Bundesliga

Hertha hat die halbe Miete

Hertha hat nach 13 Spielen 20 Punkte, die Hälfte für den Klassenerhalt. Was ist möglich in dieser Saison?

Pal Dardai hat in Hannover sein 150. Spiel als Cheftrainer von Hertha BSC absolviert

Pal Dardai hat in Hannover sein 150. Spiel als Cheftrainer von Hertha BSC absolviert

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Hertha BSC war die Überraschungself des ersten Saisonviertels. Im zweiten Saisonviertel macht nun Eintracht Frankfurt Furore, ungeachtet der 1:2-Niederlage gegen Wolfsburg am Sonntag. Am Sonnabend empfängt Hertha den Pokalsieger aus Frankfurt (18.30 Uhr, Olympiastadion). Die Stimmung beim Hauptstadt-Klub ist nach dem 2:0 in Hannover gut. Zumal Hertha nach fünf Saisonsiegen mit 20 Punkten bis auf einen Zähler an die Europapokalränge herangerückt ist. Damit ist auch die erste wichtige Marke erreicht. 20 Punkte bedeuten die halbe Miete. Weil Hertha die Faustformel „40 Punkte reichen für den Klassenerhalt“ bereits nach 13 Bundesliga-Runden erfüllt hat. Bleibt die Frage: Wohin geht die Reise für die Berliner noch in dieser Saison? Ist die Mannschaft stark genug, auf einem Europa­cup-Platz zu landen? Was sind die Chancen, wo liegen die Risiken?

Chancen: In der Fanszene gibt es manche, die das Gerede von der „Etablierung in der Bundesliga“ nicht mehr hören können. Doch die Wahrheit ist: Hertha gehört, ebenso wie übrigens Frankfurt, zu den zehn, zwölf Bundesligisten, deren erste Pflicht es in jeder Saison ist, möglichst frühzeitig genügend Punkte zu sammeln, um nichts mit der Abstiegszone zu tun zu haben. In der vergangenen Saison etwa haben weder der HSV noch der VfL Wolfsburg damit gerechnet, dauerhaft im Tabellenkeller zu stehen. In dieser Spielzeit wollten Stuttgart und Hannover in Richtung oberes Tabellendrittel durchstarten, stattdessen hängen beide im Tabellenkeller. Deshalb ist es für Hertha ein Erfolg, zu diesem frühen Zeitpunkt bereits 20 Punkte zu haben.

Stabil wie zu Zeiten von Jürgen Röber

Unter Trainer Pal Dardai wiederholt sich etwas, was Hertha seit der Zeit von Jürgen Röber (1996-2002) nicht erlebt hat: Durch die Ränge ­sieben (2016), sechs (2017) und zehn (2018) spielt der Hauptstadt-Klub ­aktuell im vierten Jahr in Folge auf ­sicherem Grund. Allerdings haben sich die Ansprüche entwickelt. Manager Michael Preetz hat auf der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche von der neuen Ausrichtung berichtet, die sich die sportliche Leitung vorgenommen hat: Mit attraktivem Offensivfußball vor allem mehr Zuschauer für die Heimspiele zu locken. Und in der Tat hat das die Mannschaft um Kapitän Vedad Ibisevic in ­diversen Spielen umgesetzt: Ob das 2:0 bei Vizemeister Schalke, das 4:2 gegen Gladbach, das 2:0 gegen Bayern, das 2:2 bei Spitzenreiter Dortmund, das 3:3 gegen Champions-League-Starter Hoffenheim – so viel Spektakel war schon lange nicht mehr bei Hertha.

Risiken: Aber, und da kommen wir zu den Risiken: So ausgeglichen wie die Bundesliga ist, ist es schwer, die exakte Balance zwischen Offensive und Defensive zu halten. Die Zuschauer freuen sich, dass die Bundesliga die torrreichste Liga in Europa ist (verglichen mit England, Spanien und Italien). Doch der Trend zu heftigen Resultaten hat auch Hertha erwischt. Schlechte Form gegen Leipzig - 0:3. Schwacher Tag bei Aufsteiger Düsseldorf - 1:4. Die Folge: Hertha steht fast ausgeglichen da: fünf Siege, fünf Remis, drei Niederlagen bei 21:20 Toren. Wenn die Blau-Weißen nicht in der Mittelmäßigkeit versinken wollen, gilt es, die Schraube mit der Aufschrift „Erfolg“ ein kleines bisschen mehr anzuziehen, ohne die Schraube „Stabilität“ aus den Augen zu verlieren.

Prognose: Die Perspektiven sind so spannend wie seit Jahren in der Bundesliga nicht mehr. Dadurch, dass Branchenprimus FC Bayern schwächelt, gibt es nicht nur ein offenes Rennen um die Meisterschaft, sondern auch um die Plätze dahinter. Die Erkenntnis der bisherigen Hinrunde ist: Ob Hertha, Bremen, Gladbach oder Frankfurt – es gibt viele Teams, die mal einen Lauf haben. Aber eben auch immer mal wieder Durchhänger. Einigermaßen stabil sind Dortmund, Leipzig und Hoffenheim. Hertha liegt einen Zähler hinter Europacup-Rang sechs, die Champions-League-Plätze sind vier Punkte entfernt: Ja, die Konkurrenz ist ausgeprägt – aber noch ist für Hertha alles in Sichtweite.

Hertha hat Planungssicherheit

Ohnehin ist jetzt schon klar, dass der bisherige Verlauf die Aussichten für die Saison 2019/20 verbessert. Manager Michael Preetz wird schon in diesem Winter auf potenzielle Neulinge für den kommenden Sommer zugehen können: „Bei uns in Berlin entsteht etwas. Wir werden aller Voraussicht nach auch kommende Saison erstklassig sein: Können wir dich für das Projekt Hertha BSC gewinnen?“

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