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Marco Reus verdirbt Pal Dardai den Geburtstag

Trotz Kalous Doppelpack: Hertha kassiert im packenden Duell gegen den BVB das 2:3 in der Nachspielzeit – und zwei Platzverweise.

Bitter Moment für die Berliner: Dortmunds Siegtorschütze Marco Reus (Nummer elf) dreht jubelnd ab, Hertha-Keeper Rune Jarstein ist geschlagen.

Bitter Moment für die Berliner: Dortmunds Siegtorschütze Marco Reus (Nummer elf) dreht jubelnd ab, Hertha-Keeper Rune Jarstein ist geschlagen.

Foto: Ottmar Winter

Hertha-Trainer Pal Dardai wird seinen 43. Geburtstag in schlechter Erinnerung behalten. In der Nachspielzeit verloren die Berliner eine packende Bundesliga-Partie gegen Borussia Dortmund mit 2:3 (2:1).

Es war BVB-Kapitän Marco Reus, der den Siegtreffer für die Gäste erzielte (90.+2). Damit nicht genug des Unheils für die Berliner: Neben Jordan Torunarigha, der mit Gelb-Rot vom Platz flog, kassierte Vedad Ibisevic zu allem Überfluss eine Rote Karte. Der Hertha-Kapitän hatte Dortmunds Torwart Roman Bürki den Ball an den Kopf geworfen (90.+5).

Nach Torunarigha fliegt auch Kapitän Ibisevic vom Platz

Dortmund übernahm im Fernduell mit dem FC Bayern für zumindest eine Nacht die Tabellenführung. „Es war ein verrücktes Spiel“, sagte BVB-Trainer Lucien Favre (61), „vor allem in der zweiten Halbzeit war es spektakulär für die Zuschauer.“ Hertha-Torjäger Salomon Kalou, der beide Berliner Tore erzielt hatte, sagte hingegen: „Wir hatten auch in der zweiten Halbzeit gute Chancen, aber wenn du die nicht machst, verlierst du eben.“

Löw, Klinsmann und Vogts auf der Ehrentribüne

Auf der VIP-Tribüne des ausverkauften Olympiastadions hatte die versammelte Bundestrainer-Kompetenz Platz genommen – Joachim Löw, Jürgen Klinsmann und Berti Vogts verfolgten die Partie. Zu sehen gab es einen fulminanten Start. Herthas Maximilian Mittelstädt zog aus 17 Metern ab, BVB-Torwart Roman Bürki wehrte den Aufsetzer nur in die Mitte ab, Kalou schob den Ball aus vier Metern ein – 1:0 (4.).

Dortmund nahm nun ebenfalls Betriebstemperatur auf. Thomas Delaney zirkelte einen 16-Meter-Schuss ins linke Eck. Hertha-Torwart Rune Jarstein wäre zur Stelle gewesen, doch Verteidiger Karim Rekik fälschte den Ball entscheidend ab, der nun ins rechte Eck holperte, 1:1 (14.). Langsam wird dieser Hertha-Lauf unheimlich: Im vorletzten Spiel gegen Mainz war Niklas Stark ein Eigentor unterlaufen, im letzten Spiel in Freiburg köpfte Ibisevic den Ball ins eigene Tor.

Kalou verwandelt einen Handelfmeter

Nun suchten beide Teams ihr Heil in der Offensive. Der selbstbewusste Valentino Lazaro trieb die Hausherren an. Der Österreicher bediente Ondrej Duda, dessen Schuss im Strafraum dem Dortmunder Julian Weigl an die hochgerissene Hand prallte – Schiedsrichter Tobias Welz entschied auf Elfmeter. Kalou nutzte sein Momentum, 2:1, Saisontreffer Nummer fünf für den Ivorer (35.).

Aber so einsatzstark Hertha auch war: Der Vorteil wurde rasch wieder verspielt. Dan-Axel Zagadou köpfte nach einer Sancho-Ecke das 2:2 für den BVB (47.).

Die Borussen, die im Titelrennen unbedingt einen Sieg aus Berlin mitnehmen wollten, setzten nach. Nun entspann sich das Szenario, das eigentlich von Anfang zu erwarten gewesen war. Dortmund spielte Powerplay – dafür boten sich den Gastgebern Konterchancen.

Hektische Szenen im Hertha-Strafraum

Pech für die Blau-Weißen, dass Marko Grujic nur den BVB-Pfosten traf (57.). Dann hatte der BVB sehr viel Glück, dass ein Schubser von Zagadou gegen Duda im Dortmunder Strafraum nicht mit einem Elfmeter und einer Roten Karte bestraft wurde. Stattdessen ließ der Schiedsrichter weiterspielen.

Der BVB drehte weiter auf, es spielten sich hektische Szenen im Hertha-Strafraum ab. Nach 84 Minuten gerieten die Berliner in Unterzahl. Der bereits verwarnte Torunarigha foulte Achraf Hakimi und musste mit der Ampelkarte vom Platz. Dortmund rannte an, Trainer Favre coachte sein Team zwei Meter innerhalb des Spielfeldes stehend. Er sah wie, Delaney aus 18 Metern den Ball an die Latte des Hertha-Tores jagte (87.).

„Nach dem Platzverweis lag das dritte Dortmunder Tor in der Luft“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. Es fiel, nachdem Sancho den Ball auf Reus in den Strafraum passte, der Nationalspieler verlängerte ins rechte Eck, 2:3.

Unverständlich war, dass dem erst in der 77. Minute eingewechselten Ibisevic die Nerven durchgingen, als Dortmund in der Folge auf Zeit spielte.

Aber Torwart Bürki einen Ball aus acht Metern an den Kopf zu werfen, das ist, mit Verlaub gesagt, dämlich. „Ich weiß nicht, ob es Absicht war“, sagte Trainer Dardai, „besser wäre gewesen, Vedad wäre bei der Situation ganz weggeblieben.“

Herthas Abwehrchef Niklas Stark war bedient: „Die Mannschaft hat ein super Spiel gemacht, hat sehr gut verteidigt. Jeder ist an seine Grenzen gegangen. Umso bitterer, dass wir keine Punkte mitgenommen haben.“