Bundesliga

Hertha zu Gast bei den Bayern – Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hertha BSC wartet seit 1977 auf einen Sieg in München, doch vor dem Duell am Sonnabend stehen die Chancen so gut wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

Ondrej Duda (l.) zählt zu Herthas größten Hoffnungsträgern.

Ondrej Duda (l.) zählt zu Herthas größten Hoffnungsträgern.

Foto: Foto: Streubel / Bongarts/Getty

Berlin.  Die Zahl hat das Zeug für ein Berliner Kneipenquiz: 42. Also, liebe Teilnehmer, auf welche Frage lautet die Antwort „42“? Auf die „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“, wie im Douglas-Adams-Roman „Per Anhalter durch die Galaxis?“ Oder auf jene, wie viele Jahre Herthas letzter Sieg bei Bayern München zurückliegt?

Schon läuft im Kopf die markante Ratemelodie von Jeopardy, die Sekunden ticken erbarmungslos runter. Was stimmt denn jetzt? Nun, bitte nicht enttäuscht sein, die Antwort lautet: beides.

Zugegeben, die Frage nach dem Sinn des Lebens mit einer Zahl zu beantworten, ist an Absurdität nicht zu toppen. Betrachtet man allerdings nur den Fußball-Kosmos, mutet die Berliner Negativ-Bilanz in Bayern schon vergleichsweise grotesk an. Beim bislang letzten Hertha-Sieg in München im Oktober 1977 war Herthas Chefcoach Pal Dardai gerade 19 Monate alt.

23 Anläufe in München mit nur fünf Zählern

Seither nahm der Hauptstadtklub beim Rekordmeister 23 Anläufe und kehrte meist ernüchtert nach Berlin zurück. Das höchste der Gefühle waren fünf Unentschieden, zwei davon in den späten 70er-Jahren. In den jüngsten drei Jahrzehnten reichte es jeweils einmal zu einem Punkt, womit sich schon fast die nächste Kneipen-Quiz-Frage stellt: Warum überhaupt noch nach München reisen? Antwort: Nicht zuletzt, weil die Chancen auf eine Sensation diesmal so gut stehen, wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr.

Da wäre zum einen die enorme Belastung für die Münchner, die sich in der Champions-League-Schlacht gegen den FC Liverpool am Dienstagabend über 90 Minuten verausgaben mussten. Ein Kraftakt, der auch mental fordernd war, und man darf sich fragen, wie es nach dem Königsklassen-Duell mit einem der besten Teams der Welt nun um die Motivation bestellt ist, wenn der Liga-Gegner Hertha BSC heißt.

Die Bayern lassen zu Hause derzeit viele Punkte liegen

Hinzu kommt der Fakt, dass die Münchner in ihrer eigenen Arena längst nicht mehr so unantastbar sind wie in der Vergangenheit. In den zehn Liga-Heimspielen dieser Saison ließ das Team von Trainer Niko Kovac schon neun Punkte liegen (sechs Siege, drei Remis, eine Niederlage). Zum Vergleich: In den vergangenen fünf Spielzeiten lag das Maximum der verpassten Heimpunkte bei acht (2016/17 und 2014/15) – am Ende der jeweiligen Saison, wohlgemerkt.

Zum weiteren Mutmacher taugt der in jüngerer Vergangenheit entwickelte Bayern-Faible der Berliner. In der Bundesliga hat Hertha seit nunmehr vier Spielen nicht mehr gegen die Münchner verloren, das letzte Liga-Duell im Olympiastadion sogar 2:0 gewonnen.

Manager Preetz: „Haben bewiesen, dass wir Bayern können“

„Wir haben bewiesen, dass wir Bayern können“, hat Manager Michael Preetz unlängst gesagt. Vor zwei Wochen dürfte er sich bestätigt gefühlt haben. Im Pokal-Fight zwang Dardais Elf den großen Favoriten bis in die Verlängerung (Endstand 2:3).

Äußerst anspruchsvoll bleibt die Aufgabe natürlich trotzdem. Die Bayern sind die Bayern, zumal sie die Gelegenheit nutzen wollen, nach Punkten mit Tabellenführer Borussia Dortmund gleichzuziehen. Dennoch: Die Schönheit der Chance bleibt bestehen. Sollten die Berliner sie nutzen, dürfte die Elf von 2019 eines Tages selbst einen Platz in Quizrunden ergattern.