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Hertha ist am besten gegen die Großen

Der Sieg in Mönchengladbach zeigt, dass Hertha-Manager Preetz zu Recht viel von dieser Mannschaft erwartet – und manchmal auch bekommt.

Thorgan Hazard (l.) arbeitet sich am Berliner Jordan Torunarigha ab

Thorgan Hazard (l.) arbeitet sich am Berliner Jordan Torunarigha ab

Foto: Federico Gambarini / dpa

Berlin.  Der prasselnde Regen samt grauem Himmel, die vielen Pfützen, all das wollte so rein gar nicht zur Grundstimmung passen, die am Sonntag auf dem Gelände von Hertha BSC herrschte. Die Spieler feixten um die Wette, und im Trainerteam herrschte Zufriedenheit. Pal Dardai war sich auch am Tag danach sicher, beim 3:0 in Mönchengladbach die beste Auswärtsleistung gesehen zu haben, seit er für die Bundesligamannschaft verantwortlich ist. Das ist er seit vier Jahren.

Die Freude war berechtigt. Hertha hatte gegen die heimstärkste Mannschaft der Bundesliga die vielleicht beste Leistung der Saison gezeigt und darüber hinaus bestätigt, dass sie immer ihre beste Form abrufen kann, wenn es dringend notwendig ist. Nach den Niederlagen gegen Wolfsburg (0:1) und Bayern (2:3) hätte eine dritte Pleite in Folge den Start ins neue Kalenderjahr merklich getrübt, unangenehme Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel, warum auch diese Rückrunde wieder schlechter beginnt als die Hinrunde. Der Sieg in Gladbach wirkte dagegen wie eine Wetterwand, die keine Wolke durchlässt. Stattdessen überall Sonnenschein. „Man sieht den Schritt, den wir im Konterspiel gemacht haben. Da können wir ein bisschen stolz drauf sein“, sagte Dardai. Die ersten beiden Treffer resultierten aus Gegenstößen.

Kein Team hinter den Großen ist stabil genug

Hertha hat nun sieben Punkte aus den ersten vier Spielen der Rückrunde geholt. Gelingt gegen Bremen am Sonnabend ein Sieg im Olympiastadion, wären es genauso viele wie zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde. Bremen gehört wie Hertha zu den Anwärtern auf einen Platz in der Europa League. „In der Bundesliga kann jeder jeden schlagen. Es gibt vier Mannschaften vorn, dann acht dahinter, die ähnlich sind. Von diesen ähnlichen Mannschaften musst du der Erste sein. Entscheidend für das Erreichen der Europa League ist, welche Mannschaft konstant bleibt. Bisher hat sich keine wirklich stabilisiert“, sagt Dardai.

Die Suche nach Stabilität und die Frage nach der eigentlichen Leistungsfähigkeit ist auch bei Hertha Dauerthema. Manager Michael Preetz sagte: „Ich darf von einer Mannschaft keine Dinge erwarten, die sie nicht kann. Aber diese Mannschaft hat viel drauf, deswegen fordern wir das ein.“ Wie viel das an guten Tagen sein kann, verdeutlichte sie in Gladbach. Aus einer sicheren Defensive heraus trug sie ihre Angriffe zielstrebig nach vorn, agierte strukturiert im Abschluss und gewann alle wichtigen Zweikämpfe.

Den Top Drei der Liga gönnte Hertha erst einen Punkt

Dass Hertha die zur Spitzengruppe der Bundesliga zählenden Gladbacher nun zweimal geschlagen hat, belegt ihre Möglichkeiten. „Wir haben gezeigt, welches Potenzial wir haben. Wir müssen es nur abrufen“, sagte der in Gladbach überragende Davie Selke, der ein Tor vorbereitete und eins selbst erzielte. Gegen die Top Drei, also Dortmund, Bayern und Gladbach, hat Hertha in vier Spielen in dieser Saison zehn Punkte geholt. Als Achter befindet sich der Klub in Schlagdistanz zu den Europapokalplätzen, der Rückstand auf den Fünften Eintracht Frankfurt beträgt nur zwei Punkte.

Wie wenig an schlechten Tagen dagegen geht, war jüngst im Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten Wolfsburg zu sehen oder in der Vorweihnachtszeit. Verkörpert wird die Berliner Unstetigkeit von keinem treffender als von Jordan Torunarigha. Der junge Verteidiger trat in Gladbach wie eine frühere Version von Jerome Boateng auf. Im direkten Duell war er von keinem noch so trickreichen Gladbacher zu bezwingen, athletisch konnte sich niemand mit ihm messen. Torunarigha gewann jeden Sprint und hatte immer einen Fuß dazwischen, wenn es brenzlig wurde. Trainer Dardai lobte ihn ausdrücklich, dem torgefährlichen Thorgan Hazard bereitete Torunarigha einen unangenehmen Nachmittag.

Auf die Konzentration kommt es an

Solche Leistungen scheint er bisher nur unter permanentem Dauerdruck abrufen zu können. Wenn die Gegner ihm in jeder Phase des Spiels im Nacken sitzen und ihn stetig stressen, ist auf ihn Verlass. Bekommt er dagegen früh ein Gefühl von Überlegenheit, neigt er zu Nachlässigkeiten. Die Konzentration hochhalten, nicht nur gegen die Besten der Besten, darauf wird es für Torunarigha und seine Mitspieler in den kommenden Wochen ankommen. Damit die Sonne in den Gemütern weiterhin scheint. Egal, welches Wetter draußen herrscht.

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