Bundesliga

Hertha muss in Nürnberg die Weichen stellen

Für Hertha gibt das Duell beim Schlusslicht der Bundeliga wichtige Hinweise auf den Weg in der Rückrunde. Sorge um Torunarigha.

Karim Rekik (l.) und Hertha BSC brauchen zum Start der Rückrunde einen Sieg gegen Nürnberg

Karim Rekik (l.) und Hertha BSC brauchen zum Start der Rückrunde einen Sieg gegen Nürnberg

Foto: Jörg Carstensen / picture alliance/dpa

Berlin.  Es kommt nicht so oft vor, dass Pal Dardai Einblicke in sein Innenleben gewährt. Na klar träume er auch, sagte der Trainer von Hertha BSC vor dem Rückrundenauftakt am Sonntag beim 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr): von der Champions League, von der Europa League oder von einem 5:0 in Nürnberg. „Aber dann gibt es den realistischen Dardai, der auf den Platz kommt und alles sieht“, sagt der Ungar. Was so viel heißen soll, dass ­zwischen Wünschen und Wirklichkeit noch eine ganze Menge liegt.

Wie viel Wunsch und wie viel Realität in dieser Mannschaft steckt, darum geht es in dieser Rückserie . Die Ansprüche der Klubführung und der Fans sind in den vergangenen Dardai-Jahren gewachsen. Dass die Hinrunde latent als enttäuschend wahrgenommen wird, obwohl man von Punktzahl und Platzierung (Rang acht) im Soll liegt, gehört zu den Eigenarten dieser Entwicklung. Einen gewichtigen Anteil daran haben die letzten Auftritte im Dezember, als aus den letzten drei Partien nur ein Punkt geholt wurde und der Manager die Mannschaft öffentlich anzählte.

Die Kritik wiederholte Michael Preetz vor dem Nürnberg-Spiel: „Wir hatten in der Hinrunde zwei Gesichter, weil der Fokus nicht immer da war und die Konzentration auch nicht. Das hat viel mit Vorbereitung auf die Spiele zu tun. Es gab Spiele, wo wir nicht richtig bereit waren, das müssen wir drehen. Darüber habe ich mit der Mannschaft geredet.“ Der Druck ist noch einmal größer geworden, erst recht vor dem Hintergrund des schwierigen Auftaktprogramms: Nürnberg, Schalke, Wolfsburg – anschließend kommen die Bayern zum Pokalspiel.

Trainer Dardai plant Comeback von Rekik

Das Duell mit dem Liga-Letzten kann in dieser Konstellation eine Schlüsselposition einnehmen. Gelingt der Auftakt, würde das Selbstvertrauen der Spieler wieder größer werden. Einen ähnlichen Effekt hatte auch das 1:0 vom ersten Spieltag. Allerdings sah Hertha gegen Teams aus dem unteren Segment in der Hinrunde oft nicht gut aus. In Stuttgart (1:2) oder Düsseldorf (1:4) gab es empfindliche Niederlagen.

„Gegen Gegner, die richtig hart an uns gearbeitet haben, hatten wir Schwierigkeiten“, sagte Dardai. Mentalität und Professionalität spielen hier eine Rolle. In diesen Bereichen soll das Team zulegen. „Ich weiß auch, dass die Lauf- und Zweikampfwerte nicht gut waren, aber im Training machen alle hervorragend mit. Jetzt müssen wir die Leistung auf den Platz bringen“, sagte der Trainer.

Die richtigen elf Spieler für eine solche Aufgabe zu finden, wurde ihm zuletzt oft nicht leicht gemacht. Verletzungen waren immer wieder ein Thema, vor allem im Defensivbereich. „Mit dieser Verletzungsmisere sind 24 Punkte eine Riesensache für uns“, sagt Dardai. Umso erschrockener dürfte Herthas Trainer sein, dass mit Jordan Torunarigha schon wieder ein Innenverteidiger auszufallen droht.

Abstand von der Dreierkette

Torunarigha hatte unter der Woche beim Training einen Schlag abbekommen. Ob er mit nach Nürnberg reisen kann, entscheidet sich nach dem Abschlusstraining. Mit Torunarigha stand lange die Option einer Dreierkette im Raum. Davon nahm Dardai nun Abstand. „Wir tendieren zum Basic mit Viererkette, also das, was uns stark ­gemacht hat“, sagte Herthas Trainer.

Dardai würde damit dem Wunsch der Mannschaft nachkommen, die sich dem Vernehmen nach in dieser Formation wohler fühlt. „Die Dreierkette ist als System sehr interessant, aber man muss sie viel üben und die Spieler müssen sich wohlfühlen“, sagte Kapitän Vedad Ibisevic unlängst.

Zeit zum Üben blieb nur begrenzt. Gerade mal drei Wochen dauerte die Vorbereitung. Dabei standen Dardai nicht alle Innenverteidiger zur Verfügung. Bei Karim Rekik zog sich die Rückkehr hin. Umso überraschender ist, dass Dardai den Niederländer in Nürnberg entgegen früherer Gedanken nun doch aufstellen will. „Karim macht im Training einen guten Eindruck, auch wenn er manchmal noch Konzentrationsfehler hat. Er wird wahrscheinlich spielen“, sagte Dardai.

Kampf und Wille im Vordergrund

Auch der Ex-Nürnberger Niklas Stark ist wieder fit. Dardai könnte zum ersten Mal seit Monaten wieder mit seiner vorgesehenen Innenverteidigung beginnen. Damit wäre Fabian Lusten­bergers Ende als Teilzeitverteidiger ­gekommen. Der Schweizer ist im ­defensiven Mittelfeld als Option neben Arne Maier denkbar.

Auf die spielerische Komponente wird es laut Dardai in Nürnberg ohnehin nicht ankommen. Kampf und Wille sollen im Vordergrund stehen. Die ­Basics sollen helfen, einen ungemütlichen Jahresauftakt zu verhindern.