Bundesliga

Hertha macht Borussia Dortmund Angst

Der BVB will Meister werden, hat aber zuletzt mehrfach schlechte Erfahrung mit den Berlinern gemacht.

Herthas Salomon Kalou (Nr. 8) trifft in der Hinrunde per Elfmeter zum 2:2-Endstand bei Borussia Dortmund

Herthas Salomon Kalou (Nr. 8) trifft in der Hinrunde per Elfmeter zum 2:2-Endstand bei Borussia Dortmund

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin. Das Topspiel des 26. Bundesliga-Spieltages elektrisiert die Fußballfans. Wenn Hertha BSC Meisterschaftsaspirant Borussia Dortmund empfängt (Sonnabend, 18.30 Uhr, Sky) wird zum ersten Mal in diesem Jahr das Olympiastadion ausverkauft sein. 74.475 Besucher werden die Stadiontore passieren, so viel waren es zuletzt im September vergangenen Jahres, als die Berliner Meister Bayern München mit 2:0 ­bezwungen ­haben.

Beim BVB erinnern sie sich durchaus daran, wie schwer sie sich mit den Berlinern tun. „Wir haben in den Jahren zuvor dort nicht immer so gut ausgesehen“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc, „es wird eine schwierige Aufgabe, wir brauchen eine Topleistung.“

In der Tat hat sich Hertha zu einem Angstgegner der Borussia gemausert. Im März 2017 gewannen die Hausherren durch Tore von Salomon Kalou und Marvin Plattenhardt mit 2:1 gegen Dortmund, im Januar 2018 trennte man sich 1:1. Und in der Hinserie im vergangenen Oktober entriss Hertha durch einen von Kalou verwandelten Foulelfmeter in der Nachspielzeit Dortmund den sicher geglaubten Sieg, am Ende musste sich der damalige Spitzenreiter BVB mit einem 2:2 ­begnügen.

Die Zeit der Bayern-Domininanz ist vorbei

Doch die Ausgangslage hat sich geändert. Nach vielen Monaten als Tabellenführer hat Dortmund den üppigen Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern verspielt und liegt aktuell auf Platz zwei. „Wir hatten eine Phase mit nicht so guten Ergebnissen“, wie Sportdirektor Zorc formuliert. „Wir glauben aber, dass wir diese überstanden haben. Wir werden alles dafür tun, deutscher Meister zu werden!“

Nachdem sowohl der BVB als auch die Bayern in der Champions League sang- und klanglos ausgeschieden sind, liegt der Fokus der beiden deutschen Topteams auf dem Rennen um den Meistertitel. Insofern erleben die Fans etwas, was es in den vergangenen Jahren mit der Dominanz der Bayern nicht gab. „Für Bayern und Dortmund heißt es, dass die volle Konzentration auf der Liga liegt“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. „In diesem Jahr ist Spannung an der ­Liga-Spitze und bei der Vergabe der internationalen Plätze garantiert.“

Hertha sucht Anschluss an Europa

Da passt es nicht recht, dass Hertha als Liga-Zehnter irgendwo im Nirgendwo liegt. Die Begegnung gegen Dortmund soll beim Hauptstadt-Klub für frischen Schwung für das letzte Saisonviertel sorgen. „Wir wollen gewinnen und die Hoffnung aufrechterhalten, dass wir noch mal vorne reinrutschen können“, sagt Trainer Pal Dardai mit Blick auf die internationalen Ränge, auf die Hertha bei neun ausstehenden Spielen allerdings bereits sieben Punkte Rückstand hat.

Ein Hebel, den sich die Berliner ausgeguckt haben: Dortmund kassiert für ein Spitzenteam erstaunlich viele Gegentore bei Standardsituationen, also nach Ecken und Freistößen. Der Ausgleich, den der BVB vergangenes Wochenende gegen Stuttgart kassiert hat, war das zehnte Gegentor nach einem ruhenden Ball. „Das ist natürlich zu viel“, meint Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspieler-Abteilung. „Wir müssen uns besser und cleverer verhalten. Es ist zu leicht, in diesen Situationen gegen uns ein Tor zu erzielen.“

Trainer Pal Dardai setzt auf Standards

Erschwerend kommt für die Dortmunder hinzu, dass am Sonnabend gegen Hertha Leitwolf Axel Witsel ausfallen wird. Der Belgier, der in 32 von 36 Pflichtspielen in der Startelf stand, hat sich einen Faserriss in den ­Adduktoren zugezogen.

Und Standards sind eine Hertha-Stärke. In dieser Saison gelangen den Berlinern bereits zehn Tore. Im letzten Heimspiel gegen Mainz (2:1) fielen beide Treffer durch Marko Grujic und Niklas Stark im Anschluss an Ecken.

Deshalb werden diese besonders trainiert. Herthas Cotrainer Admir Hamzagic sagte: „Wir haben letzte Woche schon verstärkt geübt und tun das auch jetzt wieder. Dortmund hat da eine Schwachstelle – auch durch die fehlende Größe. Und wir haben da eine Qualität, die wir nutzen müssen.“ Gemeint sind die vielen kopfballstarken Berliner wie Ibisevic, Stark, Karim Rekik, Jordan Torunarigha oder Grujic.

Torjäger Selke meldet sich fit zurück

Auch der torgefährliche Davie Selke hat sich nach überstandener Muskelverletzung zum BVB-Spiel fit gemeldet. „Davie ist eine Option“, sagte Trainer Pal Dardai. Der wichtige Mann ist der, der die Standards schlägt. In der Vorsaison war zumeist Marvin Plattenhardt dafür zuständig. Da der Linksverteidiger derzeit nicht in der Startelf steht, hat den Job des Vorlagengebers Ondrej Duda übernommen. Cotrainer Hamzagic sagte: „Ondrej ist prädestiniert dafür, er hat einen richtig guten Schlag.“