Bundesliga

Dardai rotiert Torunarigha in die Startelf

Hertha BSC kassierte zu viele Gegentore. Gegen Hannover 96 soll es der U-21-Nationalspieler Torunarigha richten.

Foto: Moritz MŸller / imago/Moritz Müller

Berlin.  Neulich hat Pal Dardai (42) einige Nachrichten von ungarischen Freunden erhalten, die sich alle ähnelten. Kurz war die Frage, dessen Inhalt sich auf wenige Worte reduzieren lässt. „Was ist denn los bei euch?“, wollten alte Weggefährten wissen. Dardai ­sparte sich eine ausführliche Antwort, schließlich war die Frage so knapp nicht zu beantworten. Vermutlich hätte sich Dardai auch verloren beim Aufzählen aller Missstände, die Herthas Abwehrverhalten gerade prägen.

Zehn Gegentore in den vergangenen drei Spielen haben über Berlin ­hinaus Fragen aufgeworfen vor dem Spiel am Sonnabend bei Hannover 96 (15.30 Uhr). Hertha verteidigt in dieser Spielzeit längst nicht mehr so effektiv wie in den vergangenen Jahren.

Rekik fällt für Hannover aus

Das bereitet nicht nur dem Trainerteam Sorgen. „Das ist ein Thema für die Mannschaft. Wir müssen die Balance finden zwischen offensiver Bereitschaft und defensiver Stabilität“, sagt Manager Michael Preetz. Dardai fordert Gier und Willen: „Defensivarbeit ist Disziplin und Konzentration. Man muss die Dinge einfach sagen und ­machen.“ Was sich einfach anhört, ­gestaltet sich derzeit etwas komplizierter beim Berliner Bundesligisten.

Kein Mannschaftsteil ist in dieser Spielzeit so von Verletzungen gebeutelt wie die Abwehr. Eigentlich verfügt Hertha dort in Person von Karim Rekik und Niklas Stark über ein formidables Duo, das getrost zur erweiterten Spitze der Bundesliga gezählt werden darf. Nur standen beide in dieser Saison zusammen deutlich seltener auf dem Platz als erhofft. Rekik verletzte sich früh, hatte danach immer wieder mit kleineren Problemen zu kämpfen und verpasste zuletzt das Spiel gegen Hoffenheim (3:3), wo seine Übersicht und Zweikampfstärke deutlich vermisst wurden. Auch gegen Hannover wird er fehlen. Wie viele Spiele der Niederländer bis Weihnachten bestreiten kann, ist ungewiss, auch wenn er jüngst signalisierte, bald wieder einsatzfähig zu sein.

Hertha lässt die meisten Torschüsse zu

Eindeutiger ist die Situation bei Stark, der aufgrund einer Fußverletzung in diesem Kalenderjahr nicht mehr zur Verfügung steht. Jordan Torunarigha, der dritte Hochbegabte aus der hinteren Reihe fehlte zwei Monate wegen Achillessehnenproblemen. So musste Fabian Lustenberger viel öfter den Innenverteidiger geben, als es Dardai lieb sein konnte. Gegen Hoffenheim bildete der Schweizer gemeinsam mit Derrick Luckassen die Innenverteidigung. Die Abstimmungsprobleme zwischen beiden waren unübersehbar. „Wenn Gegentore fallen, suchen wir den Fehler nicht bei einzelnen Spielern. Es gibt immer mehrere Faktoren. Wir müssen wieder dahin kommen, in der Verteidigung die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Dardai.

Zahlen belegen, dass Herthas Misere viel mit der Defensive zu tun hat. Während die Berliner nach Kontern, also wenn das ganze Team verteidigt, kaum Gegentore bekommen (ein Gegentreffer, Platz zwei im Ligavergleich), lässt kein Erstligist mehr Torschüsse im eigenen Strafraum zu, dort, wo der Kompetenzbereich der Verteidiger ist.

Lob für Torunarigha

In dieser Kategorie ist Hertha Letzter, das gleiche gilt für Torschüsse insgesamt. Gegnerische Stürmer können sich gegen den Hauptstadt-Klub aus­toben, sie kommen gegen Hertha auf 85 Torschüsse. Nur Hoffenheim lässt in dieser Hinsicht noch mehr zu.

Trotz weniger Alternativen will Dardai in Hannover personelle Änderungen vornehmen. Statt Luckassen soll Linksfuß Torunarigha erstmalig nach seiner langen Verletzungspause von Beginn an spielen. „Jordan hat diese Woche einen stabilen Eindruck gemacht. Ich mag das, wenn halblinks ein Linksfuß spielt und halbrechts ein Rechtsfuß. Dann gibt es keine Rhythmuswechsel“, sagt Dardai, der es schätzt, wenn seine Innenverteidiger sich zur Spieleröffnung nicht erst den Ball auf den richtigen Fuß legen müssen. Die Stellungs- und Konzentrationsfehler, die sich U21-Nationalspieler Torunarigha bei seinem Comeback in Düsseldorf (1:4) leistete, sind laut Dardai vergessen: „Das wird nicht mehr passieren.“

Ibisevic bestreitet 300. Bundesligaspiel

In Hannover wollen die Berliner ihr Heil in der so gut funktionierenden Offensive suchen. Dardai spielt mit dem Gedanken, Davie Selke als zweite Spitze neben den derzeit treffsicheren Kapitän Vedad Ibisevic (fünf Saisontore) zu stellen. „Wir haben so trainiert, am Ende entscheide ich das aus dem Bauch heraus“, sagt Dardai. Selke bringt stets viel Schwung ins Berliner Spiel.

Gegen Hoffenheim trug er maßgeblich zum Gelingen der Aufholjagd bei. Ibisevic steht am Sonnabend vor seinem 300. Bundesliga-Spiel. Auch Mathew Leckie ist nach einem Infekt wieder einsatzbereit, genau wie ­Maximilian Mittelstädt nach abgelaufener Sperre. An Alternativen mangelt es Dardai nicht. Abgesehen von der ­Innenverteidigung, also dort, wo die Not am größten ist.

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