E-Sport

Hertha greift in der neuen Bundesliga an

Herthas Kapitän Elias Nerlich hat das Zeug zum Favoritenschreck. Bei Fans ist er schon ähnlich beliebt wie Profi Jordan Torunarigha.

Kapitän Elias Nerlich, Tom Bismark und Eren Poyraz (v.l.) legen los

Kapitän Elias Nerlich, Tom Bismark und Eren Poyraz (v.l.) legen los

Foto: City-Press GbR

Berlin.  Hertha betritt Neuland. Mal wieder, muss man fast sagen, und mal wieder digital. Am Mittwoch startet das E-Sport-Team des Berliner Fußball-Bundesligisten in die neu gegründete VBL Club Championship, um sich in der Fußball-Simulation Fifa 2019 mit den besten Teams des Landes zu messen. Jene tragen klangvolle Namen. Werder Bremen und Schalke 04 sind ebenso vertreten wie der VfL Wolfsburg oder RB Leipzig. Organisiert wird diese Meisterschaft nämlich von der Deutschen Fußball Liga (DFL). 13 Erst- und neun Zweitligaklubs schicken ihre virtuellen Kicker auf den Bildschirm. Der FC Bayern und Dortmund fehlen allerdings noch.

Unmittelbar vor Saisonstart herrscht Premieren-Aufregung, auch in Herthas E-Sport-Akademie. „Die Virtuelle Bundesliga ist für uns jetzt das wichtigste“, sagt Elias Nerlich (22), der Kapitän des Hertha-Teams. Er ist das Aushängeschild der Berliner und hat sich mittlerweile eine beachtliche Popularität erspielt. Mitunter überstrahlt er sogar die Fußballer. Als Nerlich mit Jordan Torunarigha (21) durch das KaDeWe schlenderte, fragte ein Fan, ob er ein Foto machen könne – nicht von dem Bundesliga-Profi wohlgemerkt, sondern vom E-Sportler.

Jede Spielfigur hat dieselbe Spielstärke

Was sich Nerlich in der Virtuellen Bundesliga zutraut? „Wir sind kein Titelanwärter“, sagt der Berliner, „aber wir werden bestimmt den einen oder anderen ärgern können.“ Jede Begegnung besteht aus zwei Eins-gegen-Eins-Duellen (eines auf der Playstadion, eines auf der Xbox), ein drittes Spiel wird im Zwei-gegen-zwei gespielt, wobei das Heimteam die Konsole auswählen darf.

Speziell an dem Wettbewerb ist auch, dass jede Spielfigur dieselbe Spielstärke hat. „Dadurch hat niemand einen Vor- oder Nachteil“, erklärt Nerlich, „ich denke, deshalb werden viele bekannte Spieler auch mal patzen.“ Das will er nutzen.

Hertha auch virtuell ein Ausbildungsklub

Ähnlich wie in der realen Fußball-Welt positioniert sich Hertha auch virtuell als Ausbildungsklub, setzt auf ein Team aus jungen Spielern, die sich in der eigenen Akademie zu gestandenen Profis entwickeln sollen. Neben Nerlich tragen auch Tom Bismark und Eren Poayraz (beide 17) die Hertha-Fahne auf ihrer Trainingskleidung, doch Favoriten sind andere. Werder Bremens Michael „Megabit“ Bittner und Mohammed „MoAuba“ Harkous gelten als Weltklasse-Spieler, auch Leipzig (mit dem Berliner Cihan Yasarlar ) hat erfahrene Fifa-Veteranen in seinen Reihen.

Um die Granden der Branche zu ärgern, arbeitet Nerlich hart. Gesunde Ernährung und Fitness gehören ebenso zum Alltag wie drei Stunden Training an der Konsole. Ähnlich viel Zeit investiert er für die Pflege seiner Kanäle in den sozialen Medien. Beim Videoportal Youtube werden seine Clips von rund 16.000 Abonnenten gesehen. Zum Vergleich: Herthas Klub-Profil hat dort 34.000 Abonnenten. Und Nerlich betreibt seinen Kanal erst ein paar Wochen.

ProSieben Maxx und ran.de zeigen die Spiele

Ja, E-Sport boomt. ProSieben Maxx und ran.de zeigen ausgewählte Partien im TV und als Livestream, bei Topspielen sogar mit Vorberichten und Interviews. Bei Hertha haben sie dieses Zuschauer-Potenzial erkannt. Im Trainingsraum ist Nerlichs Platz so ausgeleuchtet, dass er professionelle Videos für seine Fans produzieren kann.

Nun aber träumt Nerlich, der mit E-Sport seinen Lebensunterhalt verdient, von mehr. Mit Coach Daniel „DieHahn“ Brandt wird er seine Gegner akribisch analysieren, Stärken und Schwächen ausspähen. So wie Herthas Fußballer will er sich zunächst in der Bundesliga etablieren. Für den Traum vom Grand Final im Mai müsste er sich im Play-off durchsetzen. „Das“, sagt Nerlich, „wäre schon sehr stark.“