Mitgliederversammlung

Gemischte Gefühle in der Hertha-Familie

Herthas Mitgliederversammlung wird vom gespannten Verhältnis zwischen Klubführung und Fans geprägt. Manager Preetz gesteht Fehler ein.

Foto: Jürgen Engler

Berlin.  Erstmals seit Jahren führte Werner Gegenbauer nicht durch die Mitgliederversammlung unterm Funkturm. Der Präsident von Hertha BSC hatte sich kurzfristig entschuldigt, er befand sich auf dem Weg zu seiner Tochter und sieht Enkelfreuden entgegen.

Aufsichtsratschef Klein verteidigt Millionen-Anleihe

Präsidiumsmitglied Fabian Drescher erinnerte an acht Mitglieder jüdischen Glaubens, die in der Zeit des Dritten Reiches bei Hertha ausgeschlossen worden waren: „Es ist mir eine Ehre zu verkünden, dass das Präsidium sämtliche Vereinsausschlüsse, die aus rassischen Gründen erfolgten, aufgehoben hat.“ Als Herthaner des Jahres wurde das Projekt „Aus der eigenen Geschichte lernen“ gekürt. Die Gruppe, aus 25 Personen bestehend, war für ihre jahrelange Arbeit in der vergangenen Woche vom Deutschen Fußball-Bund mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet worden. „Wir wollen mit dieser Auszeichnung ein weiteres Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus setzen“, sagte Aufsichtsrat Bernd Schiphorst.

Torsten-Jörn Klein, der neue Vorsitzende des Aufsichtsrates, lobte den Abschluss der 40-Millionen-Euro-Anleihe, die im November am Kapitalmarkt platziert wurde. „Manche Leute, haben kritisiert, jetzt macht Hertha wieder Schulden. Ich meine: Die Anleihe macht total Sinn. Der Wert des Unternehmens Hertha BSC ist gestiegen. Hinter der Entscheidung steht wirtschaftlicher Sachverstand.“ Klein begründete die einstimmige Zustimmung zur Vertragsverlängerung mit Geschäftsführer Michael Preetz bis 2022. „Nach der hervorragenden Arbeit der vergangenen Jahre von Michael Preetz war die Verlängerung ein logischer Schritt“, sagte Klein.

Der Manager fordert vom Team eine bessere Balance

Ausdrücklich begrüßte der Aufsichtsratschef den nach fast zweijähriger Pause wieder aufgenommenen Dialog zwischen der Geschäftsleitung und der aktiven Fanszene. Klein sagte: „Wir sind eine Familie, da muss man miteinander reden. Es ist wichtig zuzuhören und aufeinander zuzugehen. Was das bewirkt, haben wir am Samstag mit der Unterstützung im Stadion und dem späten Ausgleich gegen Hoffenheim gesehen. Nur als Einheit sind wir stark.“

Manager Michael Preetz lobte den guten Start der Mannschaft in die Saison trotz anspruchsvoller Gegner. Die aktuelle Situation mit sechs Spielen ohne Sieg bezeichnete Preetz als „schwierige Phase. Die Niederlagen gegen Leipzig und Düsseldorf waren herbe Dämpfer. Und zehn Gegentore in den letzten drei Spielen sind eindeutig zu viel.“

Preetz beschrieb die Herausforderung für Trainer Pal Dardai in den verbleibenden fünf Bundesligapartien bis Weihnachten: „Wir müssen daran arbeiten, den Spagat zwischen mitreißendem Offensivfußball und defensiver Balance hinzubekommen.“

Preetz: „Haben Hymnen-Fehler umgehend korrigiert“

Preetz verwies darauf, dass Hertha einiges tut, um die Verankerung in der Stadt zu verbessern. Stichwort Kieztraining, das Hertha im Herbst wieder veranstaltet hat. Selbstkritisch äußerte sich Preetz über den Eklat um die Hymne „Nur nach Hause“ von Frank Zander im ersten Saisonspiel gegen Nürnberg. „Wir haben die Hymne im Ablauf nach vorne gezogen. Wir haben uns relativ schnell die Frage gestellt, ob das die richtige Entscheidung war.“ Gelächter im Publikum. Preetz sagte unumwunden: „Das war ein Fehler, den wir umgehend korrigiert haben.“

Zu den Vorfällen im Hertha-Block von Dortmund wiederholte Preetz seine Meinung: „Wichtig ist: Selbst ein als unverhältnismäßig erachteter Polizeieinsatz darf keine Rechtfertigung für Gewalt sein.“ Zugleich begrüßte er, dass der Dialog mit den Ultras wieder aufgenommen worden ist. „Auf beiden Seiten sind Fehler gemacht worden. Es ist unser Wunsch, die Themen aufzuarbeiten und gute Lösungen zu finden.“

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