Hertha BSC

Ondrej Duda und das Warten des Geschenkemachers

Nach einem starken Saisonstart hat Herthas Spielgestalter Ondrej Duda seinen Stammplatz verloren. Das liegt nicht allein an ihm

Ondrej Duda hat in dieser Saison bereits sechs Tore für Hertha erzielt. Das bisher letzte liegt aber anderthalb Monate zurück.

Ondrej Duda hat in dieser Saison bereits sechs Tore für Hertha erzielt. Das bisher letzte liegt aber anderthalb Monate zurück.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Berlin.  Früher, als kleiner Junge, liebte es Ondrej Duda wie jedes Kind, Geschenke zu bekommen. Weihnachten und Geburtstage waren seine liebsten Feste. „Da konnte ich es nie erwarten, bis es so weit war“, sagt er. Das mit den Geschenken hat sich inzwischen geändert. Herthas Mittelfeldspieler legt darauf nicht mehr so großen Wert. Dass die Mitspieler ihn am Mittwoch zum 24. Geburtstag mit Glückwünschen überhäuften, „war schön und absolut genug. Während des Älterwerdens habe ich festgestellt, dass ich viel lieber Geschenke bereite, um anderen eine Freude zu machen“, sagt er.

Mit dieser Einstellung könnte Duda bei jedem Vorstellungsgespräch punkten, sieht seine Stellenbeschreibung als offensiver Gestalter hinter den Stürmern doch vor, die eigenen Stürmer mit Vorlagen zu überhäufen. Geschenke solcher Art hat Duda in diesem Jahr allerdings noch nicht allzu viele verteilt. Nur eine Vorlage steht aus zwölf Bundesliga-Einsätzen zu Buche. Das allein ist aber nicht der Grund, warum er am Sonnabend im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (18.30 Uhr, Sky) sehr wahrscheinlich zum zweiten Mal in Folge nicht in der Startelf stehen wird. Schließlich hat er sich mit sechs Toren schon selbst beschenkt und ist neben Vedad Ibisevic der erfolgreichste Berliner Torschütze dieser Spielzeit. Schwerer wiegt, dass der letzte Treffer schon sechs Wochen zurückliegt und Duda in der Zwischenzeit längst nicht mehr so viel gelungen ist wie am Anfang der Spielzeit, als er über die Grenzen des Olympiageländes hinaus national Beachtung fand.

Gegen Frankfurt plant Dardai mit einer Doppelspitze

Vergangenes Wochenende musste er erstmals wieder auf der Bank Platz nehmen und wurde auch im weiteren Verlauf nicht eingewechselt. „Der Trainer hat mir das sofort erklärt, es hatte mit dem Spielverlauf zu tun. Ich fand sehr gut, dass er gleich mit mir gesprochen hat. In der vergangenen Saison war das nicht immer der Fall, aber nun kann ich die Situation besser einschätzen“, sagt Duda.

Tatsächlich dürfte Trainer Pal Dardai nur von einer kurzen Verweildauer Dudas auf der Bank ausgegangen sein. Bekanntermaßen ist er kein überschwänglicher Anhänger einer Doppelspitze. Und dass Duda zwischenzeitlich so aufblühte, durfte sich der Ungar getrost anrechnen. Ibisevic und Selke machten ihre Sache beim 2:0 in Hannover aber sehr gut, und so verspürt Dardai kaum den Zwang, die erfolgreiche erste Elf personell zu verändern.

Stürmer Selke passt besser zum Gegner

„Von Vedad, Ondrej und Davie wird einer nicht spielen“, sagt Dardai und nennt taktische Gründe. „Die Frage ist nicht, ob wir 4-4-2 spielen, ob mit zwei Spitzen oder mit einer. Es geht um das Anlaufverhalten.“ Gemeint ist das auf die gegnerischen Abwehrspieler. Da hat Selke, der in Hannover an sechs Torschüssen beteiligt war und insgesamt recht auffällig spielte, Vorteile.

Auch die Ausrichtung der Frankfurter spricht eher für den Stürmer. „Es gibt Spiele, in denen wir viel Positionsspiel haben, und es gibt Spiele, wo wir schnell umschalten und auf Konter spielen müssen“, sagt Dardai. Gegen die offensivstarken Frankfurter (bereits 30 Tore, nur der BVB hat öfter getroffen) erwartet er eher Letzteres. Der schnelle und fitte Selke könnte da sehr wirksam sein.

Der 24-Jährige braucht viel Zuspruch

Duda dagegen wirkte zuletzt matt. Bis auf Hannover stand er in allen Pflichtspielen für Hertha (14) auf dem Platz. Dazu kamen die Reisen zur slowakischen Nationalelf. Die hohe Belastung ist der in der Vergangenheit oft verletzte Duda nicht gewöhnt, die temporäre Müdigkeit nicht verwunderlich. „Ich glaube, das war ein körperliches Loch, aber das wird wieder. Diese Woche hat er sehr viele gute Sachen im Training gemacht und hatte eine gute Körpersprache“, sagt Dardai.

Herthas Trainer umtreibt bei der Personalie Duda ein komplexes Problem. Der Spielmacher galt in der Vergangenheit nicht nur als verletzungsanfällig. Auch um seine Psyche war es nicht immer gut bestellt. Erst die regelmäßigen Einsätze gaben ihm Selbstvertrauen. Duda draußen zu lassen, ist daher nicht einfach. Andererseits ist da Davie Selke (23), Herthas Sturmhoffnung und zweitbester Torschütze der Vorsaison.

Hinrunden-Aus für Verteidiger Luckassen

Dardai muss den Angreifer ins Laufen kriegen, ewig wird sich der Ehrgeizling nicht mit der Rolle als Joker abfinden. Nur bietet sich ein Eins-zu-eins-Tausch mit Stürmer Ibisevic nicht an, da der Bosnier konstant trifft. Und das Trio gemeinsam aufzubieten? Würde die Statik viel zu stark ins Offensive kippen lassen. Es wird eine ausbalancierte Elf brauchen – zumal sich mit Derrick Luckassen (Sprunggelenk) ein weiterer Innenverteidiger verletzt hat. Für den Niederländer ist die Hinrunde gelaufen.

Duda hingegen hofft, sein temporäres Formtief bald überwunden zu haben. Durch die Rückkehr des länger verletzten Mittelfeldspielers Marko Grujic verspricht er sich einen positiven Effekt. „Wir haben so eine besondere Chemie. Mit ihm hinter mir fühle ich mich sehr sicher“, sagt Duda. Für den Mann, der lieber gibt, ist Grujics Comeback das größte Geschenk.

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