Immer Hertha

Herthas Probleme bei der Kommunikation der Stadionpläne

Ab 2025 will Hertha in einer Fußball-Arena am Olympiapark spielen. Dafür müssten auch 24 Mietwohnungen weichen.

Hertha BSC möchte im Olympiapark eine Fußballarena mit 55.000 Plätzen errichten.

Hertha BSC möchte im Olympiapark eine Fußballarena mit 55.000 Plätzen errichten.

Berlin. Hertha BSC bewegt sich mit seinen Stadionplänen in schwerer See. Bei einer Diskussions-Veranstaltung für Anwohner und Betroffene gab es reichlich Kritik für die Pläne des Fußball-Bundesligisten, ab 2025 in einer neuen Fußball-Arena im Olympiapark spielen zu wollen.

Geladen hatte die CDU Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Vorwurf, den nahezu alle Anwesenden an den Klub richteten: Hertha hat es seit Bekanntgabe seiner Baupläne im März 2017 versäumt, mit den verschiedenen Betroffenen in Kontakt zu treten.

Herthas Pläne für neues Stadion - Mieter: „Werden mit allen Mitteln dagegen kämpfen“

Ein Kernpunkt sind die 24 Mietwohnungen in der Sportforumstraße, die für einen Stadion-Neubau weichen müssten. Markus Schirrmeister, Anwohner der Sportforumstraße sagte: „Wir wollen dort definitiv nicht wegziehen. Von Hertha haben wir bisher keine Informationen. Die Genossenschaft 1892 will das Grundstück behalten und plant dort, zusätzliche Wohnungen zu errichten. Wir brauchen möglichst schnell Planungssicherheit. Wir werden mit allen Mitteln dagegen kämpfen, dort wegziehen zu müssen.“

Johannes Zurl von der IG Ruhleben kritisiert, dass Hertha als mögliche Ersatzwohnfläche die Baumann’schen Wiesen vorschlägt: Für dieses Grünareal gebe es einen Bürgerbescheid, der eine Bebauung verbiete. Auch Andreas Hilmer, Präsident des Bezirkssportbundes in Charlottenburg-Wilmersdorf sagte: „Hertha hat bisher noch nicht mit uns gesprochen. Wir würden sehr gern wissen, welche Auswirkungen dieses Projekt für die anderen sporttreibenden Vereine im Olympiapark hätte.“

Die Zuständigkeiten im riesigen Olympiapark sind kompliziert aufgeteilt: Zum Teil ist der Berliner Senat zuständig. Mit dem ist Hertha regelmäßig im Austausch. Zum Teil ist aber auch noch das Bezirksamt Charlottenburg zuständig. Dort ist der Austausch mit Hertha dem Vernehmen nach sehr viel unregelmäßiger.

Hertha zahlt pro Saison 5,25 Millionen Euro

Ebenfalls thematisiert wurde der Umstand, dass niemand weiß, wie das Olympiastadion ohne Ankermiete von Hertha BSC (zahlt pro Saison 5,25 Millionen Euro) profitabel zu betreiben ist. Allerdings ist das eine Frage, die der Eigentümer des Olympiaparks beantworten muss (das Land Berlin) – und nicht der Mieter Hertha nach seinem Auszug.

Weiter wurde kritisiert, dass Hertha partout nicht öffentlich machen will, wie und mit wem eine neue Arena finanziert werden soll. Andreas Statzkowski, CDU-Abgeordneter, sagte: „Wenn wir als Abgeordnetenhaus nicht wissen, wer als Investor hinter dem Finanzierungsmodell steht, wie können wir da zustimmen? Es könnte ja sein, dass es um Investoren handelt, die moralisch zweifelhaft sind.“ Auch Dennis Buchner, sportpolitischer Sprecher der SPD (und Mitglied im 1. FC Köln), kritisierte den Hauptstadtklub scharf: Hertha habe bisher keine der anstehenden Fragen überzeugend beantwortet. „Deshalb“, so Buchner, „wird Hertha bis 2025 dort kein Stadion gebaut haben.“

Ein Vertreter von Hertha BSC war zu der Veranstaltung nicht eingeladen. Hertha und der Senat streben an, eine grundsätzliche Entscheidung über die Neubau-Frage bis zum Sommer diesen Jahres zu erzielen. Derzeit sieht es nicht so aus, als ob der Klub viele Unterstützer in dieser Angelegenheit in der Stadt hat.