DFB-POKAL

3000 Mark Prämie für den Pokalsieg über die Bayern

Im Viertelfinale 1977 setzt sich Hertha gegen Franz Beckenbauer und Sepp Maier durch

Jubel über den Einzug ins Pokal-Halbfinale: Die Herthaner Bernd Gersdorff und Wolfgang Sidka (r.) im Februar 1977 nach dem 4:2 n.V. gegen die Bayern.

Jubel über den Einzug ins Pokal-Halbfinale: Die Herthaner Bernd Gersdorff und Wolfgang Sidka (r.) im Februar 1977 nach dem 4:2 n.V. gegen die Bayern.

Foto: dpa / picture-alliance / dpa

Berlin.  Empfehlung für die 74.500 Besucher der DFB-Pokalpartie am Mittwoch im Olympiastadion zwischen Hertha BSC und Bayern München (20.45 Uhr): warm anziehen. Nicht nur, weil Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt sind. Ein Blick in die Historie zeigt: Abgesehen von einem 2:1 der Bayern 1986 gegen den damaligen Oberligisten Hertha gingen die anderen Pokalduelle in die Verlängerung. Am 19. Februar 1977 setzte sich Hertha gegen die Bayern vor 42.000 Zuschauern im Viertelfinale mit 4:2 (1:1, 0:1) n.V. durch. Am 14. Januar 1967 unterlagen die Berliner den Münchnern 2:3 (1:1, 0:1) n.V..

Der Blick ins „Kicker“-Archiv zeigt: Die Zeiten haben sich geändert. So handelte es sich bei der Partie im Januar 1967 um die erste (!) Pokalrunde. Hertha kickte damals in der Regionalliga Berlin. Trainer Helmut Kronsbein hatte mit Widrigkeiten zu kämpfen: Gegen die Bayern, Pokalsieger von 1966, fehlte mit Kurt Schulz der schnellste Herthaner – er konnte wegen beruflicher Belastung in jenen Wochen nicht trainieren. Immerhin stand Michael Krampitz zur Verfügung, er war rechtzeitig von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt.

Ipta trifft doppelt für Hertha

Bis zur 110. Minute lag die Sensation in der Luft, Hertha führte nach Toren von Werner Ipta (64./94.) 2:1 – doch Bayern-Star Gerd Müller sorgte mit einem Doppelschlag (110./113.) für einen Sieg des Favoriten.

Im Februar 1977 waren die Vorzeichen ähnlich wie aktuell. Die Münchener hatten sich am Wochenende zuvor blamiert - 1:3 bei Aufsteiger Tennis Borussia. Robert Schwan, technischer Direktor bei den Bayern, drohte seinen Stars an, Prämien zu streichen: „Spieler sind leitende Angestellte. Sie wollen auch in der nächsten Saison 200.000 oder 300.000 Mark verdienen und ­müssen ihr Letztes dafür geben.“

Sidka setzt auf Hertha

Das Letzte gaben indessen die Hausherren. Mittelfeldspieler Wolfgang Sidka erinnert sich: „Wir hatten damals eine starke Mannschaft.“ Zweimal lag Hertha zurück, für die Bayern, angeführt von Kapitän Franz Beckenbauer, trafen Jupp Kapellmann (6.) und Josef Weiss (95.). Doch Karl-Heinz Granitza sorgte per Foulelfmeter (51.) zunächst für die Verlängerung. Nach dem erneuten Rückstand setzte Hertha zu einem Sturmlauf an, dem sich am Ende auch Münchens ­Bester, Torwart Sepp Maier, geschlagen geben musste. Granitza (100.), Lorenz Horr (107.) und Bernd Gersdorff (116.) sorgten für ein 4:2.

Und die Prämie? Sidka schmunzelt: „In der Bundesliga gab es für einen Sieg 1000 Mark, im Pokal war es etwas mehr. Ich meine, es waren 3000.“ Die Pokalreise führte Hertha 1977 bis ins Finale (1:1, im Wiederholungsspiel 0:1 gegen den 1. FC Köln).

Sidka über Herthas Chancen am Mittwoch: „Der Einzug ins Viertelfinale ist möglich.“ Er ist im Olympiastadion dabei – dick angezogen.