Bundesliga

Hertha fürchtet den Leistungsknick in der Rückrunde

Hertha BSC sammelt in der Rückrunde seit Jahren weniger Punkte als in der Hinserie. Kommt es diesmal anders?

So sehr sich Vedad Ibisevic (M.) und seine Kollegen in der Vergangenheit ins Zeug warfen, die Rückrunden endeten immer enttäuschend.

So sehr sich Vedad Ibisevic (M.) und seine Kollegen in der Vergangenheit ins Zeug warfen, die Rückrunden endeten immer enttäuschend.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin.  Für gut abgehangene Fußball-Binsen ist Lothar Matthäus immer gut. Zum Start der zweiten Saisonhälfte liefert Deutschlands Rekordnationalspieler jedenfalls so zuverlässig wie einst auf dem Platz. Die Bundesliga, sagt der Mann, der gefühlt auch als Rekordexperte durchgeht, „startet in die spannendste Rückrunde seit Jahren“.

Angesichts des ungewohnt knappen Titelrennens keine allzu gewagte These, aber deshalb nun mal nicht weniger wahr. Mehr noch: Matthäus’ Voraussage trifft nicht nur auf den Kampf zwischen Spitzenreiter Borussia Dortmund und Verfolger Bayern München zu, sondern lässt sich auch prima auf Hertha BSC ummünzen.

Preetz setzt Team und Trainer unter Druck

Vor dem Rückrundenauftakt am Sonntag (15.30 Uhr) beim 1. FC Nürnberg herrscht ungewohnt hoher Druck beim Hauptstadtklub. Einerseits, weil die Ansprüche in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen sind; zum anderen, weil die Mannschaft zum Ende der Hinserie fahrlässig Punkte liegen ließ. Michael Preetz gab Team und Trainer daher einen Denkzettel mit in den Weihnachtsurlaub. So allmählich, sagte der Manager, dürfte man ruhig mal beweisen, dass man in der Lage ist, eine bessere Rückrunde als Hinrunde zu spielen. Bumm, das saß.

Wenn es um das Reizthema Rückrundenschwäche geht, sind Herthas Fans längst ähnlich genervt wie Preetz. Es ist ja auch zum Verrücktwerden: In ihren jüngsten zehn Bundesliga-Spielzeiten haben die Berliner sich nur zweimal nach der Winterpause gesteigert – 2007/08 und 2009/10, als der Klub in der ersten Saisonhälfte nur sechs Pünktchen holte und am Ende der Saison abstieg. Seit dem letzten Aufstieg 2013 hieß es fast jedes Jahr aufs Neue: stark anfangen, stark nachlassen (siehe Grafik). Ein Muster, das nur die verkorkste Hinrunde 2014/15 unter Jos Luhukay noch unterbot.

Wieder nur 18 oder 19 Punkte?

In der Vergangenheit äußerten sich die Verantwortlichen in der Winterpause meist versöhnlich. Mehr Qualität im Kader, mehr Erfahrung, gesteigerter Konkurrenzkampf – irgendein Mutmacher fand sich immer für das neue Jahr. Geändert hat das wenig. In den drei kompletten Saisons unter Pal Dardai las sich die Punkteverteilung der beiden Halbserien recht eintönig: 32 plus 18, 30 plus 19, 24 plus 19.

Gründe für den Leistungsknick ließen sich freilich immer finden. 2013/14 profitierte Hertha als Aufsteiger zunächst vom Überraschungsmoment, ein Effekt, der jedoch zusehends verpuffte. 2015/16 musste die Mannschaft ihrem lauf- und kampfintensiven Stil Tribut zollen. 2016/17 schlich sich eine unsägliche Auswärtsschwäche in die Köpfe, und im Vorjahr fehlte womöglich das letzte Quäntchen Wille und Motivation, weil man lange im Niemandsland der Tabelle verharrte. Unterschiedliche Ursachen, gleiches Ergebnis – Hertha blieb in der Rückrunde blasser als zuvor.

In der Winterpause der Vorsaison lieferte Routinier Fabian Lustenberger (30) seinen eigenen Erklärungsansatz für die Rückrunden-Misere. „In der Hinserie“, sagte der Schweizer, „haben wir meist über unserem Level gespielt.“ 2017/18 konnte davon jedoch genauso wenig die Rede sein wie aktuell (je 24 Hinrundenpunkte). Dennoch unterboten die Berliner diese Ausbeute im vergangenen Jahr (19 Zähler).

Letzte Halbserie für Co-Trainer Widmayer

Die Sorge, dass die Rückrundenschwäche zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird, ist inzwischen längst spürbar. „Wir wollen gar nicht so viel darüber reden“, sagte Dardai vor dem Jahreswechsel, „je mehr die Spieler es im Kopf haben, desto schwieriger wird es, daran etwas zu ändern.“ Wenn alle Spieler gesund bleiben, werde man „die beste Rückrunde spielen, seit ich Trainer bin“. Nach den durchwachsenen Tests am Sonntag wechselte der Ungar jedoch die Tonalität. „Kein einziger Spieler war gut“, sagte er, „die haben sich wohl alle den Kopf verdreht. Wir müssen vielleicht noch mal unsere Rückrundenziele korrigieren.“

Spieler und Trainer stehen in der Pflicht. Bloß nicht wieder absacken, zumal die Messlatte mit 24 Punkten nicht übermäßig hoch liegt. Aber wie könnte der Berliner Einbruchschutz aussehen? Hoffnung machen die sich nähernde Rückkehr von Mittelfeldspieler Marko Grujic, der formstarke Valentino Lazaro oder der lange verletzte Stürmer Davie Selke, der endlich voll angreifen will. Vielleicht hat das Team seit Dienstag aber auch eine ganz neue Motivation. Wie Hertha bekannt gab, wird der langjährige Co-Trainer Rainer Widmayer (51) den Klub im Sommer verlassen. Ein schöneres Abschiedsgeschenk als eine gute Rückserie könnten die Profis ihm kaum machen.

Der 18. Spieltag: Fr., 20.30 Uhr: Hoffenheim - München. Sa., 15.30 Uhr: Leverkusen - Gladbach, Stuttgart - Mainz, Frankfurt - Freiburg, Augsburg - Düsseldorf, Hannover - Bremen. 18.30 Uhr: Leipzig - Dortmund. So., 15.30 Uhr: Nürnberg - Hertha;
18 Uhr:
Schalke - Wolfsburg.