Bundesliga

Hertha verliert in Freiburg - Ibisevic schießt Eigentor

Hertha BSC hat in Freiburg verloren - wieder einmal. Pechvogel Vedad Ibisevic traf, doch leider ins falsche Tor.

Vedad Ibisevic ärgert sich über sein Missgeschick.

Vedad Ibisevic ärgert sich über sein Missgeschick.

Foto: Patrick Seeger/dpa

Freiburg. Nach dem Schlusspfiff tigerte die tragische Figur des Spiels im Mittelkreis umher. Die Hände in die Hüften gestemmt, den Kopf leicht gesenkt, die Lippen aufeinandergepresst – es war ein Bild der Fassungslosigkeit, das Herthas Kapitän Vedad Ibisevic abgab. Verständlich nach dem aus Berliner Sicht bitteren 1:2 (0:1) beim SC Freiburg, denn der Bosnier hatte seinem Team mit dem Ausgleich erst neue Hoffnung geschenkt (76. Minute), ehe er den Ball nur fünf Minuten später nach einer Ecke per Kopf ins eigene Netz lenkte (80.). Das erste Eigentor seiner Karriere. Es sollte der entscheidende Treffer bleiben.

Der Plan geht nach hinten los

Man hätte gern gewusst, was der 34 Jahre alte Routinier zu dieser Kuriosität gesagt hätte, doch Ibisevic musste zur Dopingkontrolle. Stattdessen sprach einer, den eine Woche zuvor ein ähnliches Schicksal ereilt hatte, allerdings mit glücklicherem Ausgang. „Überhaupt keinen Vorwurf an Vedad“, sagte Verteidiger Niklas Stark, der Tor- und Eigentorschütze des 2:1 gegen Mainz, „er muss da hingehen. Aber so zu verlieren, ist einfach bitter.“

Trainer Pal Dardai war bemüht, die Niederlage mit Fassung zu nehmen. „Eigentlich wollten wir mit einem Standardtor gewinnen“, sagte der Ungar, „aber leider ist es genau andersrum gekommen. So langsam müssen wir als Mannschaft in die Kirche gehen. Was wir für Gegentore bekommen, ist kaum zu glauben.“ Sehr real mutet die Tabellensituation an. Nach der achten Saisonniederlage rutscht Hertha auf Rang neun.

Löw sieht einen starken und zwei schwache Herthaner

Mit Pech allein ließ sich die Niederlage nach einer von vielen Fouls und noch mehr Hektik geprägten Partie allerdings nicht begründen. Den Berlinern fehlten in Durchgang eins Aggressivität und Struktur, was auch am Personal lag. Im Vergleich zur Vorwoche hatte Dardai drei Änderungen vorgenommen. Kapitän Vedad Ibsevic ersetzte den angeschlagenen Davie Selke (Hüfte), Lukas Klünter den kurzfristig ausgefallenen Valentino Lazaro (Knie). Zudem saß überraschend Arne Maier auf der Bank, für den Karim Rekik in die Startelf rückte. „Arnes Zweikampfverhalten war in letzter Zeit nicht in Ordnung“, erklärte Dardai später, doch Ballsicherheit und Offensiv-Impulse des Mittelfeldspielers sollten Hertha bis zur Pause spürbar fehlen.

„Wir wollen frech sein“, hatte Dardai angekündigt – und einen bissigen Auftritt gefordert. Davon war zunächst wenig zu sehen, Pfiffigkeiten und Mut ließen sich lange nur in Spurenelementen nachweisen. Während die Freiburger wie aufgedreht in die Partie starteten und mit zwei Distanzschüssen durch Janik Haberer (2.) und Amir Abrashi (19.) echte Torgefahr schürten, blieb Hertha harmlos. Bis zur 25. Minute waren zwei Schüsschen von Marko Grujic das höchste der Gefühle, dann aber schraubte sich Niklas Stark nach Freistoß von Ondrej Duda in die Luft und zwang SC-Keeper Alexander Schwolow mit wuchtigem Kopfball zu einer Glanztat. Eine Aktion, die Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne mit Interesse verfolgt haben dürfte. Herthas Innenverteidiger gilt in der kommenden Länderspielpause als Kandidat für eine Nominierung.

Trainer Dardai stellt das System um

Zwei andere Hertha-Talente dürften beim DFB-Coach weniger Eindruck hinterlassen haben, denn das 0:1 ging maßgeblich auf die Kappe zweier U21-Nationalspieler. Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt ließ Vicenzo Grifo zu unbedrängt flanken und Jordan Torunarigha in seinem Rücken Nils Petersen entwischen. Der Stürmer nickte aus fünf Metern trocken ein, das 0:1 (27.).

Herthas Offensive blieb blass. Zu behäbig im Aufbau, zu wenig Präzision im Passspiel, zu wenig Konsequenz beim (vor-) letzten Pass. Die einzig nennenswerte Gelegenheit erst in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs: Flanke Mittelstädt, Kopfball Duda – knapp am langen Pfosten vorbei.

Dardai reagierte, brachte Maier für Fabian Lustenberger und stellte von 3-5-2 auf ein 4-4-2-System um. Statt endlosem Hin und Her sahen die 24.000 Zuschauer nun zunehmend Berliner Powerplay – auch, weil die Freiburger wegen einer Mischung aus Kontertaktik und Kräfteverschleiß tiefer standen. Nach 76 Minuten wurde der Druck der Gäste zu groß. Salomon Kalou steckte aus dem Zentrum an die linke Strafraumkante durch, Torunarigha bediente im Zentrum Ibisevic, das 1:1 (76.).

Das zweite Eigentor innerhalb von zwei Spielen

„Ein wunderschönes Tor“, schwärmte Dardai – und vermeintlich jener Moment, der Hertha auf die Siegerstraße führen sollte. Der zweite Treffer lag in der Luft, doch zum Entsetzen der Hauptstädter landete er im eigenen Netz. Es war das zweite Eigentor in den jüngsten zwei Spielen. Eine Schwachstelle, die Hertha bis zum Sonnabend beheben sollte. Dann ist Borussia Dortmund zu Gast.