STADION-DISKUSSION

Hertha pocht auf eine neue Arena im Olympiapark

Der Bundesligist will 2025 weder in Brandenburg spielen noch im Olympiastadion. Ein Neubau kostet gut 200 Millionen Euro

Ingo Schiller, Geschäftsführer Finanzen bei Hertha BSC, wünscht sich mehr Unterstützung für das Arena-Projekt aus der Berliner Politik

Ingo Schiller, Geschäftsführer Finanzen bei Hertha BSC, wünscht sich mehr Unterstützung für das Arena-Projekt aus der Berliner Politik

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Die Verantwortlichen bei Hertha BSC denken nicht ans Aufgeben. Klaus Teichert, der Stadion-Manager des Vereins, sagte in einem Hintergrund­gespräch: „Wir halten an unserem Projekt fest.“ Hertha verfolge seine Pläne weiter, eine eigene Arena zu bauen (Kapazität: 55.137 Plätze), in der der Fußball-Bundesligist ab 2025 spielen will. Und zwar im Olympiapark.

Damit positioniert sich der Klub konträr zu der Ereignissen vom Wochenanfang: So hatte die Baugenossenschaft 1892, die ­Verhandlungen mit Hertha über die sechs Häuser in der Sportforumstraße eingestellt und mitgeteilt, die Gebäude nicht verkaufen zu wollen. Stellvertretend für die Politik legte sich Sportsenator Andreas Geisel (SPD) sogleich fest: „Das Baufeld ist für Hertha weg. Aufgrund dieser neuen Situation werden wir also nicht über den Neubau eines Stadions im Olympiapark mit ­Hertha reden können.“

Weil Spekulationen aufkamen, dass der Klub nun entweder an der bisherigen Spielstätte, dem Olympiastadion, bleiben muss oder ins Umland nach Brandenburg gehen könnte, signalisierten die Verantwortlichen: Hertha werde 2025 weder in Ludwigsfelde spielen noch ­im Olympiastadion ­bleiben.

Teichert hofft auf Einigung mit Baugenossenschaft

Den Vorwurf, Hertha habe für die 24 Mietparteien der Sportforumstraße keine alternative Wohnlösungen finden können, finden sie beim Klub unberechtigt. So haben Architekten im Auftrag von Hertha eine Lösung für die nahegelegenen Baumann’schen Wiesen erarbeitet, der die Vorgaben berücksichtigt, dass dort kein Baum gefällt werden darf. Aber dieser Vorschlag bedürfe die Zustimmung des Bezirkes. Die sei bisher nicht erfolgt. Der zuständige Baustadtrat Oliver Schruoffeneger von den Grünen wies diese Darstellung im „rbb“ zurück. Hertha habe keine konkreten Pläne für Ersatzwohnraum vorgelegt; die Unter­lagen seien skizzenhaft gewesen.

Herthas Stadion-Manager Teichert setzt ungeachtet der Absage darauf, doch noch eine Einigung mit der Baugenossenschaft zu erzielen. Die braucht der Verein dringend, um mehrere Herausforderungen zu lösen. So will der Klub vier Gebäude abreißen lassen für den Neubau einer Arena. Zwei Häuser aber sollen ­stehen bleiben und umgebaut werden. Dort soll die Bildungsstätte der Sport­jugend einziehen, deren bisheriges ­Gebäude ebenfalls einem Arena-Bau weichen müsste.

Hertha schaut auf andere Areale im Olympiapark

Kritik, dass Hertha die Anwohner, Anlieger und den Bezirk gar nicht oder unzureichend informiert habe, teilen die Verantwortlichen nicht. Grundsätzlich könne man immer besser kommunizieren. Was Hertha aber konkret etwas ­versäumt haben soll, nein …

Sollten die Politiker aus dem Abgeordnetenhaus und Bezirk Hertha bei der Lösung der Wohnungsfrage nicht unterstützen, dann „gibt es keine Denkverbote. Das betrifft auch andere Areale im Olympiapark“, sagte Teichert. Hertha habe auf dem riesigen Gelände rings um das Olympiastadion drei oder vier weitere Areale ausgemacht, wo eine Fußball-Arena entstehen könnte. Vorteil: Dort müssten keine Wohnhäuser weichen. Nachteil: Es gäbe gravierende Diskussionen um den Denkmalschutz.

Hertha-Mitglieder sollen Votum abgeben

Beim Klub wird nicht recht verstanden, warum bei dem Arena-Projekt nur über Probleme und Risiken geredet werden - und nicht auch über die Chancen. Der Bau einer Fußball-Arena sei eine Investition von 200 Millionen Euro plus X, die Hertha privat finanziere. Es entstehe eine Veranstaltungsstätte, die es in der Stadt nicht gibt. Hertha habe dem Land eine Fertigstellungsgarantie ebenso zugesichert, wie eine Konkurrenzausschlussklausel, also keine Musikveranstaltung zu veranstalten, wie es sie in der benachbarten Waldbühne oder dem Olympiastadion gibt. Herthas Finanzchef Ingo Schiller sagte: „Für den Weiterbestand von Hertha BSC ist das neue Stadion ein ganz wichtiger Baustein. Diese Sichtweise wird in meiner Wahrnehmung von der Politik so nicht geteilt.“

Das Thema geht weiter. Etwa auf der nächsten Mitgliederversammlung von Hertha am Sonntag, dem 19. Mai. „Ehe wir andere Standorte angehen, beraten wir uns mit unseren Mitgliedern“, sagte Stadion-Manager Teichert. Die Geschäftsführung will sich ein Votum über das weitere Vorgehen einholen.