Bundesliga

Herthas Duda vertreibt den Auftaktfluch

Der Slowake trifft beim 3:1 in Nürnberg doppelt. Erstmals seit 2010 startet Hertha mit einem Sieg ins neue Jahr.

 Ondrej Duda von Hertha jubelt über seinen Treffer zum 1:3.

Ondrej Duda von Hertha jubelt über seinen Treffer zum 1:3.

Foto: dpa

Nürnberg. Ein gewisses Faible für teure, schöne Uhren wollte Niklas Stark nach dem 3:1-Sieg von Hertha BSC beim 1. FC Nürnberg nicht leugnen. „Ich wüsste ein paar Modelle“, sagte Stark und bot sich damit als Berater für Mitspieler Ondrej Duda an. Der erzielte in Nürnberg seine Saisontore acht und neun und war nicht nur deshalb Herthas prägendes Gesicht beim gelungenen Rückrundenstart. Fast jeder Angriff lief in der zweiten Hälfte über ihn. Da war aber noch eine andere Sache, die Duda Grund zur Freude bescherte. Mitspieler Salomon Kalou hatte ihm vor der Saison eine Rolex-Uhr versprochen, wenn er acht Tore oder mehr erzielen würde. Das war insofern keine allzu mutige Ansage, weil Duda in der vergangenen Saison nur ein Tor gelungen war. Umso erstaunlicher, dass Duda das Acht-Tore-Ziel bereits nach 18 Runden erreicht hat. „Es ist schön, dass ich der Mannschaft helfen konnte“, sagte Duda. Auf das großzügige Geschenk von Kalou verzichtete er jedoch: „Ich brauche die Uhr nicht. Ich werde mit Salomon reden, dass wir ­lieber einen Betrag spenden.“

Ähnlich großzügig hatte sich Hertha vor der Pause in Nürnberg präsentiert, obwohl die Berliner die Hausherren zumeist vom eigenen Tor fernhielten. Wobei nicht ganz sicher war, wie viel Herthas Aufstellung dazu beitrug und wie viel die Nürnberger selbst. Die Gastgeber boten über weite Strecken der ersten Halbzeit ein Festival der Ungenauigkeiten. Hertha begann im 3-5-2-System, anders als es Trainer Pal Dardai im Vorfeld angekündigt hatte. Auch Marko Grujic, den Dardai frühestens zum kommenden Spiel am Freitag gegen Schalke einsetzen wollte, stand überraschend in der Startelf. „Wir ­wollen ­extrem hoch verteidigen“, sagte Dardai vor dem Anpfiff.

Stürmer Davie Selke bereitet zwei Treffer vor

Das gelang in der Anfangsphase. Dardais Mannschaft verfügte über viel Ballbesitz, wirklich gefährlich vor das gegnerische Tor kam sie aber nur einmal – in diesem Fall aber richtig. Grujic suchte nach der Balleroberung sofort Ibisevic, der spielte zuerst mit Sturmpartner Davie Selke Doppelpass und schloss dann überlegt ab (15. Minute). Für Ibisevic war es das siebte Saisontor, für Selke die fünfte Vorlage. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt hatte sich die Aufstellung der beiden Stürmer gelohnt. „Die ersten 30 Minuten waren so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir hatten wenige Kontakte beim Positionsspiel und waren konzentriert“, sagte Dardai.

Doch anstatt aggressiv nachzusetzen, sprangen die Berliner plötzlich nicht mehr höher, als sie gegen den vermeintlich limitierten Gegner mussten. „Wir haben dann den ersten Ball nicht mehr nach vorne, sondern immer wieder hinten rum gespielt. Das hat den Aufbau verzögert. In der Pause ­haben wir das angesprochen und in der zweiten Hälfte dann besser ­gemacht“, sagte Abwehrchef Niklas Stark.

Herthas Spieler fühlten sich zu sicher – das hatte Folgen. Als Nürnberg vor der Pause eine Ecke zugesprochen bekam, hielt Nürnbergs Eduard Löwen einfach mal drauf. Der Ball rutschte durch die komplette Berliner Verteidigung und am langen Pfosten musste Hanno Behrens nur noch den Fuß hinhalten – 1:1 (42.). „Ein unnötiges Gegentor. Alle haben nur zum Ball geschaut und nicht auf die Gegenspieler“, sagte Dardai. Erste Parallelen zur Pleite in Stuttgart (1:2) kamen auf, als Hertha einen schwachen Gegner durch Untätigkeit in die Partie zurückholt hatte.

So weit kam es diesmal nicht, weil Hertha die turbulente Anfangsphase der zweiten Hälfte für sich entschied. Zuerst blockte ­Arne Maier einen Schuss von Mikael Ishak auf der Linie (49.), dann gelang Duda im Gegenzug der erneute Führungstreffer (50.). ­Ibisevic hatte eine Flanke direkt zu ­Duda abtropfen lassen – der Slowake vollendete kühl zum 2:1.

Kurz darauf herrschte Aufregung weil Tim Leipold dem Berliner Stark aus kurzer Distanz an die Hand schoss, Schiedsrichter Guido Winkmann ließ aber richtigerweise weiterspielen.

Anders als in der ersten Halbzeit setzte Hertha nach dem Führungstor jetzt nach und kam schon bald zum nächsten ­Erfolgserlebnis. Wieder war es der nun überragende Duda, der auf Vorlage von Selke traf (70.). Der slowakische Nationalspieler hatte längst die Herrschaft im Mittelfeld an sich gerissen und bestimmte gemeinsam mit dem immer stärker werdenden Maier das Spiel. Grujic war da schon wieder draußen. „Wir haben mit dem Trainer abgemacht, dass ich nur eine Stunde spiele“, sagte er.

Auch ohne den Serben blieb Hertha in der zweiten Hälfte ­dominant. In der Schlussphase hätten Ibisevic (79.) und Selke (80.), dessen Schuss an den Pfosten prallte, das Ergebnis noch höher gestalten können. Aber auch so herrschte auf Berliner Seite Glückseligkeit. „Wir sind zufrieden, das war ein guter Start“, sagte Dardai. Es war der erste Sieg zum Start in eine Bundesliga-Rückserie seit 2010, damals ein 3:0 in Hannover. Und Dardai, seit Februar 2015 im Amt, durfte sich als dritter Trainer der Hertha-Historie (nach ­Helmut Kronsbein und Jürgen Röber) über ­seinen 50. Bundesliga-Sieg freuen.