Bundesliga

Abwehrpatzer gegen Augsburg: Hertha bringt sich um den Sieg

Zwei Treffer, zwei Fehler in der Abwehr: Hertha kommt gegen Augsburg nicht über ein 2:2 hinaus und tritt auf der Stelle.

Augsburgs Ja-Cheol Koo (Mitte) trifft zum 2:2-Ausgleich. Im Vordergrund Herthas Fabian Lustenberger.

Augsburgs Ja-Cheol Koo (Mitte) trifft zum 2:2-Ausgleich. Im Vordergrund Herthas Fabian Lustenberger.

Foto: dpa

Berlin. Das vorbereitete Transparent, das die Mannschaft mit den Wünschen für Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch nach Abpfiff durch das Olympiastadion trug, bekamen nur noch die treuesten Fans mit. Die meisten der 27.939 Zuschauer hatten das Spielende mit einem Pfeifkonzert quittiert und den Heimweg angetreten. Hertha BSC hatte wichtige Punkte gegen den FC Augsburg liegen gelassen. Nach einer schwungvollen ersten und einer schwachen zweiten Hälfte mussten sich die Berliner mit einem 2:2 (2:2) begnügen.

Nach der 1:2-Pleite von Stuttgart hatte Trainer Pal Dardai rotiert. Die Routiniers Vedad Ibisevic, Per Skjelbred und Vladimir Darida blieben auf der Bank. Arne Maier und Ondrej Duda kehrten ins Mittelfeld zurück und Peter Pekarik auf die Position des rechten Verteidigers. Ziel war, die Offensive zu stärken. Davon profitierten vor allem Duda und der wie aufgedreht spielende Valentino Lazaro. Duda spielte Davie Selke frei, der den Ball auf Mathew Leckie weiterleitete, der Australier traf flach unten ins rechte Eck – nach 28 Minuten hatte Hertha den Rückstand, den Augsburg durch Martin Hinteregger erzielt hatte (8.), ausgeglichen.

AC Mailand buhlt um Berlins Valentino Lazaro

Dann belohnten sich Duda und Lazaro für den Aufwand: Lazaro sprintete mit dem Ball durch die FCA-Abwehr, seinen Schuss konnte Torwart Andreas Luthe noch abwehren. Den Abpraller schob Duda ein, 2:1 – Saisontreffer Nummer sieben für Herthas Slowaken.

Man muss sich fragen, wie lange Hertha die Dienste von Lazaro erhalten bleiben. Der österreichische Nationalspieler hatte in den vergangenen Monaten als stürmender Rechtsverteidiger überzeugt. Gegen Augsburg sprühte er vor Spiellaune im offensiven Mittelfeld. Seine Leistungen haben diverse Interessenten auf den Plan gerufen. So weilt derzeit Max Hagmayr, der Berater von Lazaro, in Berlin und spricht über die Zukunft seines Klienten. Zwei Angebote aus England – beide Klubs waren bereit 20 Millionen Euro Ablöse zu zahlen – hat die Lazaro-Seite abgelehnt. Doch nun gibt es einen neuen Interessenten – und zwar einen namhaften. Nach Informationen der Morgenpost soll der AC Mailand an seiner Verpflichtung interessiert sein. Womöglich schon in dieser Wintertransferperiode (bis 31. Januar). Im Raum steht eine Ablösesumme von 20 Millionen Euro plus x.

Hagmayr sagte der Morgenpost: „Solange nichts Konkretes auf dem Tisch liegt, ist alles Spekulation. Aber man weiß nie, wie so etwas ausgeht.“ Im Moment gäbe es „keine konkreten Gespräche“. Lazaro fühle sich wohl in Berlin. „Es ist nicht beabsichtigt, dass Tino im Winter weggeht. Das ist unsere Grundeinstellung.“

Sommertransfer nicht ausgeschlossen

Ein Sommertransfer allerdings ist nicht ausgeschlossen. Der Hertha-Vertrag von Lazaro läuft bis 2021 und hat keine Ausstiegsklausel. Lazaro profitiert von der eher unfreiwillige Umschulung bei Hertha zum Außenverteidiger. Außenverteidiger mit Spielmacher-Qualitäten sind begehrt. Gegen Augsburg musste Hertha jedoch erst einmal seinen Defensivschwächen Tribut zollen. Nach 39 Minuten glich Ja-Cheol Koo zum 2:2 aus. „Das war total unnötig“, sagte Dardai: „Wir waren immer zu spät dran.“

Und wie sind die Pläne von Lazaro? „Tino möchte mit Hertha international spielen. Stand jetzt läuft es ja gut“, so Hagmayr. Doch im Kampf um die internationalen Plätze hat Hertha gegen Augsburg Boden Preis gegeben.

Es könnte sein, dass sich Lazaros Seite erst einmal die Entwicklung in Berlin bis Sommer anschaut, um dann über einen Wechsel zu entscheiden. Verpasst Hertha das internationale Geschäft, wäre Lazaro wohl schwer zu halten. In Mailand könnte er womöglich in der Champions League spielen. Hertha wollte sich auf Nachfrage nicht zu einem möglichen Abgang Lazaros äußern. Der Spieler hingegen schon. Ob er gegen Augsburg vielleicht sein letztes Heimspiel im Olympiastadion gemacht habe? „Das weiß ich nicht“, sagte Lazaro: „Ich habe mich vom ersten Tag an hier sehr wohl gefühlt. Stand jetzt sieht es so aus, dass ich bleibe.“ Ob es tatsächlich so kommt? Zum Jahresabschluss am Sonnabend in Leverkusen ist Lazaro jedenfalls dabei.