Bundesliga

1:3 - Hertha geht mit einer Pleite in die Weihnachtspause

Mit grotesken Gegentoren und einem 1:3 gegen Bayer verabschieden sich die Berliner als Achter in die Winterpause.

Leverkusener Jubel nach dem Treffer zum 1:0

Leverkusener Jubel nach dem Treffer zum 1:0

Foto: dpa/Marius Becker

Die Höchststrafe blieb Hertha erspart. In Leverkusen lief bereits die Nachspielzeit und die Bayer-Fans schmetterten ein siegesgewisses „Jingle Bells“, da tauchte plötzlich Mitchell Weiser vor dem Berliner Tor auf. Ausgerechnet Weiser, der den Hauptstadtklub im Sommer nicht eben in inniger Umarmung verlassen hatte, hätte seinem Ex-Verein nun eine kleine Demütigung verpassen können. Doch er vergab seine Chance. Viel besser machte das Herthas 1:3 (1:2) am Sonnabend zum Abschluss der Hinrunde aber nicht. „Wir haben dem Gegner einen Vorsprung geschenkt“, ärgerte sich Trainer Pal Dardai, „das ist Hammer. Das zweite und das dritte Tor waren unnötig.“

Tatsächlich griffen die Gäste ihrem Gegner mehrfach unter die Arme. Dem frühen 0:1 durch Kevin Volland (6. Minute) ging eine ganze Kette von Fehlern voraus, das 0:2 fiel in die Kategorie Slapstick (23.), und Gegentreffer Nummer drei (49.) resultierte aus einem eklatanten Stellungsfehler. Grotesk. Beide Bayer-Treffer erzielte Jung-Nationalspieler Kai Havertz (19). Hertha-Talent Jordan Torunarigha gelang nur das 1:2 (26.).

„Wir haben in den ersten 15 Minuten sehr naiv verteidigt“, monierte Valentino Lazaro, der inzwischen nicht mehr an Zufall glaubt. „Wenn man sich die letzten paar Spiele anschaut, haben wir immer in den ersten Minuten Gegentreffer bekommen. Denen mussten wir dann oft hinterherlaufen.“ So auch in Leverkusen, wo Vladimir Darida Peter Pekarik ersetzte und sofort mittendrin war – nur leider anders als erhofft. Als sich die Leverkusener nach einem Lattentreffer von Volland (3.) das zweite Mal vors Berliner Tor kombinierten, agierte der Tscheche zu lethargisch. Erst ließ Marvin Plattenhardt Bayers Havertz auf dem rechten Flügel zu viel Platz, dann griff Darida nicht beherzt genug gegen Charles Aranguiz ein. Die Folge: Ein flacher Pass ins Strafraumzentrum, wo Volland trocken einschob (6.). Die Innenverteidiger Torunarigha und Fabian Lustenberger hatten den Stürmer aus den Augen verloren.

Die Leverkusener Führung war alles andere als unverdient. In den ersten 20 Minuten war der Europa-League-Starter, bei dem Trainer Heiko Herrlich trotz des Sieges weiter unter Druck steht, nicht nur wacher, sondern auch ballsicherer und aggressiver. Schlimmer noch: Gerade als die Berliner zur bis dahin vermissten Kompaktheit fanden, bereiteten sie Bayer ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Torunarigha spielte ohne Not einen Rückpass zu Torwart Rune Jarstein, doch der Norweger senste einfach am Ball vorbei. Havertz nahm die Situation dankend an und manövrierte den Ball – halb verdutzt, halb stolpernd – über die Linie (23.). „Die Szene wird wahrscheinlich in jedem Jahresrückblick zu sehen sein“, meinte Manager Michael Preetz. Einen Vorwurf machte dem Keeper aber keiner. „Der Platz war eigentlich gut“, sagte Jarstein, „aber in diesem Moment ist der Ball versprungen.“ Genau so war es.

Zugutehalten musste man den Berlinern, dass sie sich nicht hängen ließen. Kurzes Mundabputzen und Berappeln – schon schlugen die Gäste zurück. Auf eine Plattenhardt-Ecke folgte eine verunglückte Bayer-Abwehr auf den Kopf von Lustenberger, Abstauber Torunarigha – nur noch 1:2 (26.). Für den U21-Nationalspieler, der seinen Vertrag am Freitag bis 2023 verlängert hatte, war es das zweite Saisontor.

Hertha nahm nun ordentlich Fahrt auf, unmittelbar vor der Pause lag der Ausgleich mehrfach in der Luft. Mathew Leckie per Kopf (40.) und den nun aufblühenden Darida (42.) und Ondrej Duda (45.+1, 45.+2) fehlten jedoch die nötige Präzision. „Wir hatten die Chance zurückzukommen“, so Lustenberger, „aber die haben wir nicht genutzt.“

Esswein wird an den VfB Stuttgart verliehen

Kurz nach Wiederanpfiff verletzte sich Leckie und musste raus. Dann kassierte Hertha in Unterzahl das dritte Gegentor. Havertz verwandelte gefühlvoll per Lupfer zum 1:3 (49.) - die Entscheidung. „Jordan darf da nicht rauskommen“, ärgerte sich Dardai, „das ist ein Riesenstellungsfehler.“ Auch Lazaro war bedient: „Das hat etwas mit Fokus und Kommunikation zu tun.“ Ihre Hinrunde wollten sich die Berliner nach dem verkorksten Jahresabschluss aber nicht schlechtreden lassen. „Das war eine ordentliche Serie“, sagte Lustenberger, „nicht mehr und nicht weniger. Aber jetzt sind wir froh, dass wir durchschnaufen können.“ Im neuen Jahr vorerst nicht dabei sein wird Flügelspieler Alexander Esswein. Hertha gab bekannt, den 28-Jährigen, der in dieser Spielzeit keinen Einsatz hatte, an den VfB Stuttgart samt Kaufoption bis Sommer auszuleihen.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.