Bundesliga

Herthas Grujic freut sich auf eine Zeitreise

Hertha trifft am Sonnabend auf Frankfurt. Auf den Serben Grujic wartet dann das Wiedersehen mit einem guten Freund aus Belgrader Tagen.

Herthas Marko Grujic (l.) stoppt den Hoffenheimer Joelinton

Herthas Marko Grujic (l.) stoppt den Hoffenheimer Joelinton

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Vor seiner ersten Trainingseinheit mit der Mannschaft von Roter Stern Belgrad machte sich Marko Grujic (22) über vieles Gedanken, auch über seine Kleidung. Wie würden die Platzhirsche des Profiteams wohl ­reagieren, wenn er, der Jüngling aus dem Nachwuchs, dort allzu auffällig daherkommt? Abgesehen davon, dass er ­ohnehin nichts Auffälliges im Schrank hatte, entschied sich Grujic für die ­dezenteste aller dezenten ­Varianten: Er kam im vereinseigenen Trainings­anzug.

An diesem Tag gab ein weiteres Talent seinen Einstand bei den Männern. Grujic’ Freund, Luka Jovic (20). Grujic war nicht allein, das gab ihm ein gutes Gefühl. Erst recht, als er seinen Kumpel sah. Grelles T-Shirt, knallige Hose, die langen Haare offen. Jovic sah aus wie eine jüngere Version des Rockmusikers Jon Bon Jovi. Spätestens da war Grujic klar, dass er nicht im Mittelpunkt des Interesses seiner neuen Teamkollegen stehen werde.

Grujic und Jovic sind zwei ziemlich unterschiedliche Freunde. Der eine, Grujic, aufgeschlossen, aber mit einem für Fußballer ungewöhnlich geringen Hang zur Selbstdarstellung ausgestattet. Der andere, Jovic, eher extrovertiert, impulsiv, einer der sich nicht scheut, sein Inneres nach außen zu tragen. Wie lange sie jetzt schon ­befreundet sind – Grujic weiß es nicht. „Wir kennen uns seit der Jugend bei Roter Stern. Dort haben wir zusammengespielt bis zu den Männern“, sagt er. Im Sommer 2016 trennten sich ihre Wege. Europa rief.

Der Eintracht-Stürmer führt die Torschützenliste an

Grujic zog es nach England zum achtmaligen Europacup-Sieger FC ­Liverpool, in diesem Spätsommer folgte die Leihe an Hertha BSC. Jovic wurde unter dubiosen Umständen an Apollon Limassol abgegeben, spielte aber nie für die Zyprioten und wurde zum Rekordmeister von Portugal, Benfica Lissabon, weitergereicht, ehe Jovic bei Eintracht Frankfurt aufblühte.

Am Sonnabend treffen die ziemlich unterschiedlichen Freunde im Olympiastadion mit ihren Klubs aufeinander (18.30 Uhr). Grujic freut sich. „Das wird richtig cool, wir sprechen schon seit Tagen über dieses Spiel“, sagt er. Wöchentlich schreiben sich die beiden Nachrichten oder telefonieren. Dann werten sie ihre Spiele vom Wochenende aus oder reden über alltägliche Dinge abseits des Fußballs.

„Luka hat schon angekündigt, dass er gegen uns treffen will. Am Ende werden aber wir gewinnen, hoffe ich“, sagt Grujic. Dass sein Kumpel in Frankfurt mit zehn Toren die Torschützenliste der Bundesliga anführt, mag für viele kaum nahegelegen haben. Grujic überrascht das nicht. „Er war schon immer ein richtiger Torjäger. In den Nachwuchsmannschaften war er stets für 30 Tore pro Saison gut“, sagt der Hertha-Profi.

Deutschland tut beiden Profis gut

Deutschland tut beiden gut. Die Bundesliga ist für sie der ideale Wettbewerb zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Karrieren. „Hier gibt es viele Mannschaften auf ähnlichem Niveau, du musst immer hundert Prozent bringen, um zu gewinnen. Das Spielerische kommt aber nie zu kurz“, sagt Grujic.

Ein Satz, nicht ohne Hintergedanken. Vergangene Saison war er von Liverpool, wo die Konkurrenz im Mittelfeld zu groß war, an Cardiff City ausgeliehen. Zweite englische Liga, so rau wie das Wetter an der walisischen Küste. Obwohl selbst ein robuster Typ, tat Grujic sich schwer. Die vielen hohen Bälle, die ständigen Zweikämpfe in der Luft gingen oft zulasten der fußballerischen Qualität. Grujic konnte auf dieser Station sein Potenzial nicht entfalten. In Berlin ist das anders.

Auch Jovic musste auf seiner ersten Auslandsstation feststellen, dass die Welt außerhalb des gewohnten Belgrader Kosmos ihn nicht immer mit offenen Armen empfängt. Bei Benfica kam er nicht so zum Zuge, wie er sich das gewünscht hatte. Die Umstellung, das Land, die Sprache und die andere Art Fußball zu spielen, erschwerten ihm das Leben. In Frankfurt, wo Trainer Adi Hütter ihm viele Freiheiten lässt und die Mannschaft versucht, schnell vor das gegnerische Tor zu kommen, fühlt er sich wohler. Das liegt auch an den Mitspielern. Mit Mijat ­Gacinovic und Ante Rebic bildet er dort eine serbisch-kroatische Fraktion, die viel zusammen unternimmt.

U20-Weltmeister mit Serbien

Grujic zählt Gacinovic und Rebic ebenso zu seinen Freunden, mit Gacinovic gewann er 2015 die U20-WM für Serbien. „Es ist selten, dass man gegen so viele gute Freunde spielt. Allein deshalb wird das ein besonderes Spiel“, sagt Grujic.

Dann muss er schmunzeln. „Früher auf der Playstation haben wir oft gegeneinander gespielt. Immer mit unterschiedlichen Mannschaften. Manchester, Real, Barcelona, solche Teams“, erzählt er. Dass sie einmal mit Hertha BSC und Eintracht Frankfurt in der Bundesliga aufeinandertreffen werden, das war für beide zu dieser Zeit nicht einmal in der virtuellen Welt der Computerspiele vorstellbar.

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