Kolumne Immer Hertha

Hertha-Gegner Leipzig – Von null auf übermächtig

RB Leipzig ist der unbeliebteste Klub der Liga. Aber: Die Sachsen machen die Bundesliga besser – und damit auch Gegner Hertha BSC.

Die Hertha-Fans machen kein Geheimnis aus ihrer Abneigung gegen RB Leipzig

Die Hertha-Fans machen kein Geheimnis aus ihrer Abneigung gegen RB Leipzig

Foto: Reto Klar/dpa

RB Leipzig ist der mutmaßlich unbeliebteste Klub der Bundesliga. Jedenfalls außerhalb von Sachsen. Zu den vielen Gründen, den Klub nicht zu mögen, zählen die Zulassungen für RB im juristisch dunkelgrauen Bereich durch den Deutschen Fußball-Bund, die Deutsche Fußball Liga und den europäischen Verband Uefa. Offiziell sind Farmteams mit ein und demselben Besitzer in einem Wettbewerb nicht gestattet. Trotzdem treten RB Leipzig und Red Bull Salzburg in der Europa League gegeneinander an – und schieben sich seit Jahren Spieler zu.

Neben juristischen Gründen stößt vielen Fans auf, dass ein Brause-Konzern in der formalen Hülle eines Vereines den Fußball gekapert hat und dort mal eben von null auf übermächtig gewachsen ist.

Leipziger Block im DFB-Team

Am Sonnabend tritt Hertha BSC nun bei RB Leipzig an. Ein Prestigeduell, das aber noch ganz andere Effekte zeigt: In der Region wird das Projekt angenommen, der Zuschauerschnitt liegt bei 37.400 Besuchern. Leipzig ist mit modernem und attraktivem Fußball ein Identifikationsanker in Sachsen.

Außerdem sorgt RB dafür, dass die Bundesliga besser wird. Nicht nur, weil im Länderspiel der deutschen Nationalelf gegen Serbien (1:1) ein Leipziger Block stand mit Marcel Halstenberg, Lukas Klostermann und Timo Werner.

Im Prinzip unabsteigbar

Mit seinen finanziellen Möglichkeiten kann es sich Leipzig, anders als die meisten Konkurrenten, leisten, wechselwillige Spieler zum Bleiben zu verpflichten. Ungeachtet hochdotierter Auslandsangebote im vergangenen Sommer spielen Timo Werner und Emil Forsberg auch in dieser Saison in der Bundesliga.

RB hat sich 2017, im ersten Bundesliga-Jahr, direkt für die Champions League qualifiziert. 2018 reichte es für die Europa League. Aktuell segelt das Team von Trainer Ralf Rangnick erneut auf Champions-League-Kurs. Heißt: Leipzig ist neben den Bayern und Dortmund der nächste Bundesligist, der im Prinzip unabsteigbar ist. Weil der Konzern, sollten die Leipziger mal eine schwache Halbserie erwischen, im Winter jede beliebige Millionensumme investieren kann, um einen Abstieg zu verhindern.

Die Luft für Traditionsvereine wird dünner

Die Folge: RB Leipzig sorgt dafür, dass die Luft an der Spitze dünner wird. Weil neben den Bayern, Dortmund und Leipzig nur noch ein Platz für einen anderen Bundesligisten frei ist an der Champions League. Besonders unter Druck geraten sind Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt, Mönchengladbach, ­ Bremen, Stuttgart – und Hertha BSC.

Der Hauptstadt-Klub ist schon länger dabei, sich auf die Konkurrenz aus der Region einzustellen. Wenn ein Wettbewerber mehr Geld und eine modernere Infrastruktur hat, stellt sich immer die Frage nach den eigenen Stärken.

Leipzig hat Hertha den einen oder anderen Rohdiamanten aus dem Nachwuchs abgeworben. Aber das Wildern hat sich nicht recht gelohnt. Bisher ist kaum eines dieser Talente bei den Leipziger Profis angekommen. Im Gegenteil, Trainer Rangnick hat die mangelnde Qualität im RB-Nachwuchs beklagt.

Herthas Antwort: eine hohe Durchlässigkeit

Hertha bietet als Geschäftsmodell den Gegenentwurf. Unter Manager Michael Preetz und Trainer Pal Dardai wird strategisch auf Eigengewächse gesetzt. Der Schlüssel, den Hertha wie kein anderer Erstligist ausspielt, ist die Durchlässigkeit. So haben sich aktuell 13 Talente aus dem Hertha-Nachwuchs einem Profivertrag erarbeitet.

Daneben hat Hertha den Fokus auf Berlin verschärft. Das Kieztraining wurde wieder aufgenommen. Zudem ist jedes Heimspiel einem bestimmten Berliner Bezirk (oder dem benachbarten Brandenburg) gewidmet – Herkunft als Identifikationsfaktor.

Identifikation als Trumpf

Natürlich hat auch ein Projekt wie das von RB Leipzig mit vielen zusammengekauften Hochkarätern Schwächen. Dieter Hecking, mehrere Jahre Trainer in ähnlicher Konstellation (beim VW-Klub VfL Wolfsburg), sagte nach seiner Entlassung sinngemäß: Sein größtes Problem sei gewesen, die Spieler zu ­motivieren, für den Verein zu spielen – und nicht nur für sich selbst.

Bei Hertha wird viel dafür getan, dass die Identifikation der Spieler mit dem Klub und der Stadt ausgeprägt ist.