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Fußball

1:1 - Werders Pizarro bremst Hertha aus

Die Berliner haben Werder Bremen komplett im Griff, bis der Peruaner ältester Torschütze der Bundesliga wird.

Der glückliche Ausgleich: Claudio Pizarros Freistoß in der Nachspielzeit wird zweimal abgefälscht und landet im Berliner Tor.

Foto: Fishing4

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Berlin. Viel bitterer kann man einen Sieg nicht verpassen. Im Olympiastadion lief bereits die fünfte Minute der Nachspielzeit, Hertha führte gegen Werder Bremen mit 1:0. Der erste Erfolg gegen die Hanseaten seit Dezember 2013 schien zum Greifen nah – bis es unmittelbar vor Schluss noch mal Freistoß für die ungewohnt uninspirierten Gäste gab.

Fabian Lustenberger hatte Bremens Josh Sargent gefoult, in zentraler Position, unmittelbar vor dem eigenen Strafraum. Werder-Kapitän Max Kruse machte sich bereit, doch schießen sollte schließlich Joker Claudio Pizarro, flach, mitten hinein in die Mauer. Dass der Ball von dort doppelt abgefälscht ins Netz trudelte, grenzte fast an ein Wunder, aber mit denen muss man bei Werders Altmeister offenbar noch immer rechnen. „Er ist ein sehr cleverer Spieler“, sagte Herthas Salomon Kalou. Mit 40 Jahren und 136 Tagen ist Pizarro nun der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Er löst den Bremer Mirko Votava ab.

Herthas geknickten Profis war dieser Fakt reichlich egal, ihnen stand nach dem bitteren 1:1 (1:0) in letzter Sekunde deutlich mehr Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben als Kalou. „Einfach unfassbar“, stammelte Stürmer Davie Selke, der lange wie der Matchwinner aussah, „das war ein ganz krummes Ding.“ Valentino Lazaro, der bei Pizarros Freistoß die unglücklichste Figur abgab, war untröstlich. Im übertragenen Sinn hätte man „eigentlich die Eier oder das Gesicht hinhalten müssen“, sagte der Österreicher, „fünf Minuten später in der Kabine sind die Schmerzen vorbei und man hat zwei Punkte mehr.“

Pfosten- und Lattentreffer verhindern Vorentscheidung

Trainer Pal Dardai sah es etwas pragmatischer. „Das war Pech“, sagte Herthas Chefcoach. „Riesenpech.“ So oder so: Der Hauptstadtklub gab trotz einer ansprechenden Leistung die Chance aus der Hand, Big Points im Kampf um Europa zu sammeln. Nun heißt es Platz neun statt Platz sechs. Werder bleibt bis auf einen Zähler dran an den Berlinern.

Dabei hatte es für Hertha lange Zeit gut ausgesehen, denn eine geniale Sequenz schien zu reichen, um das umkämpfte Topspiel des 22. Spieltags zu entscheiden: Steilpass von Ondrej Duda aus der eigenen Hälfte, Sprint und Querpass Kalou, Vollstreckung Selke. Für den Stürmer war es bereits die siebte Torbeteiligung in den sechs Pflichtspielen dieses Jahres. Eine herausragende Quote. Doch auch sie machte das Resultat am Samstagabend nicht besser.

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Bemerkenswert war Selkes Auftritt jedoch allemal. Gegen seinen Ex-Klub, dem er in der Vorwoche noch eine Videobotschaft zum Vereinsjubiläum geschickt hatte, war der Stürmer der größte Unruheherd überhaupt. Das erste Ausrufezeichen setzte er nach gut 20 Minuten. Angriffspartner Kalou, diesmal mehr zweite Spitze als Flügelspieler, chippte den Ball mit nur einem Kontakt über die letzte Bremer Verteidigungslinie, Selke startete durch und drosch das Spielgerät aus zwölf Metern gegen den rechten Pfosten. Ein Alu-Treffer, der wirkte wie eine gelungene Box-Führhand vor dem Knock-out, denn Selkes nächster Versuch traf ins Schwarze. Zwar geriet Kalous Zuspiel im Strafraum etwas zu scharf und steil, doch Selke erlief den Pass mit weiten Schritten und schob ein zum 1:0 (25.)

Zur Halbzeit 7:1 Torschüsse für Hertha

Die Führung ging völlig in Ordnung. Hertha verteidigte ungemein konzentriert, agierte bissiger in den Zweikämpfen und zielstrebiger nach vorn. Werder hingegen fand keinen Rhythmus und die zuletzt hochgelobte Offensive praktisch nicht statt. Zur Halbzeit standen 7:1 Torschüsse für Hertha zu Buche, und mit ein wenig Glück hätte einer davon das zweite Tor gebracht. Ein 25-Meter-Freistoß von Duda war an die Querlatte geknallt (38.).

Nach dem Seitenwechsel versucht Gäste-Coach Florian Kohfeldt alles, wechselte dreimal offensiv. Hertha aber ließ sich nicht in Verlegenheit bringen, auch nicht durch die Verletzung von Verteidiger Jordan Torunarigha zu Beginn der zweiten Hälfte (57.). So feierte das Gros der 49.627 Zuschauer bis in die Nachspielzeit – bis Pizarro zum Freistoß antrat. „Das ist ein ziemlicher Rückschlag“, sagte Selke nach dem Abpfiff, „es fühlt sich an wie eine Niederlage.“ Zumal die Chancen auf drei Punkte am kommenden Sonnabend nicht besser stehen. Dann geht es nach München zum FC Bayern.