Fussball

Ein neuer Fall für Doktor Pal Dardai

Verletzungen zwingen Hertha-Trainer Dardai ständig zu Personalwechseln. Der Coach hat ein gutes Gefühl dafür entwickelt.

Mit Jordan Torunarigha (l.) in der Abwehr mit Dreierkette hat Hertha oft gut ausgesehen, zuletzt beim Heimspiel gegen Gladbach.

Mit Jordan Torunarigha (l.) in der Abwehr mit Dreierkette hat Hertha oft gut ausgesehen, zuletzt beim Heimspiel gegen Gladbach.

Foto: Federico Gambarini / picture alliance/dpa

Berlin.  Im Sommer, als sie bei Hertha BSC die anstehende Fußball-Saison besprachen, war sich Pal Dardai nicht ganz sicher. Es ging um eine Planstelle im Kader. Hertha war ein Leihgeschäft mit einem Innenverteidiger angeboten worden, Derrick Luckassen von PSV Eindhoven. Dardai trug seine Zweifel dem Manager Michael Preetz vor. Ist dieser Luckassen trotz seiner Vita als niederländischer Junioren-Nationalspieler nicht einer zu viel? Schließlich wähnte sich Dardai durch Karim Rekik, Niklas Stark, Jordan Torunarigha und Florian Baak in Besitz eines schlagkräftigen Innenverteidiger-Quartetts. Luckassen kam dann doch, und wie sich mehr als ein halbes Jahr später herausstellt, war dieser Niederländer nicht einer zu viel, sondern eher einer zu wenig.

Ausfälle in der Defensive sind in dieser Saison groß

Die Ausfallmisere, die den Berliner Bundesligisten vor allem im hinteren Teil der Mannschaft in dieser Saison heimsucht, ist ungewöhnlich. Vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr, Olympiastadion) muss Dardai auf den gesperrten Karim Rekik verzichten, nachdem dieser sich in der Vorwoche in München einen Platzverweis einhandelte. Luckassen ist längst wieder in den Niederlanden, offiziell gilt er als verletzt, aber die Chancen, dass er nach der für ihn missratenen Hinrunde nochmal in Berlin aufschlägt, sind eher gering.

Torunarigha meldet sich fit für das Spiel gegen Mainz

Baak ist es nicht gelungen, seine Bundesligatauglichkeit nachzuweisen, und dann ist da noch Torunarigha. Der junge Verteidiger musste vor zwei Wochen gegen Bremen verletzt vom Feld, am Donnerstag trainierte er zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft. Pal Dardai gab sich dennoch nicht sonderlich optimistisch. „Er ist sich nicht ganz sicher, die Chancen stehen 50:50“, sagte Herthas Trainer. Torunarigha klang dagegen deutlich zuversichtlicher, als er den Trainingsplatz verließ. Um genau zu sein, war er sich sogar ziemlich sicher. „Alles okay, ich kann spielen“, sagte er.

Torunarighas Einsatz würde auch die Taktik beeinflussen

Nun hat Dardai in Sachen Personal immer wieder mal geblufft. Schließlich hängt nicht weniger als die gesamte taktische Ausrichtung an der Personalie Torunarigha. „Wenn er nicht kann, müssen wir bei der Viererkette bleiben“, sagt Dardai. Mit Torunarigha würde es auf die vom Trainer bevorzugte Dreierkette hinauslaufen, mit Stark rechts, Lustenberger in der Mitte und Torunarigha links. Dazu Lazaro (rechts) und Mittelstädt (links) auf den Außenbahnen. Dardai hatte zuletzt mehr und mehr Gefallen an dieser Formation gefunden. In den vergangenen drei Spielen hatte er aber immer wieder Personal in der Abwehrkette tauschen müssen.

In der Hinrunde fehlte oft die Sicherheit

Besonders eklatant war es in der Hinrunde, als die ersten drei Innenverteidiger Rekik, Stark und Torunarigha oft gleichzeitig fehlten. In dieser Zeit fehlte Hertha auch die Sicherheit, nach gutem Start verlor man wichtige Punkte. „Die Jungs haben das gut kompensiert bisher, aber es ist nicht einfach“, sagt Dardai. „Zum Schluss spielt Lusti die ganze Saison als gelernter Sechser dort hinten“. Gemeint ist Fabian Lustenberger, der die meisten seiner 20 Einsätze in der defensiven Zentrale verbracht hat. Hertha ist immer noch stabil. Was die Gegentore angeht, liegt man auf Platz sieben, aber in der Rückrunde gelang es in sechs Spielen nur einmal, zu Null zu spielen. In der Vorsaison ließ sich Hertha im Olympiastadion von Mainz auskontern (0:2), das soll am Sonnabend nicht wieder passieren.

Aktuelle Mannschaft ist nicht mit der von 2018 zu vergleichen

Dardai ist sich sicher, dass seine Mannschaft nicht mehr mit jener von 2018 zu vergleichen ist. „Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die kann man richtig gut ansehen, das schaut nach Fußball aus. Jetzt müssen wir nur die Tore machen.“ Mit dem Verwerten von Torchancen taten sich die Berliner zuletzt schwer. Was den Angriff angeht, sollen gegen Mainz der zuletzt so formstarke Davie Selke und Salomon Kalou beginnen. Vedad Ibisevic, der in dieser Saison schon acht Tore geschossen hat, ist erst einmal außen vor. „Vedad geht mit der Situation sehr professionell um, er war nie beleidigt“, sagt Dardai.

Leckie steht gegen Mainz im Kader

Hinter den Stürmern sollen Marko Grujic, Arne Maier und Ondrej Duda das Zentrum bespielen. Von den länger verletzten Profis konnten Javairo Dilrosun und Mathew Leckie in der vergangenen Woche alle Trainingseinheiten mitmachen. Dilrosun soll aber erst in der U23 Spielpraxis sammeln, um dann am folgenden Wochenende gegen Freiburg dabei sein zu können. Leckie steht gegen Mainz im Kader. „Er ist erfahrener“, sagt Dardai und inzwischen hat Herthas Trainer bei all den Verletzungen auch ein immer besseres Gespür dafür bekommen, wann er seine Spieler wieder einsetzen kann. „So langsam bin ich Doktor Dardai“, sagt er.

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