „Stehen dort, wo wir hingehören“

Vor dem Spiel gegen Düsseldorf erneuerte Dardai, dessen Vertrag im Winter verlängert wurde, noch mal seine Sicht auf die sportliche Gegenwart. „Hertha steht nicht im Niemandsland, sondern da, wo wir hingehören“, sagte er und begründete das mit den vielen Verletzungen sowie seinen „jungen, unerfahrenen Spielern“.

Was Verletzungen angeht, erlebte Hertha eine schwierige Saison. Vor allem in der Defensive, wo Kontinuität und Eingespieltsein enorm wichtig sind, musste Dardai oft wechseln. Niklas Stark, Karim Rekik oder Jordan Torunarigha fielen immer wieder aus. Letzterer fehlt auch gegen Düsseldorf, genau wie Fabian Lustenberger (Muskelfaserriss).

Alternativen bietet der Kader kaum, von den Transfers im Sommer floppten mehrere. Der ausgeliehene Derrick Luckassen wird vermutlich nicht mehr in Berlin auftauchen, Lukas Klünter und Pascal Köpke konnten sich bisher nicht durchsetzen und der so hoffnungsvoll gestartete Javairo Dilrosun hat aus Verletzungsgründen seit knapp einem halben Jahr kein Spiel mehr bestreiten können. Insgesamt kommen derzeit nur zehn Hertha-Spieler auf 20 oder mehr Bundesliga-Einsätze.

Manager Preetz sieht Potenzial bei Weitem nicht ausgenutzt

Hinter den ersten Elf sind die Möglichkeiten wenig verheißungsvoll. Von den jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs konnten sich Maximilian Mittelstädt und Arne Maier etablieren, so jung und unerfahren, wie Dardai sein Team gern hinstellt, ist es aber nicht.

Unter den jüngsten 50 Startformationen dieser Saison ist Hertha kein einziges Mal vertreten. Dem Verweis des Trainers, dass die Berliner über viel Potenzial für die Zukunft verfügen, entgegnete Preetz: „Im Moment ist die Mannschaft zusammen. Da darf gern jetzt mehr kommen.“

Dardai spürt, dass das Klima rauer wird. Nachdem er das Thema Stadion-Wunsch lange umdribbelt hatte, stellte er sich jüngst mit Aussagen pro Neubau klar an die Seite von Preetz und den Bossen. Dennoch: Für seine Zukunft dürfte es wichtig sein, wie Hertha in den restlichen Spielen abschneidet. Und sechs Wochen sind schnell vorüber.