Juniorcup

Herthas U19 startet die Mission Titelverteidigung

Das Turnier in Sindelfingen gilt als eine der größten Talentschauen in Europa. Auf welche Berliner Youngster man achten sollte

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Sindelfingen/Berlin.  Für Scouts zählt der Mercedes-Benz Juniorcup ohnehin zu den Pflichtterminen, aber auch Tausende Fußball-Fans werden an diesem Wochenende wieder in den Glaspalast nach Sindelfingen strömen. Sie alle wissen: Das dort ausgetragene U19-Hallenturnier zählt weltweit zu den hochkarätigsten seiner Art.

97 frühere Teilnehmer wurden später Nationalspieler ihres Landes, 27 davon streiften das Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über, fünf von ihnen (Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Christoph Kramer) wurden Weltmeister. Wer die potenziellen Stars von morgen sehen will, kommt an Sindelfingen nicht vorbei. Sport1 überträgt das Turnier am Sonnabend (ab 9 Uhr) und Sonntag (ab 10 Uhr) live.

Hertha BSC zählt mit bislang elf Teilnahmen zur Stammbesetzung des Events. Im Vorjahr gewannen die Berliner sogar den Titel, angeführt von einem überragenden Arne Maier. Inzwischen gehört der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler zu Herthas Profis wie die Currywurst zu Berlin. Seine Gala-Auftritte in Sindelfingen markierten gewissermaßen sein vorletztes Hurra im Jugendbereich, ehe er sein Team im Sommer zur deutschen A-Junioren-Meisterschaft führte.

Zur Konkurrenz zählen der FC Bayern und Liverpool

„Letztes Jahr hatten wir eine außergewöhnliche Konstellation mit sehr guten Einzelspielern“, sagt Herthas U19-Coach Michael Hartmann (44), „aber natürlich rechnen wir uns auch diesmal etwas aus. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die übers Team kommt.“

Starke Protagonisten wird es dennoch brauchen, um der hochwertigen Konkurrenz zu trotzen. Mit dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern reisen der Spitzenreiter und der Tabellendritte aus der Bundesliga-Staffel Süd/Südwest an; aus der West-Staffel mischt Schalke 04 mit, trainiert von Norbert Elgert, dem vielleicht erfolgreichsten Talentförderer des Landes. Auch die internationalen Teams können sich sehen lassen: In Herthas Gruppe starten die Glasgow Rangers und Rapid Wien. In Gruppe B tummeln sich der FC Liverpool und Atlanta United aus den USA.

Was Hertha dem entgegenhalten will? Zum Beispiel Stürmer Jessic Ngankam (18), der in der Hinserie der A-Junioren-Bundesliga bereits zehn Tore erzielt hat. Oder den erst 17 Jahre alten Mittelfeldspieler Julian Albrecht, der Maier im Vorjahr beim Gewinn der Meisterschaft unterstützte und von Chefcoach Pal Dardai schon als nächstes großes Talent gepriesen wird.

Der 17-jährige Julian Albrecht nähert sich schon den Profis

Nicht zu vergessen: der schnelle Dennis Jastrzembski (18), der zum Saisonstart bei den Profis glänzte und seither im Nachwuchs wirbelt. „Julian Albrecht ist von seinen Leistungen so konstant, dass er nicht mehr weit weg ist von den Profis“, sagt U19-Trainer Hartmann. Ngankam hingegen hat das Problem, dass Herthas Offensive bei den Profis mit Vedad Ibisevic, Davie Selke und Co. enorm stark besetzt ist.

Auf ein anderes vielversprechendes Talent muss Hartmann in Sindelfingen verzichten. Verteidiger Omar Rekik (17), jüngerer Bruder von Karim Rekik und ebenfalls schon im Dunstkreis der Profis, wird nach einer Adduktorenverletzung noch geschont.

Den Reiz des Turniers schmälert das freilich nicht. „Jedes Tackling wird abgepfiffen“, sagt Hartmann, „deshalb steht das Fußballspielen klar im Vordergrund.“ Dass in Sindelfingen traditionell viele Tore fallen, hängt aber auch mit dem vergleichsweise großen Spielfeld (50 mal 30 Meter) zusammen. Der Rahmen stimmt also. Nun braucht es nur noch den nächsten Mesut Özil, Joshua Kimmich – oder Arne Maier.