Hertha BSC

Pal Dardai – „Marvin kann mehr“

WM-Fahrer Marvin Plattenhardt ist bei Hertha nur noch zweite Wahl. Coach Dardai fordert mehr Mut, doch der fehlt beim 1:3 gegen Kiel

Marvin Plattenhardt hat nicht nur in dieser Szene gegen Kiels Noah Awuku einen schweren Stand. Der WM-Teilnehmer ist aktuell nur zweite Wahl bei Hertha.

Marvin Plattenhardt hat nicht nur in dieser Szene gegen Kiels Noah Awuku einen schweren Stand. Der WM-Teilnehmer ist aktuell nur zweite Wahl bei Hertha.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin.  Es ist nicht so, dass er komplett abtauchen würde. Für ein paar Fragen nimmt sich Marvin Plattenhardt immer noch Zeit, auch wenn er ahnt, dass es keine angenehmen werden.

Der Mann, der als deutscher WM-Teilnehmer im vergangenen Sommer noch Herthas ganzer Stolz war, ist aktuell nicht mal mehr in Berlin erste Wahl. Zum DFB-Team fährt mit Niklas Stark inzwischen ein anderer Hauptstadt-Akteur, Plattenhardt hingegen bleibt nichts anderes übrig, als in einem bunt zusammengewürfelten Team mit etlichen Nachwuchskräften gegen Zweitligist Holstein Kiel anzutreten. Dass das Freundschaftsspiel im Amateurstadion am Donnerstag mit 1:3 (1:2) endete? Geschenkt. Ohne Relevanz.

„Ich bin Profi genug, um damit umzugehen“

Von Plattenhardts Situation bei Hertha lässt sich das nicht behaupten. „Für einen, der immer spielen will, ist es nie einfach, wenn man nicht erste Wahl ist“, sagt er, „aber ich bin Profi genug, um damit umzugehen. Ich versuche, das wegzustecken und mich im Training ganz normal weiter anzubieten.“ Dabei ist im Vergleich zu früher überhaupt nichts mehr ganz normal.

Seit Pal Dardais Amtsantritt Anfang 2015 war Plattenhardt (27) bei Hertha gesetzt. Mehr noch: Der Linksverteidiger entwickelte sich stetig weiter, bestach durch zuverlässige Defensivarbeit, sicheres Passspiel und gefährliche Standards. Im Juni 2017 folgte die erste Einladung von Bundestrainer Joachim Löw, im Sommer 2018 das WM-Ticket.

Dafür, dass das Turnier in Russland in einem Debakel endet, konnte er zwar wenig, aber sein Einsatz im Auftaktspiel gegen Mexiko (0:1) dürfte trotzdem sein letzter im Nationaltrikot bleiben. Bei Löw spielt Plattenhardt keine Rolle mehr. Und bei Hertha hat derzeit Eigengewächs Maximilian Mittelstädt die Nase vorn. Womit sich die Frage stellt, wie der Platzhirsch a.D. mit der Situation umgeht.

Gute Standards, aber zu wenige Offensive-Impulse

on allein wird sein Stammplatz jedenfalls nicht zurückkommen, Plattenhardt muss sich aufdrängen. Der Test gegen Kiel wäre eine Gelegenheit dafür gewesen, doch gelingen sollte das nicht. Mal konnte er seinen Gegenspieler nicht halten, mal stand er nicht nah genug am Mann, mal geriet eine Flanke zu ungenau, fast nie rückte Plattenhardt mit der nötigen Entschlossenheit nach, wenn sich die Chance dazu bot. Das Umschaltspiel scheint ihm derzeit ähnlich schwer zu fallen wie die Umstellung auf die Herausforderer-Rolle.

Ein paar gute Standards schlug er dennoch, und dass jene Flanken nicht verwertet wurden, kann man ihm kaum anlasten. „Wenn daraus ein, zwei Tore entstehen, sieht’s schon wieder anders aus“, sagte Plattenhardt.

Seinen Trainer konnte er in den 90 Minuten trotzdem nicht überzeugen. „Man merkt ihm die fehlende Spielpraxis an“, meinte Dardai, „seine Standards waren gefährlich, aber er muss sich steigern – auch im Training. Er braucht mehr Mut, Marvin hat mehr drauf.“

Im Winter blitzte Zenit St. Petersburg ab

Nein, das, was Plattenhardt liefert, reicht dem Ungarn nicht mehr. Ein Signal, das der Coach schon seit dem 2. Februar zum Ausdruck bringt. Beim 0:1 gegen Wolfsburg war Plattenhardt nach einem Ballverlust nicht nach hinten gespurtet, wurde ausgewechselt und machte seither kein Spiel mehr. Dass er dabei zwei Partien wegen einer Verletzung verpasste, dürfte ein schwacher Trost sein.

Im Sommer hatte Hertha damit geliebäugelt, seinen WM-Fahrer für 25 Millionen Euro zu verkaufen, im Winter blitzte laut „Kicker“-Informationen Zenit St. Petersburg ab. Plattenhardts Vertrag läuft bis 2023, aktuell wird sein Wert auf zwölf Millionen Euro taxiert. Er wird seine derzeitige Rolle annehmen müssen, um schlussendlich nicht doch: komplett abzutauchen.