Bundesliga

Herthas Zukunftsplan mit Dardai – Alles außer gewöhnlich

Hertha plant auch in der nächsten Saison mit Pal Dardai als Cheftrainer. Der Vertrag des Ungarn ist in der Liga allerdings einmalig

Foto: Mathias Renner / City-Press GmbH

Berlin.  Das Grinsen konnte er sich nicht verkneifen. „Ich weiß nicht, warum das so wichtig ist“, sagte Herthas Cheftrainer Pal Dardai, „letztes Jahr hat niemand über das Thema geschrieben.“ Gemeint war die am späten Mittwochabend kolportierte Vertragsverlängerung des Ungarn, von der streng genommen keine Rede sein kann. Auf die Frage, ob Dardais Arbeitspapier nun bis 2020 verlängert wurde, antwortet Michael Preetz auf der Pressekonferenz am Donnerstag trocken mit „nein“ – und trotzdem geht der Manager davon aus, dass Dardai den Berliner Bundesligisten auch in der kommenden Spielzeit trainieren wird.

Freitag gastiert Schalke 04 im Olympiastadion

Wie das alles zusammenpasst? Dardai (42), vor seinem Amtsantritt im Februar 2015 Coach der U15, hat bei Hertha einen unbefristeten Vertrag als Trainer. Offen ist allerdings, welche Mannschaft er verantwortet, darüber entscheidet im Zweifel die Geschäftsführung. Dardai hat oft betont, dass er im Fall der Fälle gern zurück in der Jugendabteilung des Vereins gehen würde, insofern können beide Seiten mit diesem Arrangement bestens leben. Einen neuen Vertragsabschluss braucht es daher nicht – zumindest nicht auf den ersten Blick.

Bei genauerer Betrachtung gestaltet sich die Situation jedoch etwas komplizierter. Denn um Dardai als Chefcoach der Profis zu beauftragen, braucht es Jahr für Jahr eine schriftliche Vereinbarung. „Das dauert maximal eine Minute“, beteuert Dardai, und Feilschereien um Geld seien ihm ohnehin fremd. Die jüngste Abmachung, die ihm eine Gehaltserhöhung beschert haben dürfte, sei bereits Mitte Dezember getroffen worden. Anlass war der beschlossene Abgang von Co-Trainer Rainer Widmayer (51) zum VfB Stuttgart im Sommer.

„Wir haben miteinander gesprochen und uns wie immer auf den gemeinsamen Weg verständigt“, erklärte Preetz, „und der heißt, dass Pal in dieser Saison und auch in der nächsten Saison unser Trainer sein soll.“ So wie der Coach wunderte sich auch der Manager über die Aufregung um den „eigentlich normalen Vorgang“. Einerseits nachvollziehbar. Nur wirken die Vorgänge mitnichten normal.

Klub-Gremien waren nicht informiert

Ja, Dardais Verbindung mit Hertha ist eine außergewöhnliche. Seit er 1997 nach Berlin wechselte, definiert er sich als Herthaner, er ist Rekordspieler des Klubs (373 Pflichtspiele) und derzeit nach Freiburgs Christian Streich (im Amt seit 2011) der dienstälteste Trainer der Bundesliga. Die Bindung zwischen Klub und Coach ist also extrem stark. Andererseits verwundert es, dass Hertha das Thema nicht aktiver kommuniziert hat.

Auf die Agenda rückte die erneuerte Abmachung erst durch einen Bericht des „Kicker“. Statt Dardai öffentlich das Vertrauen auszusprechen, hatte Preetz zuletzt den Druck erhöht. Mehr Rückrundenpunkte, offensiverer Fußball und etwas größerer Einsatzwille dürften es schon sein. Bei Dardai hörte sich das defensiver an. Er mahnte realistische Ziele an, die er zur Not auch mit pragmatischem Ergebnisfußball erreichen will.

Auf der Pressekonferenz am Donnerstag präsentierten sich Preetz und Dardai plötzlich wie zwei unzertrennliche Kameraden, frei nach dem Motto: Was macht ihr so eine große Sache daraus? Dabei waren Hinrunden-Bewertung und Rückrunden-Ziele nicht der einzige Punkt, in dem das Duo unterschiedliche Standpunkte vertrat. Das Ansinnen des Managers, das bei den Fans ungeliebte Geschäftsleitungs-Mitglied Paul Keuter im Rahmen des Heimspiels gegen RB Leipzig (3. November) per Solidaritätsaktion zu unterstützen, kam dem Vernehmen nach nicht sonderlich gut an beim Trainer. Doch davon kein Wort. „Unsere Beziehung lebt vom Meinungsaustausch“, sagt Dardai. „Wir kehren nichts unter den Teppich, dadurch funktionieren wir seit vier Jahren, was nicht normal ist.“

Trainer-Sohn Palko erhält ebenfalls neues Arbeitspapier

Ähnlich außergewöhnlich wirkt jedoch der Fakt, dass der erneuerte Dardai-Deal nicht mal intern kommuniziert wurde. Formaljuristisch musste das entsprechende Gremium zwar nicht informiert werden. Dass die sportlich wichtigste Personalentscheidung dort erst nach fünf Wochen via Medien bekannt wurde, wirkt jedoch befremdlich.

Dardai wird sich nicht weiter damit aufhalten. Er dürfte sich am Donnerstag zunächst über die Vertragsverlängerung seines Sohnes Palko (19) gefreut und sich auf das Heimspiel gegen Schalke 04 am Freitag (20.30 Uhr, Eurosport-Player) vorbereitet haben. Nach seinen Spieler-Rekorden strebt er auch Bestmarken als Trainer an. Hinter Helmut Kronsbein (212) und Jürgen Röber (157) liegt er mit 135 Einsätzen auf Platz drei der Hertha-Trainer mit den meisten Bundesligaspielen.

Wie viele in Zukunft noch hinzukommen? Das wird die Zeit zeigen. Seinem Vertrag misst Dardai dabei keine allzu große Bedeutung bei, dazu weiß er zu genau, wie schnell bei Misserfolg das Aus droht. „Trainer“, sagt er, „bin ich immer nur für die nächsten sechs Wochen.“