Bundesliga

Darida muss bei Hertha sich selbst wiederfinden

Vladimir Darida war Herthas Liebling. Nun erlebt der Tscheche die schwerste Zeit seiner Karriere – Kritik von Trainer Dardai inklusive.

Vladmir Darida kam 2015 aus Freiburg und hat seitdem 82 Bundesliga-Spiele für Hertha bestritten

Vladmir Darida kam 2015 aus Freiburg und hat seitdem 82 Bundesliga-Spiele für Hertha bestritten

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Laufen, schnell und ausdauernd, das war immer die große Stärke von Vladimir Darida (28). Niemand kann in dieser Hinsicht mit ihm mithalten bei Hertha BSC. Und wenn Darida in Bewegung war, kamen die anderen Dinge meist von ganz allein. Das Fußballerische, die Zweikämpfe, die Torabschlüsse. All das, was noch dazu gehört für einen Mittelfeldspieler wie ihn.

Am Donnerstag war davon nichts gefragt. Darida musste nur laufen. Auslaufen, wie es unter Fußballern heißt. Nach dem 4:1 im Testspiel gegen Arminia Bielefeld stand Regeneration auf dem Programm, aber auch daran schien Darida nicht so recht Freude zu haben. Seine Runden spulte er anstandslos ab, die Mütze tief ins Gesicht gezogen verschwand er nach Beendigung als einer der Ersten.

Es sind freudlose, schwierige Zeiten, die Darida gerade bei Hertha erlebt. Vielleicht die schwierigsten seiner Karriere. Jüngst sagte Trainer Pal Dardai über Darida: „Er sucht seine Form. Die muss er schnell wiederfinden. Es gibt keine schönen Worte mehr.“ Gemeinsam mit Arne Maier (20) hatte der tschechische Nationalspieler die defensive Mittelfeldzentrale des Berliner Bundesligisten gebildet und konnte wie zuletzt häufiger nicht überzeugen. Defensiv habe man zu viele Ballverluste gehabt, was Maier und Darida da gespielt hätten, sei „zu dünn“ gewesen, urteilte Dardai. „Im Zentrum haben wir nicht richtig zugemacht, da kam der Gegner zu zu vielen Torschüssen“, sagt der Ungar.

Maier, Duda und Grujic haben ihm den Rang abgelaufen

Seine Kritik treffe Arne Maier und Ondrej Duda genauso, darauf besteht Dardai. Aber auch wenn er es nicht sagt, für Darida gilt sie besonders. Ähnliche Worte hatte der 42-Jährige schon nach dem Spiel in Stuttgart (1:2) gewählt, als er Darida im Rahmen des Zusammenbruchs seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit anzählte. Es läuft einfach nicht für den Tschechen, dessen Stellenwert sich verschoben hat. Duda dagegen kann an guten Tagen ein technisch feiner Spielgestalter sein, in der Hinrunde traf er sieben Mal, mehr als jeder andere Berliner. Er ist für Dardai immer eine Option. Maier ist unumstrittener Stammspieler und Herthas Zukunft.

Wo Daridas Platz ist, weiß er vermutlich selbst nicht so genau. Am wohlsten fühlte er sich stets in der Mitte der Mitte, als sogenannter Achter und Pendler zwischen den Strafräumen. Aber dort regiert inzwischen Marko Grujic, eine Naturgewalt, ausgeliehen vom FC Liverpool. Irgendwo zwischen Maier, Grujic und Duda ist Darida verloren gegangen. Schleichend, ohne das groß jemand davon Notiz genommen hätte. Nur als er im vergangenen Herbst zeitweise komplett aus dem Kader verschwand und von der Tribüne aus zusehen musste, da hieß es plötzlich, was ist eigentlich mit Darida?

Zum einen sind da die Verletzungen. Für Darida ein leidvolles Thema. Das Knie nahm Schaden beim ersten Testspiel des Sommers, knapp vier Monate Pause folgten. Ende Oktober erst gab er sein Debüt in Dortmund. Im Vorjahr konnte er aus gesundheitlichen Gründen auch nur 21 Ligaspiele bestreiten. „Vladi hat seinen Rhythmus verloren“, sagt Dardai. Das ist nicht ganz unwesentlich für einen, der vor allem Regelmäßigkeiten für sein Spiel benötigt.

Der Tscheche wirkt wie ein Tempotourist

Daridas sinkender Stellenwert hängt aber auch mit dem Kulturwandel zusammen, den Hertha in den ersten Monaten dieser Saison vollzogen hat. Duda, Maier und Grujic spielen auf eine andere Art Fußball. Sie behalten den Ball gern in den eigenen Reihen, spielen ihn sich zu, immer und immer wieder. Darida ist eher daran interessiert, ihn schnell zu gewinnen und schnell wieder abzugeben. Während die anderen den Eindruck erwecken, mit dem Ball über das Feld zu flanieren, sich ganz der Anmut ihrer Kunst bewusst, wirkt er wie der Tempotourist, der möglichst viel in möglichst wenig Zeit hinter sich bringen will.

Wie Darida geht es auch anderen ehemaligen Mittelfeldgrößen. Per Skjelbred und Fabian Lustenberger hat der Kulturwandel ebenfalls zugesetzt, auch sie kommen auf deutlich weniger Einsätze im Zentrum. Sie sind die prägenden Gesichter einer Zeit, deren Ende längst eingeläutet ist. So weit möchte Pal Dardai nicht gehen, jedenfalls nicht öffentlich. Er glaubt weiterhin an Darida, nur müsse der eben zeigen, was er kann.

„Ein Vladimir Darida soll seine wahre Kapazität zeigen, so wie er es zwei Jahre lang hier gemacht hat“, sagt Dardai, der immer ein Fan von ihm war. Vor dem Start der Rückrunde in Nürnberg (20. Januar) ist Vladimir Darida davon weit entfernt, er ist nicht der, der er sein könnte. Dafür war er zu lange weg. In der Zwischenzeit hat sich die Welt bei Hertha BSC geändert. Darida muss das gerade täglich feststellen.

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