Marcel Reif

"Dortmund ist in dieser Saison nicht aufzuhalten"

Elf Thesen für das Fußball-Jahr 2019 – und was Fernseh-Experte Marcel Reif darüber denkt. Hertha BSC traut er einiges zu.

Marcel Reif tippt auf Marco Reus (l.) und Co. als neuen Meister

Marcel Reif tippt auf Marco Reus (l.) und Co. als neuen Meister

Foto: dpa Picture-Alliance / firo Sportphoto/ Fabian Simons / picture alliance / augenklick/fi

Das neue Jahr in der Bundesliga beginnt schon sehr früh, am 18. Januar endet mit der Partie zwischen 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern die Winterpause. Zwei Tage später steigt auch Hertha BSC in Nürnberg wieder ein. Fernseh-Experte und Moderator Marcel Reif hat sich ein paar Gedanken gemacht zu den Dingen, die in den nächsten Monaten passieren könnten.

These: Bayern wird noch Meister:
Marcel Reif: „Nicht in dieser Saison! Den Rückstand kann Bayern nicht aufholen. Dazu ist Dortmund zu stark, auch andere Mannschaften in den oberen Tabellenregionen. Es wird nicht Frankfurt, nicht Gladbach – aber diese Teams sind der Puffer für den BVB, weil sie den Bayern Probleme bereiten. Es spricht vieles für Dortmund, weil sie in der Hinrunde Spiele gewonnen haben, die man normalerweise nicht gewinnen kann – ihre guten Spiele gewinnen sie sowieso. Manchmal sitzt Trainer Lucien Favre auf der Bank, schüttelt mit dem Kopf und grinst – weil seine Jungs hin und wieder Kinderfußball spielen, der nichts mit dem zu tun hat, was er taktisch vorhatte – aber es funktioniert.“

Niko Kovac bleibt doch bis Saisonende Bayern-Trainer:

„Ich glaube ja, wenn es nicht völlig den Bach runtergeht. Aber das kann mit der Qualität im Kader nicht passieren, die Mannschaft muss sich nur zusammenreißen. Die Bayern-Bosse würden nur einschreiten, wenn im Frühjahr sogar Platz vier, also die Qualifikation für die Champions League gefährdet wäre.“

Bayern kommt ins Champions-League-Finale:

„Das wäre Weihnachten und Ostern zusammen. Dagegen spricht alles. Es gibt zu starke Konkurrenten, die funktionieren, wie Achtelfinal-Gegner FC Liverpool. Juventus Turin hat mit dem Ronaldo-Transfer eine irre Geschichte versucht, und das läuft. Da ist dann noch der FC Barcelona, der den besten Fußball seit Jahren spielt. Mit den alten Männern von Real Madrid musst du immer rechnen, vor allem im Europapokal. Nicht zu vergessen Manchester City mit Pep Guardiola.“

Erstmals gibt Bayern über 100 Millionen Euro für einen Spieler aus:

„Ganz sicher! Wenn sie den Kader verändern und nicht zum Ausbildungs- und Verkäuferverein werden wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig. Der Markt ist heutzutage so. Der Spieler, den sie für so eine Summe holen, muss sofort funktionieren. Bayern hat im Vergleich zum BVB keine Zeit, junge Talente einfach mal auszuprobieren. Wahrscheinlich sind die 100 Millionen noch knapp gerechnet für einen Spieler, der für Bayern Sinn macht.“

Hoeneß wird 2019 als Bayern-Präsident abgewählt:

„Nein, das ist nicht denkbar. Das würde er auch nicht zulassen, auch der Verein nicht. Und das hätte Hoeneß nicht verdient. Wenn er merkt, dass sich der Wind dreht, würde er zurücktreten. Ich wünsche ihm, dass er die Dinge, die passieren, klar und nüchtern einschätzt. Die letzte Mitgliederversammlung hat ihm deutlich gemacht, dass sich manches ändert, auch in der Wahrnehmung im Verein. Die Frage ist: Will er sich anpassen und mitgehen oder ist das – Zitat Hoeneß – nicht mehr sein FC Bayern?“

Favre stürzt in seiner zweiten Saison mit dem BVB ab:

„Wenn Dortmund im Mai Meister wird und man dann im Jahr darauf Platz zwei als Absturz definiert, dann ja. Aber es ist auch immer die Frage: Wie funktioniert Dortmund und die Gemengelage mit dem Kompetenzteam? Favre ist ein grandioser Ausbilder, einer, der Spieler besser macht und entwickelt. Aber wenn man beim BVB nicht bei Verstand bleibt und die Meisterschaft als einziges Ziel ausrufen sollte, dann gibt’s Probleme.“

Gladbach wird mit Hecking Vize-Meister:

„Denkbar, weil der gute, alte Trainer Dieter Hecking ein guter, neuer Hecking geworden ist. Er hat nicht gesagt: Nur ich weiß, wie es geht, und ihr alle habt euch danach zu richten. Nein, er hat erkannt: Der einzige, der sich hier ändern muss, bin ich. Meinen höchsten Respekt, da ziehe ich den Hut. Wenn die Bayern sie lassen, wird Gladbach Zweiter. Der Kader ist prima, aber kein Meister-Kader.“

Eintracht Frankfurt gewinnt die Europa League:

„Solange die Frankfurter sich ihre Unbekümmertheit und Unbefangenheit erhalten, können sie in Europa alle großen Teams quälen – sogar bis zum Schluss. Für andere Vereine war die Europa League ja oft lästiges Beiwerk. Für den Höhenflug der Eintracht ist Adi Hütter mitverantwortlich, ein super Trainer, ein super Typ.“

Nagelsmann scheitert nach seinem Wechsel bei RB Leipzig:

„Nein! Nagelsmann ist ein richtig guter Trainer und ein zunehmend selbstbewusster Typ. Die Frage wird sein: Wie funktioniert das künftig mit Ralf Rangnick? Passt das zusammen? Wird Rangnick mitreden dürfen, wie viel, wann, wie? Nagelsmann wird das im Vorfeld abgeklopft und besprochen haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zulässt, dass die Details nicht bis ins letzte Jota besprochen wurden.“

Hertha erreicht noch die Champions-League-Plätze:

„Können sie, ja! Dazu müsste Hertha allerdings noch konstanter werden und auch mal Spiele, die nicht so gut sind, unentschieden spielen oder sogar mal 1:0 über die Zeit würgen. Platz vier ist ziemlich offen in dieser Saison, außer die Bayern müssen sich dorthin retten. Dortmund ist über die Maßen erfolgreich, dann kommen Bayern, Gladbach und Frankfurt – wird also schwierig, aber nicht unmöglich.“

Der VfB steigt trotz Trainer Weinzierl ab:

„Die zwei Aufsteiger Düsseldorf und Nürnberg haben es am schwersten – unromantisch, aber das ist so. Die beiden sind chancenlos. Die Stuttgarter dagegen spielten in der Hinrunde unter ihren Möglichkeiten, retten sich mindestens in die Relegation. Mit dem Kader, der eigentlich eine gute Mischung hat, kannst du nicht absteigen – Platz zehn müsste Minimum sein. Auch Hannover ist eigentlich nicht so schlecht, aber jetzt stecken sie im Treibsand des Abstiegskampfes.“

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