Hertha BSC

Marvin Plattenhardt tritt die Flucht nach vorn an

Für eine gute Rückrunde braucht Hertha wieder mehr Impulse von Marvin Plattenhardt. Der Linksfuß selbst hat klare Vorstellungen.

Weg mit dem WM-Blues: Marvin Plattenhardt steht als Nationalspieler besonders im Fokus bei Hertha, erst recht in der kommenden Rückrunde.

Weg mit dem WM-Blues: Marvin Plattenhardt steht als Nationalspieler besonders im Fokus bei Hertha, erst recht in der kommenden Rückrunde.

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / ZB

Berlin.  Als Angler verfügt Marvin Plattenhardt (26) über eine ausgeprägte innere Ruhe. Nichts bringt ihn schnell aus der Fassung. Nicht wenn ihn die Gegner auf dem Platz unter Druck setzen und auch nicht, wenn Kritik auf ihn einprasselt. So wie in den vergangenen Wochen, deren Tenor war, Plattenhardt hätte auch schon mal besser Fußball gespielt.

Plattenhardt will das gar nicht leugnen, er weiß es ja selbst. Nur hat er eben eine ihm eigene Ausdrucksweise für solche Dinge. „Ja gut, war steinig“, sagt er über die zweite Jahreshälfte. Kurz und knapp, wie ein Gespräch unter Männern draußen am See. Kurze Pause. Dann wird er doch noch redseliger. „Es war jetzt nicht die beste, die konstanteste Hinserie. Es gab Spiele, die waren gut, und es gab Spiele, die schlechter waren. Das kommt bei jedem Fußballer vor.“ Und weil das so ist, hört sie sich aus dem Mund von Plattenhardt weit weniger schlimm an, diese durchwachsene Hinrunde. Nach dem Motto: Ja, gut, war halt nicht optimal, aber jetzt wird’s besser.

Sonntag Härtest beim Telekom Cup

Es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass Plattenhardt in den kommenden Monaten wieder bessere Leistungen bringen wird. Zum einen konnte er bisher die komplette Vorbereitung mitmachen. Auch am Sonntag wird er für Hertha beim Kurzturnier in Düsseldorf auflaufen, wo neben der gastgebenden Fortuna auch Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern teilnehmen (Hertha trifft erst auf Gladbach/14.10 Uhr, Sat.1). Zum anderen kommt er aus keinem großen Turnier wie in den Sommern 2017 und 2018, als er für die deutsche Nationalmannschaft beim Confed Cup und bei der WM weilte.

„Ich fühle mich frisch“, sagt Plattenhardt und zieht die Mütze tiefer ins Gesicht. Es nieselt, der Wind bläst unangenehm ins Gesicht. Januarwetter in Berlin. In ein paar Tagen wird er 27 Jahre alt. Glaubt man den allgemeinen Einschätzungen, befindet er sich biologisch gesehen gerade auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn als Fußballer.

Genau das sollte das vergangene Jahr auch werden, ein Höhepunkt. Nur kam es ganz anders. Die WM in Russland geriet zum Desaster. Plattenhardt wurde zwar einmal von Beginn an aufgestellt, sein Einsatz gegen Mexiko blieb aber vor allem deswegen in Erinnerung, weil die Mitspieler ihn schnitten, dass es schon grotesk war. Niemand wollte ihn anspielen, niemand gab ihm den Ball. In Berlin angekommen, musste er dann nicht nur viel Fitness nachholen, sondern auch unangenehme Fragen über seine berufliche Zukunft beantworten. Hertha hatte ihn prominent ins Fenster gestellt, in der Hoffnung, mit ihm, dem Nationalspieler, die noch immer nicht allzu pralle Klubkasse aufzubessern. Aber es fand sich kein rechter Interessent.

Packender Konkurrenzkampf mit Mittelstädt

Plattenhardt blieb, doch sein Stellenwert war irgendwie nicht mehr der gleiche. Plötzlich hatte er sogar im eigenen Verein Konkurrenz. Er, der in den Jahren zuvor immer gespielt hatte, musste sich nun mit Maximilian Mittelstädt (21) duellieren. Es gab auch Spiele, nicht viele zwar, aber immerhin, in denen Plattenhardt nicht eingesetzt wurde. Auf 13 von möglichen 17 Spielen kam er.

„Klar hat der Trainer mich in der Hinrunde ab und zu auch draußen gelassen, aber Maxi ist ein guter Spieler, und Konkurrenz belebt den Fußball“, sagt Plattenhardt. Wobei nicht ganz sicher ist, ob das auch für ihn im Speziellen gilt. Plattenhardt ist ein Fußballer, der nach außen hin zwar bis an die Stoik grenzend ruhig wirken kann, nach innen aber Vertrauen braucht, um seine beste Leistung abrufen zu können. Vertrauen, wie es Dardai ihm stets entgegenbrachte.

In der Rückrunde wird es für Herthas Trainer auch darum gehen, wieder jenen Plattenhardt auf den Platz zu bekommen, der sich vor zwei Jahren in die Nationalmannschaft spielte. Zu ungleich waren Herthas Flügel zuletzt geprägt. Rechts wirbelte Valentino Lazaro, links kämpfte Marvin Plattenhardt mit dem WM-Blues. Gelingt es ihm, wieder in Form zu kommen, würde Hertha über eine höchst attraktive Flügelzange verfügen.

Der Linksfuß kündigt mehr Offensivdrang an

Über seine Ziele sagt Plattenhardt: „Ich will mich nach vorn noch mehr einschalten und wieder einige Torvorlagen aus dem Spiel heraus kreieren.“ In der Hinrunde gelang ihm das nicht. Dort kam er insgesamt nur auf zwei Vorlagen, eine davon nach einem ruhenden Ball. Zu wenig, das weiß er selbst.

Dass eine Rückkehr in die Nationalmannschaft bei diesen Zahlen ausblieb, war wenig überraschend. Trotzdem schmerzte die Nichtberücksichtigung. „Am Anfang war ich verletzt, das war ein bisschen blöd zu dem Zeitpunkt, und natürlich war ich enttäuscht. Aber jetzt möchte ich erstmal hier bei Hertha gute Leistungen bringen, und dann hoffe ich, dass ich die Einladung irgendwann wieder bekomme“, sagt Plattenhardt. Bundestrainer Joachim Löw dürfte das genauso gern vernehmen wie Heimtrainer Dardai.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.