DFB-Pokal

Herthas Ondrej Duda ist einer für die Großen

Der Mittelfeldspieler der Berliner traf schon häufiger gegen Pokalgegner Bayern – und gilt inzwischen als Kandidat für Top-Klubs.

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Berlin.  Vielleicht ist er für diese Partien gemacht. Der Name Bayern München scheint Ondrej Duda jedenfalls zu beflügeln, bei seinen zwei Startelfeinsätzen gegen den Rekordmeister traf er den Favoriten zweimal mitten ins Herz. Beim 2:2 im Oktober 2017 läutete der Mittelfeldspieler mit seinem ersten Treffer für Hertha die Berliner Aufholjagd ein, ehe ihm im September sein bislang größter Coup in Blau-Weiß gelang. Beim begeisternden 2:0 drosch er Bayern-Keeper Manuel Neuer den Ball zum Endstand um die Ohren – ein Treffer, über den sie bei Hertha noch in vielen Jahren schwärmen werden.

Einem seiner größten Förderer sind diese Geniestreiche nicht entgangen. „Wenn er so weitermacht“, sagt Russlands Nationalcoach Stanislaw Tschertschessow, der Duda einst bei Legia Warschau trainierte, „dann ist er ein Kandidat für die Top-Klubs.“

Schon früher bekam der Slowake Hilfe von Routiniers

Aktuell scheint diese Entwicklung auf dem besten Weg. Die Formkrise der zweiten Hinrunden-Hälfte ist passé, ins neue Jahr startete Duda mit einem Doppelpack gegen Nürnberg und einer Bilderbuch-Vorlage gegen Schalke, die für Trainer Pal Dardai zum „Hertha-Tor des Jahrzehnts“ führte.

Vor dem heutigen Pokal-Achtelfinale gegen den FC Bayern (20.45 Uhr/ARD und Sky) ist der 24 Jahre alte Slowake der vielleicht größte Berliner Hoffnungsträger, einer der die Fantasie der Fans im Olympiastadion beflügelt. Schon bei seinen vorherigen Stationen haftete ihm dieser Status an, und es darf als positives Zeichen gewertet werden, dass er die in ihn gesetzten Erwartungen stets erfüllt hat. Auch wenn sein Weg nicht immer ganz geradlinig war.

Anruf bei Henning Berg, jenem Trainer, der Duda 2014 von dessen Heimatklub Kosice nach Warschau holte. Der Norweger erinnert sich noch gut an das damals 19 Jahre alte Talent, das noch mit seiner Mutter anreiste, „am Ball fast alles konnte“, sich aber erst „an das Tempo und die Physis gewöhnen“ musste. „Sehr lernwillig“, sei Duda bei Legia gewesen, aber „abseits des Platzes auch sehr schüchtern“. Als Stütze erwies sich bald der serbische Stürmerroutinier Miroslav Radovic, der „für Ondrej in jeder Beziehung wichtig war“, wie Berg erzählt. Parallelen, die an ­Dudas Weg bei Hertha erinnern.

Förderer Tschertschessow erkennt typisches Muster

Auch in Berlin schlug Duda bekanntlich nicht auf Anhieb ein, auf dem Niveau der Bundesliga musste er sich erst akklimatisieren. Sein erstes Jahr verpasste er verletzt, im zweiten machte ihm ein Mix aus Blessuren, mangelnder Form und fehlendem Selbstbewusstsein zu schaffen. Erst seit Trainer Dardai im vergangenen Sommer auf Vertrauen statt Druck setzte und Oldie Salomon Kalou (33) seinem Kollegen etwas mehr Lockerheit einhauchte, sind Dudas Leistungen explodiert. Aktuell steht er bei neun Toren und zwei Assists – kein Berliner ist ­gefährlicher.

Auf Tschertschessow, Bergs Nachfolger bei Legia, wirkt Dudas Wandel logisch. „Auch bei uns hat er Zeit gebraucht, um die innere Ruhe zu finden, die es auf dem Platz braucht“, erzählt er: „Ein Spielertyp wie er braucht viel Vertrauen, denn er muss sich selbst viel trauen. Er geht in viel Risiko, deshalb passieren auch viele Fehler.“

Ein Hackentrick wie bei der Torvorlage gegen Schalke ist dabei das eine. Zur Weißglut brachten Dardai aber vor allem leichtsinnige Querpässe, die Hertha aus der Vorwärtsbewegung in die Bredouille brachten. Eine Angewohnheit, die er Duda jedoch mehr und mehr ausgetrieben hat.

Vergleiche mit Man Citys Stars de Bruyne und Silva

„Ich habe nie daran gezweifelt, dass er ein Top-Spieler werden kann“, sagt Tschertschessow, der sich sicher ist, dass Hertha nicht Dudas letzte Station sein wird. Förderer Berg sieht das ähnlich. Spieler wie Kevin de Bruyne oder David Silva von Manchester City seien zwar noch auf einem anderen Level, „aber vom Potenzial kommt Ondrej ­ihnen nahe“, meint der Norweger.

Was es für Duda braucht, um den nächsten Schritt zu machen? Wenn es nach Berg geht, das passende Umfeld. „Er braucht ein Team, das ihm hilft und seine Stärken fördert“, findet er, „spielstarke und schnelle Kollegen.“ Eine These, die Pal Dardai wohl unterschreiben würde. Anders als Bayerns Serge Gnabry sei Duda niemand, der zwei, drei Gegner ausspielt, betont der Ungar. Der EM-Teilnehmer lebt meist vom Zusammenspiel – so wie bei seinem Traumtor gegen die Bayern, das in Kombination mit Valentino Lazaro entstand. Der Österreicher oder die Mittelfeldkollegen Arne Maier und Marko Grujic haben ähnlichen Anteil an seinem Aufblühen wie Dardai oder Kalou.

Dudas Partner passen inzwischen, das gilt auch privat. Seit Ende 2018 ist er mit der Brasilianerin Amanda Nascimento liiert, die er über Kalou kennengelernt hat. Was nun noch fehlt zum Glück? Vielleicht der Beweis, dass er tatsächlich einer für die Großen ist – und wenn es vorerst nur als Gegner ist.