Hertha BSC

Pal Dardai – „Niklas hat das Potenzial zum Nationalspieler“

Hertha-Verteidiger Stark empfiehlt sich mit starken Leistungen für die Nationalmannschaft. Coach Pal Dardai traut ihm Großes zu

Kein unbeschriebenes Blatt beim DFB: Mit der U21 wurde Niklas Stark (l.) 2017 Europameister. Drei Jahre zuvor gewann er den EM-Titel mit der U19.

Kein unbeschriebenes Blatt beim DFB: Mit der U21 wurde Niklas Stark (l.) 2017 Europameister. Drei Jahre zuvor gewann er den EM-Titel mit der U19.

Foto: Martin Rose, Bongarts, Getty Images / Bongarts/Getty Images

Berlin. Für einen Plausch blieb keine Zeit. Nach Ende des Trainings trabte Niklas Stark am Dienstagvormittag schnurstracks Richtung Kabine. „Ich muss mich beeilen, ich hab’ gleich 40 Minuten Interviews“, ließ der Hertha-Profi wissen, ehe er entschwand. Wenig später saß er frisch geduscht vor den Kameras der Deutschen Fußball Liga (DFL), um Rede und Antwort zu stehen.

Dass Stark vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (18.30 Uhr) als Gesprächspartner derart gefragt ist, kommt nicht von ungefähr. Seit Wochen besticht der 23 Jahre alte Abwehrspieler durch starke Leistungen, überzeugt durch gutes Stellungsspiel, resolute Zweikampfführung und entfacht überdies selbst Torgefahr. Unterm Strich macht ihn das zu einem der interessantesten deutschen Innenverteidiger – und die werde bekanntlich gerade von höchster Stelle gesucht.

Bundestrainer Löw sucht Nachfolger für Hummels und Boateng

Seit Bundestrainer Joachim Löw die Platzhirsche Mats Hummels und Jérome Boateng vorige Woche in den Nationalmannschafts-Ruhestand komplementiert hat, ist der Kampf um deren Nachfolge im Abwehrzentrum neu entbrannt. Bayern-Profi Niklas Süle (23) darf als gesetzt gelten, dahinter zählen Antonio Rüdiger (26, Chelsea), Jonathan Tah (23, Leverkusen), Matthias Ginter (25, Mönchengladbach) und Thilo Kehrer (22, Paris Saint-Germain) zu den Anwärtern. Und zunehmend eben auch Stark.

Spätestens seit Löw am vergangenen Sonnabend bei Herthas Partie in Freiburg auf der Tribüne gesichtet wurde, wird der Berliner auch jenseits der Hauptstadt als Kandidat wahrgenommen.

Starke Führungsspieler-Qualitäten

Bei Hertha sind sie schon lange von den Qualitäten des 1,90-Meter-Manns überzeugt. „Er ist groß, schnell und zuverlässig, hat taktische Disziplin, ist stark im Offensiv-Kopfball und ein intelligenter Fußballer“, sagt sein Förderer Pal Dardai: „Wir haben ihm sehr viel Vertrauen geschenkt und jetzt hat er noch mal einen großen Schritt gemacht.“ Ob er schon reif ist für Löw? „Das ist nicht meine Sache, darüber zu urteilen“, sagt der Ungar, „aber er hat das Potenzial.“

Was Stark zusätzlich interessant macht, ist das, was Dardai ein „Bonus-Talent“ nennt. Seit Jugendtagen strahlt der gebürtige Franke eine natürliche Autorität aus. „Es gibt Profis, die tragen ein Führungsspieler-Gen in sich“, hat Hertha-Manager Michael Preetz mal über ihn gesagt, „und Niklas ist so einer.“ Eine Qualität, die auch beim DFB registriert wurde. Für seinen früheren U21-Nationalcoach Stefan Kuntz ist Stark ein „natürlicher Anführer“.

Stabiler denn je

Zum Stammpersonal zählt Stark bei Hertha schon, seit er 2015 aus Nürnberg kam. Was jedoch lange fehlte, war die Beständigkeit, immer wieder erlaubte er sich Fehler, die teils bitter bestraft wurden. Ein Manko, das er in diesem Jahr abgestreift hat. Das Eigentor beim 2:1 vor zwei Wochen gegen Mainz bügelte er mit dem Siegtreffer wieder aus. „Er ist jetzt unglaublich stabil“, sagt Dardai.

Gegen den 61-Tore-Angriff des BVB muss er nun den nächsten Nachweis seiner Klasse erbringen. Laut Medienberichten soll der Tabellenzweite seine Fühler nach Stark ausgestreckt haben. Ein Gerücht, das keine der beteiligten Seiten bestätigt. Zum Bestreben der Borussia, auf deutsche Spieler zu setzen, würde das zwar passen, die Konkurrenz hätte es für Stark jedoch in sich.

Vertrag in Berlin bis 2022

Für die Innenverteidiger Abdou Diallo (22/28 Mio. Euro) und Manuel Akanji (23/21,5 Mio. Euro) zahlte der BVB hohe Ablösesummen, hinzu kommt der hochveranlagte Dan-Axel Zagadou (19). Bei Hertha soll Stark eine Ausstiegsklausel in Höhe von rund 25 Millionen Euro haben. Sein Vertrag läuft bis 2022.