Bundesliga

15 Spieler kämpfen bei Hertha um ihre Zukunft

15 Verträge laufen im Juni aus. Ein Überblick, wer wohl bleiben darf, wer gehen muss und wo Hertha die Hände gebunden sind.

Per Skjelbred kam 2013 vom HSV zu Hertha und war lange gesetzt. Doch in dieser Saison ist der Norweger nur noch Reservist. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Die Zeichen stehen auf Trennung.

Per Skjelbred kam 2013 vom HSV zu Hertha und war lange gesetzt. Doch in dieser Saison ist der Norweger nur noch Reservist. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Die Zeichen stehen auf Trennung.

Foto: Christian Kaspar-Bartke / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Für einen Augenblick war Vedad Ibisevic noch einmal 19. Am Sonnabend, als ein Mitarbeiter von Hertha BSC die Trainingseinheit per Video dokumentierte, da blödelte der Kapitän herum wie ein Halbstarker. Er machte Handzeichen, wie es US-Rap-Stars tun, und er quasselte Hip-Hop-Phrasen in die Kamera. Wenn man seinen Arbeitsalltag mit vielen Männern verbringt, die gerade erst erwachsen werden, hält das wohl jung.

Aber Ibisevic ist nicht mehr 19. Im August wird der Bosnier 35. Die Fußballerrente ist nahe. Das macht die Personalie Ibisevic von den vielen, deren Verträge bei Hertha im Sommer auslaufen, am kompliziertesten. Bei 15 Profis enden die Kontrakte. Ibisevic ist nur der prominenteste. Ein Überblick.

Die Etablierten: Ibisevic kam 2015 aus Stuttgart, aber nie schoss er in einer ersten Saisonhälfte für Hertha wettbewerbsübergreifend mehr Tore als in dieser Spielzeit. Mit acht Treffern ist er der beste Berliner Torjäger. „Es gibt keine jungen und alten Spieler, sondern nur gute und schlechte“, hat Otto Rehhagel mal gesagt. Und Ibisevic, der älteste Herthaner im Kader, ist gerade gut. Sein geplanter Nachfolger Davie Selke konnte sich (auch wegen Verletzungen) noch nicht komplett durchsetzen. Er könne sich vorstellen, seine Karriere in China oder den USA (wo seine Eltern und die Schwester leben) zu beendet, hat Ibisevic mal gesagt, aber er wolle so lange in der Bundesliga spielen, wie es geht. Tendenz: Hertha verlängert mit dem Kapitän.

Kein Spieler ist länger bei Hertha als Fabian Lustenberger (30) – fast elfeinhalb Jahre. Ob es noch mehr werden, ist offen. Zwar hat Lustenberger, dem oft vor einer Saison die Tauglichkeit abgesprochen wurde, erneut 14 Spiele absolviert. Aber die Familie des Defensivspielers (drei Kinder) lebt nun in seiner Schweizer Heimat. Eine Rückkehr auch für ihn ist denkbar, da Hertha über jüngere Alternativen verfügt.

Wahrscheinlicher ist ein Ende der Zusammenarbeit aber bei Per Skjelbred. Am Norweger lässt sich der Wandel bei Hertha illustrieren: Galt der 31-Jährige lange unverzichtbar in einer auf Fleiß und Einsatz ausgerichteten Mannschaft, bleibt dem defensiven Mittelfeldspieler nun bei einer auf Spielkultur zielenden Elf meist lediglich die Reservistenrolle (nur fünf Startelfeinsätze). Skjelbred, der 2013 vom HSV kam, hat angekündigt, seine Karriere bei seinem Jugendklub Rosenborg Trondheim beenden zu wollen. Im Sommer schlug er noch ein Angebot aus. Das könnte sich jetzt ändern.

Thomas Kraft (30), der Ersatzkeeper, der 2015 nach einer Verletzung seinen Stammplatz an Rune Jarstein verlor, dürfte nach acht Jahren kein neues Angebot mehr bekommen. In der Torwarthierarchie sind Talente wie Dennis Smarsch (19) an ihn herangerückt. Kraft soll der Entwicklung der Jungen nicht im Wege stehen. Vor allem dem an Osnabrück ausgeliehenen Nils Körber (22) wird die Rolle als Jarstein-Vertreter zugetraut, wenn er im Sommer zurückkehrt (Vertrag bis 2020).

Die Talente: Ersatzkeeper Smarsch ist ein solches. Als Nummer drei könnte der auslaufende Vertrag des 1,95-Meter-Mannes verlängert werden. Das würde bedeuteten, dass die Zeit für Jonathan Klinsmann (21) nach zwei Jahren bei Hertha endet. Bis auf einen gehaltenen Elfmeter in der Europa League 2017 konnte der Keeper mit dem berühmten Vater nicht für sich werben. Marius Gersbeck ist mit 23 zwar kein Talent mehr, spielte für Hertha aber wegen Verletzungen und Ausleihen selten. Im April zog sich Gersbeck einen Kreuzbandriss zu – nach zuvor schon anderen Knieverletzungen. Ob er wieder der Alte wird, ist offen. Auch sein Vertrag läuft aus.

Dazu enden die Kontrakte von Florian Baak (19), Sidney Friede (20) und Maurice Covic (20), mit keinen oder wenigen Profieinsätzen. Friede könnte noch im Januar verliehen werden. Bei Julius Kade (19) steht eine Verlängerung an, auch weil Hertha-Manager Michael Preetz den Mittelfeldspieler nach dessen Knöchelbruch nicht fallen lassen will. Trainersohn Palko Dardai (19) kam in dieser Saison auf sechs Pflichtspieleinsätze. Obwohl nicht unumstritten, wird er wohl verlängern. Anders ist es bei Sinan Kurt (22). Er kam vor drei Jahren für 500.000 Euro vom FC Bayern, aber Hertha hat die Geduld mit dem Mittelfeldspieler verloren. Sieben Einsätze im Regionalligateam, nie über 90 Minuten. Ein Spieler, der sein Talent verschleudert und keinen Platz mehr bei Hertha hat.

Die Leihspieler: Bei Marko Grujic (22) und Derrick Luckassen (23) liegt die Entscheidung nicht allein bei Hertha. Mittelfeldspieler Grujic, ausgeliehen aus Liverpool, würden die Berliner gern binden. Maximal scheint eine Ausleihe um ein weiteres Jahr möglich. Abwehrmann Luckassen hingegen, geliehen vom PSV Eindhoven, konnte dagegen bisher nicht überzeugen.

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