Hertha BSC

Vedad Ibisevic – Bleibt er oder geht er?

Der Vertrag von Herthas Vedad Ibisevic läuft im Sommer aus. Der Kapitän kann sich gut vorstellen, in Berlin zu bleiben.

Dauer-Jubler: Für Hertha BSC hat Vedad Ibisevic (r.) in 120 Pflichtspielen 43 Tore erzielt.

Dauer-Jubler: Für Hertha BSC hat Vedad Ibisevic (r.) in 120 Pflichtspielen 43 Tore erzielt.

Foto: Thomas Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Das Voranschreiten der Jahre kann auch für Profisportler Vorteile haben. Findet jedenfalls Vedad Ibisevic (34). Zum Beispiel, wenn es um Gelassenheit geht. Auf die Frage, ob er sich während Zeiten schlechter Ausbeute mal Sorgen gemacht habe um seine Torjägerqualitäten, antwortet er nur: „Dafür bin ich zu alt.“ Und lässt sich demonstrativ tief in das schwarze Sofa sinken, auf dem er zuvor Platz genommen hatte.

Ibisevic wirkt entspannt. Warum auch nicht, er hat ja fast alles gesehen und erlebt, was die Welt des Fußballs bereithält. Also ist er auch nicht überrascht, dass es in der Hinrunde so gut lief für ihn. Sechs Tore hat er in der Bundesliga geschossen, zwei im Pokal. Neben Valentino Lazaro war er Herthas einziger Spieler, der in allen Pflichtspielen auf dem Platz stand. Andere haben diese Ausbeute nicht erwartet, erst recht nicht, nachdem er sich in der Vorsaison schwer getan hatte bei dem, was ihm zuvor immer leicht fiel. Die Tore wurden immer seltener und so mancher sah das Karriereende immer deutlicher am Horizont aufziehen.

Doppelspitze bräuchte mehr Routine

Nun ist Ibisevic auch in Zahlen wieder wichtig für den Berliner Bundesligisten, als Kapitän und Torjäger. Dass es erst die schwere Lungen-Verletzung von Davie Selke war, die ihn ins Team brachte, weiß er. „So ist das manchmal. Dass ich dadurch mehr Spielpraxis bekommen habe, hat mir gut getan.“ Natürlich wünschte auch er seinem Mitspieler keine solche Auszeit, aber Ibisevic will damit sagen: passiert halt beim Fußball. Ging mir auch schon genauso.

Der Stürmer nutzte seine Chance, er traf kontinuierlich und gehört wieder zum Stammpersonal. Beim Rückrundenstart am Sonntag in Nürnberg (15.30 Uhr) wird er mit großer Wahrscheinlichkeit wieder von Beginn an spielen. Entweder neben Selke oder als einzige Spitze. Welche Variante er favorisiert? „Eigentlich ist das egal“, antwortet Ibisevic. „Wichtig ist nur, dass wir das nicht ständig wechseln. Der Mannschaft würde es sicher helfen, wenn wir ein paar Spiele so machen.“

Ähnlich sehe es in Sachen Systemfrage aus. Egal ob 3-5-2 oder 4-4-2, „wichtig ist, dass die Mannschaft sich wohl fühlt“, sagt er. Überhaupt sei es immer mehr von Belang geworden, dass man mehrere Systeme spielen könne. „Die Gegner stellen gegen uns auch mitten im Spiel um, da ist es für uns nur gut, wenn wir verschiedene Varianten drauf haben“, sagt Ibisevic.

Ein Wechsel in die USA kommt für den Bosnier noch zu früh

Ja, der Fußball habe sich schon ziemlich verändert, seit er vor 13 Jahren sein erstes Bundesligaspiel für Alemannia Aachen bestritt. Dann ging es nach Hoffenheim, zum VfB Stuttgart und 2015 zu Hertha. In der Liste der erfolgreichsten ausländischen Torschützen der Liga liegt der Bosnier mit 116 Toren auf Platz vier. Geht es nach Ibisevic, sollen noch einige hinzukommen, wenngleich er Giovane Elber (133 Tore für Stuttgart und München) wohl nicht mehr einholen wird. „Um die Karriere zu beenden, ist es noch zu früh“, findet er.

Sein Vertrag in Berlin läuft noch bis zum Sommer. Was dann kommt? Ibisevic weiß es noch nicht. „Ich fühle mich hier wohl, meine Familie auch, von daher kann ich mir sehr gut vorstellen, hier weiter Fußball zu spielen. Aber ich kann mir auch sehr gut etwas anderes vorstellen“, sagt er.

Das könne bei einem anderen Bundesligisten sein oder auch im Ausland, in den USA etwa. Ibisevics Schwester lebt dort, er selbst hat dort schon als Kind und zu College-Zeiten gespielt, in St. Louis. Eine Rückkehr könnte einen vermeintlichen perfekten Karriereabschluss darstellen, aber im Gespräch lässt der Stürmer immer wieder durchblicken, dass er sich eigentlich noch für zu frisch hält, um sich in den sportlichen Vorruhestand zu begeben. „Die MLS ist sicher nicht ganz weit weg, aber wenn es nicht passiert, wäre es für mich auch nicht schlimm. Die Bundesliga ist meine Lieblingsliga, und solange es geht, ist sie eine Sache, die mich reizt.“

Auch als Stütze für junge Spieler wichtig

Das Adrenalin spüren, Spieltag für Spieltag, rausgehen in die vollen Stadien, das ist es, was Ibisevic antreibt. Die Entscheidung liegt bei Hertha und Manager Michael Preetz, ob man gewillt ist, den Vertrag mit dem bald 35- Jährigen noch mal zu verlängern.

Offensiv verfügen die Berliner über Talent, neben Selke ist da noch Pascal Köpke (23), der ebenfalls auf mehr Spielzeit drängt. Die Erfahrung von Ibisevic hat aber niemand, auch nicht das Ansehen in der Kabine. „Ich versuche natürlich, meinen Mitspielern immer zu helfen, indem ich sie pushe“, sagt er über seine Aufgaben als Kapitän. Und seine Führungsqualitäten könnten in der Rückrunde gefragter sein denn je. Die Mannschaft kämpft gegen den Fluch, die Rückrunden zuletzt immer schlechter abgeschlossen zu haben als die Hinrunden. Nicht nur für die Zukunft von Vedad Ibisevic könnte es sehr wichtig sein, dass sich das in dieser Saison endlich ändert.

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