Hertha BSC

Dardai wirft seinen Spielern falsche Einstellung vor

Herthas Trainer rätselt über die Niederlage in Stuttgart und hat eine Vermutung: Die Gier, unbedingt gewinnen zu wollen, hat gefehlt.

Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, war verärgert über das 1:2 in Stuttgart. Seine Mannschaft hatte zur Pause noch 1:0 geführt.

Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, war verärgert über das 1:2 in Stuttgart. Seine Mannschaft hatte zur Pause noch 1:0 geführt.

Foto: Daniel Maurer / dpa

Stuttgart.  Wer Herthas Fußballer nach dem 1:2 in Stuttgart sah, der konnte sich kaum vorstellen, dass eine Nacht ausreichen würde, um den Frust über die verpassten drei Punkte zu mildern. Diese Vermutung bestätigte sich am Sonntagmorgen, das verlorene Spiel tat noch immer so weh wie ein dicker Splitter, der sich unter einen Fingernagel geschoben hatte. Die Reservisten trainierten bei eisigem Wetter mit eisigen Minen, auch Trainer Pal Dardai machte sich keine Mühe, seine Unzufriedenheit zu verbergen.

„Diese Niederlage ist schwierig zu erklären, wir sind einfach zu leichtsinnig geworden und bekommen zwei sehr naive Gegentore“ sagte er. Einstellung und Körpersprache hätten nicht gestimmt, monierte Dardai. „Man hat das Gefühl gehabt, wir sind alle sehr zufrieden. Was man da gesehen hat, war nicht diese Gier, ich will unbedingt gewinnen.“

Vielleicht waren Herthas Spieler mit den Gedanken auch schon woanders. Sieben Punkte wollten sie aus den verbleibenden drei Spielen holen, dann hätte sich Dardai als Gönner gezeigt und ein Essen in schickem Rahmen spendiert. Daraus wird nun nichts mehr, die Küche bleibt kalt. Maximal sechs können es in den ausstehenden Spielen am Dienstag gegen Augsburg (20.30 Uhr) und am Sonnabend in Leverkusen (15.30 Uhr) noch werden. Die Leistung in Stuttgart schürt aber die Vermutung, dass dies ein allzu kühnes Unterfangen darstellen könnte. Vor allem die personelle Situation generiert Fragen. Hertha schleppt sich der Winterpause entgegen wie ein Hobbysportler der Ziellinie beim Berlin-Marathon.

Maier und Kalou fehlen auch gegen Augsburg am Dienstag

Kaum eine Woche verging zuletzt, ohne neue Kranken- oder Verletztenmeldungen. Javairo Dilrosun fehlt seit Mitte November, auch die etatmäßige Innenverteidigung um Karim Rekik und Niklas Stark ist seit Wochen nicht mehr gesehen worden. Vor dem Spiel in Stuttgart verletzten sich Salomon Kalou und der gerade erst genesene Marko Grujic. Arne Maier erwischte am Freitag noch ein Infekt, auch er fiel kurzfristig aus. Besserung ist nicht in Sicht, zumal Dardai bestätigte, dass Maier und Kalou auch gegen Augsburg nicht zur Verfügung stehen werden. Für Dilrosun, Rekik, Stark und Grujic ist die Hinrunde ohnehin schon beendet. „Merkwürdig ist, dass es keine Muskelverletzungen sind, sondern alles angeschlagene Spieler. Wir müssen uns besser wehren“, sagt Dardai.

Die personelle Not machte sich in Stuttgart ab der 60. Minute bemerkbar. Hertha war kein Team der Selbstverständlichkeiten mehr, die Mannschaft, die in dieser Besetzung noch nicht auf dem Feld gestanden hatte, zerfiel.

Dardai kritisiert Rückkehrer Darida

Vor allem von der Leistung seiner Mittelfeldspieler zeigte sich Dardai wenig angetan. Per Skjelbred und Vladimir Darida bekamen einige Kritik ab. „Gestern war kein Spieler in der Mitte, der die Sache in die Hand genommen hat“, sagte Dardai. Im Gegenteil. Darida hatte das erste Gegentor mit einem schlampigen Zuspiel eingeleitet. „Ein erfahrener Spieler wie Vladimir Darida, wie er da in der Vorwärtsbewegung einen Pass spielt zu Maxi Mittelstädt, so was sieht man selten, das geht nicht“, ärgerte sich Dardai. Dass Darida und Skjelbred zuvor eine Stunde lang zusammen eine sehr ordentliche Leistung geboten hatten, ging aufgrund der schlimmen Schlussphase unter.

Das Mittelfeld ist in dieser Saison Herthas größter Trumpf und die größte Problemstelle in einem. Im Spätsommer verzückten Ondrej Duda, Maier und Grujic, Berlins magisches Dreieck wurden sie gar genannt in Anlehnung an die einst in Stuttgart spielenden Krassimir Balakov, Fredi Bobic und Giovane Elber. Im Verlauf der Hinrunde zeigte sich aber, dass Herthas Spiel in der Mitte einer Operation am offenen Herzen gleicht, wenn einer oder gar zwei der Genannten unpässlich sind. In Stuttgart fehlten zunächst alle drei, weil der formschwache Duda erst auf der Bank saß. Herthas Spielidee hat sich durch die drei verändert, die Berliner setzen auf mehr Ballbesitz und wissen diesen durch ihre Kreativen besser zu nutzen als in der Vergangenheit. Am Sonnabend kam Hertha in der ersten Halbzeit phasenweise auf bis zu 70 Prozent Ballbesitz, mehr als das eine Tor durch Maximilian Mittelstädt sprang dabei aber nicht heraus.

Darida, Skjelbred oder der zuletzt in der Innenverteidigung aufgebotene Fabian Lustenberger haben andere Stärken als das Positionsspiel, aber auch die konnten sie nicht einbringen. „Wir hatten keine Balleroberungen. Mit klaren Balleroberungen kannst du kontern, das war der Plan, aber das ging nicht“, sagte Dardai.

Gegen Augsburg erwartet er eine bessere Zweikampfführung. „Wir wissen, je länger das Spiel dauert, desto weniger können wir Fußball spielen, weil der Boden schlecht ist im Olympiastadion“, sagt er. Mit der augenblicklichen Besetzung musst das nicht einmal negativ sein.