Fußball

Herthas ernüchternde Vorstellung

Hertha hat beim Telekom Cup eine Woche vor Rückrundenstart viele Probleme im Defensivverhalten offenbart.

Düsseldorf jubelt über Rang drei, Herthas Per Skjelbred (Mitte) kann seine Enttäuschung über den letzten Platz nicht verbergen.

Düsseldorf jubelt über Rang drei, Herthas Per Skjelbred (Mitte) kann seine Enttäuschung über den letzten Platz nicht verbergen.

Foto: EIBNER/Mario Hommes / imago/Eibner

Berlin.  Als Lehrer hätte Pal Dardai am Sonntag keine schwierigen Entscheidungen treffen müssen. Herthas Trainer hatte während des Telekom Cups in Düsseldorf, einem Kurzturnier mit der gastgebenden Fortuna, Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern, angekündigt, jeden Spieler einzeln bewerten zu wollen. Wie in der Schule. Die Benotung dürfte ihm bei der Rückreise kaum Probleme bereitet haben, keiner seiner Spieler hatte sich zuvor größere Mühe gegeben, über eine Vier hinauszukommen.

Herthas Fußballer hatten im Kollektiv die Generalprobe verpatzt, was Michael Preetz dementsprechend kommentierte: „Man sieht, dass wir bis zum Rückrundenauftakt noch eine Menge zu trainieren haben“, sagte Herthas Manager, der sich zwischenzeitlich als Co-Kommentator beim Fernsehen versuchte. Preetz kommentierte die ersten zwanzig Minuten des Spiels gegen Borussia Mönchengladbach, das für Hertha denkbar ungünstig begann. Thorgan Hazard hämmerte den Ball bereits in der vierten Minute direkt unter die Latte. „Kategorie Traumtor“, sagte Preetz. Abgesehen davon, dass es sich tatsächlich um ein schön anzusehendes Tor handelte, hätte Valentino Lazaro durchaus energischer in den Zweikampf gehen können.

Hertha fand im Anschluss besser ins Spiel, Vladimir Darida vergab die größte Chance zum Ausgleich, als er frei vor Torwart Tobias Sippel auftauchte, aber der Gladbacher konnte den unplatzierten Schuss mit dem Fuß abwehren. Pech hatten die Berliner, als ein Foul gegen Ondrej Duda im Strafraum nicht geahndet wurde. Gladbachs 1:0-Sieg nach 45 Minuten war dennoch verdient, weil das Spiel der Borussia druckvoller daherkam. „Gladbach hat verdient gewonnen, aber Chancen waren auch für uns da. Ein Elfmeterschießen wäre schön gewesen, weil wir bald gegen Bayern München spielen.“ Dardai sprach vom DFB-Pokal-Achtelfinale am 6. Februar, in Form für ein solches Kräftemessen ist seine Mannschaft derzeit aber noch nicht.

Desolater Auftritt im Spiel um Platz drei gegen Düsseldorf

Hertha spielte mit einer Dreierkette, bestehend aus Niklas Stark, Fabian Lustenberger und Jordan Torunarigha. Vorn bildeten Vedad Ibisevic und Davie Selke eine Doppelspitze. Gut möglich, dass Dardai dieses System inklusive Personal auch am kommenden Sonntag in Nürnberg (15.30 Uhr) bevorzugt.

„Ich habe einiges gesehen, was mir gut gefallen hat und einiges, was mir weniger gefallen hat“, sagte Dardai nach dem Spiel. Zu den weniger guten Dingen dürfte das zögerliche Zweikampfverhalten zählen, Gladbach wirkte insgesamt schon weiter was Abstimmung und Sicherheit angeht. Zu oft kamen die Gladbacher zu schnell vor das Berliner Tor. Defensiv wartet noch einige Arbeit auf die Berliner in den kommenden Tagen.

Ohnehin ist die Situation in der Abwehr interessant. Lustenberger und Torunarigha haben laut Dardai einen kleinen Vorsprung, bei Niklas Stark will Dardai sehen, wie er die Belastung der vergangenen Tage wegsteckt. Gegen Gladbach wechselten sich auch beim ihm gute und weniger gute Momente ab. Karim Rekik, der für gewöhnlich als Starks Partner vorgesehen ist, kam nach langer Verletzungspause im zweiten Spiel zum Einsatz, die fehlende Spielpraxis war ihm anzumerken. Beim Duell um den dritten Platz ging es gegen Fortuna Düsseldorf, das zuvor im Elfmeterschießen am späteren Sieger FC Bayern gescheitert war.

Neben Rekik verteidigte Florian Baak in der Viererkette. Dardai änderte wie angekündigt System und Personal, auch Spieler wie Sidney Friede, Pascal Köpke oder Dennis Jastrzembski, die im Ligaalltag kaum Berücksichtigung finden, spielten nun 45 Minuten. Herthas desolaten Auftritt gegen die Fortuna allein auf die Aufstellung zu schieben, wäre aber zu leicht.

Hertha ging zwar früh in Führung, als Köpke den Ball nach einem grotesken Aussetzer von Jaroslav Drobny nur noch einzuschieben brauchte. Drobny war erst vor wenigen Tagen zur Fortuna gekommen und soll dort Stammtorwart Michael Rensing Konkurrenz machen. Herthas Ex-Torwart spielte aber einen Abstoß direkt in die Füße von Salomon Kalou, der nur noch auf Köpke querlegen musste. Sicherheit erlangte Hertha durch dieses Geschenk nicht. Das Defensivverhalten blieb abenteuerlich, beim Ausgleich durch Karaman gab Friede nur Geleitschutz. Auch den anderen Gegentoren gingen individuelle Fehler voraus. Rekik ging im Strafraum zu ungestüm zur Sache, Marvin Ducksch verwandelte den Elfmeter zum 1:2. Das dritte Fortuna-Tor erzielte ebenfalls Ducksch nach grobem Berliner Abspielfehler im Mittelfeld.

„Wir haben gesehen, wo wir stehen“, sagte Dardai. „Es ist gut, die Ansprüche kommen runter. Die Köpfe einiger Spieler waren verdreht. Wir müssen wieder bescheiden sein, fleißig arbeiten und mehr Gier und Siegeswillen zeigen“, sagte Dardai.