Fußball

Erlösung hoch zwei für Hertha BSC

Abwehrspieler Jordan Torunarigha und Hertha BSC beenden beim 2:0 gegen Hannover 96 gleich mehrere Durststrecken.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Hannover.  Stürmer Davie Selke sagte es frei heraus: „Nach sechs Spielen ohne Sieg war das richtig wichtig.“ Mit einem 2:0 (1:0) bei Hannover 96 beendete Hertha BSC am Sonnabend seine Durststrecke und holte den fünften Saisonsieg. Nachdem die Mannschaft zudem zehn Gegentore in den vergangenen drei Partien kassiert hatte, waren alle froh, dass Torwart Rune Jarstein diesmal ohne Gegentor blieb. Der entscheidende Mann war Innenverteidiger Jordan Torunarigha. Er spielte defensiv stark, erzielte den Führungstreffer (44. Minute) und bereitet das 2:0 für Vedad Ibisevic vor (73.).

Grujic scheitert nur knapp

Dabei hatten die Berliner Profis das erste Tor des Spiels so gelegt, dass die Fans ihren Stimmungsboykott weitgehend befolgen konnten. Es lief die 44. Minute, als Valentino Lazaro einen Eckball in den Hannoveraner Strafraum trat, Torunarigha köpfte den Ball ins lange Eck, 1:0. Die bis dahin weitgehend schweigenden Anhänger im Gästeblock jubelten kurz. Und als Schiedsrichter Felix Brych wenig später die erste Hälfte beendete, feierten die Fans im Gäste-Block lautstark. Wegen des Protestes gegen die Montagsansetzungen der Deutschen Fußball-Liga hatten sich die Fans bundesweit auf eine stille erste Halbzeit geeinigt.

Die fehlende Stimmung führte im ersten Durchgang über weite Strecken zu fehlender Qualität auf dem Platz. Beide Teams überboten sich mit unpräzisen Zuspielen. Die wenigen Chancen sind rasch erzählt: Die erste erarbeitete sich Marko Grujic. Der marschierte von der Mittellinie bis zum Strafraum, sein Schuss rauschte knapp am linken 96-Pfosten vorbei (9.). Auf der Gegenseite merkte man den Hausherren den bisher unbefriedigenden Saisonverlauf an. Es gab zahlreiche Missverständnisse. Über weite Strecke war es bis zur Pause eine enttäuschende Leistung beider Mannschaften. „Die Verunsicherung bei uns war groß, das war die schwächste erste Halbzeit, seitdem ich hier Trainer bin“, sagte hinterher 96-Trainer Andre Breitenreiter.

Stürmer Ibisevic trifft in seinem 300. Bundesligaspiel

Nach der Pause profitierte Hertha dann von seinen vielen Offensivkräften. Mit Ibisevic und Selke standen zwei Stürmer in der Startelf, dazu sorgten Salomon Kalou und Mathew Leckie für Schwung. Doch es war seltsam: Die Gäste kamen zu so vielen Kontergelegenheiten wie noch nie in diesem Spieljahr – und ließen sie reihenweise ungenutzt verstreichen. Einmal flankte Leckie in den Rücken aller mitgelaufenen Sturmkollegen. Dann unterliefen Kalou ungewohnt viele Abspielfehler. Und als der Ball endlich im Hannoveraner Tor lag – Ibisevic hatte getroffen – wedelte der Schiedsrichterassistent mit der Fahne: Selke hatte zuvor im Abseits gestanden – eine korrekte Entscheidung.

Wenn es aus dem Spiel heraus nicht geht, bleiben immer noch Standardsituationen. Hannover köpfte eine Hertha-Ecke aus dem eigenen Strafraum, Fabian Lustenberger sah, dass Torunarigha sich auf der linken Seite anbot. Der Innenverteidiger zeigte, dass er auch präzise flanken kann, Ibisevic köpfte ein, 2:0. Damit war die Partie entschieden. Ibisevic bestätigte im 300. Bundesliga-Spiel mit seinem sechsten Saisontor seine gute Verfassung. Und Torunarigha liegt Hannover. Bereits in der vergangenen Saison hatte er gegen 96 getroffen.

Dardai: „Mir hat die letzte Konsequenz gefehlt“

„Fabian Lustenberger und Jordan haben das hinten sehr gut gemacht“, lobte Valentino Lazaro die Kollegen. Die beiden Innenverteidiger harmonierten deutlich besser als das Duo Derrick Luckassen/Lustenberger in der Vorwoche (3:3 gegen Hoffenheim). Luckassen musste diesmal zuschauen. Torunarigha hatte das 1:4 in Düsseldorf, als er einen rabenschwarzen Tag erwischte, noch im Hinterkopf. „Ich wusste, dass ich nach Düsseldorf eine Reaktion zeigen musste. Deshalb habe ich im Training richtig Gas gegeben“, sagte er.

Am Ende hatte Hertha Glück, als Jarstein gegen Hendrik Weydandt rettete und der Nachschuss von 96-Torjäger Niclas Füllkrug abgeblockt wurde (83.). Doch im Anschluss spielte Hertha die verbleibende Spielzeit sicher herunter.

Trainer Pal Dardai sagte: „Wir wollten unbedingt gewinnen. In der ersten Hälfte hat mir noch die letzte Konsequenz gefehlt. Das erste Tor von Jordan war ein Dosenöffner. Danach habe ich vermisst, dass wir schneller das zweite Tor machen. Aber obwohl es etwas gedauert hat, hat die Mannschaft nicht aufgegeben. Ich bin sehr zufrieden.“ Unter dem Strich wirkte Hannover außer Form. Am kommenden Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt wird Hertha mehr zeigen müssen, um erneut drei Punkte einzufahren (18.30 Uhr, Olympiastadion).

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.