Bundesliga

Darum ist das 3:3 gegen Hoffenheim ein Wendepunkt für Hertha

Sechs Liga-Spiele ist Hertha ohne Sieg, doch das 3:3 gegen Hoffenheim wirkt für die Berliner wie eine Befreiung aus der Herbstkrise.

Foto: pa

Berlin. Als Retter des Hertha-Friedens spürte Valentino Lazaro den Berliner Glücksrausch hautnah. «Dafür habe ich ihm einen Knutscher gegeben, und er hat sich eine gefangen», verriet Teamkollege Davie Selke nach dem wilden 3:3 (1:2) gegen 1899 Hoffenheim, bei dem Lazaros später Kracher die Hertha vor einer fast schon sicheren Niederlage bewahrt hatte. «Ich bin sehr stolz, dass wir uns gemeinsam noch einmal so rausgezogen haben», schwärmte der 22 Jahre alte Österreicher. Das Sechs-Tore-Spektakel im Olympiastadion wirkt für die Hausherren rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung am Montag als dringend benötigter Stimmungsaufheller.

Auch wenn die Hertha seit dem furiosen Sieg gegen die Bayern Ende September nun schon sechs Spiele in der Fußball-Bundesliga nicht mehr gewonnen hat, war die Laune der Anhänger bei den Weihnachtsfeiern der Fanclubs am Samstagabend deutlich vergnügter als zuletzt. «Dieses Spiel kann ein Wendepunkt sein», sagte Torjäger Salomon Kalou.

Verhältnis zu den Fans wieder entspannter

Damit meinte der 33-Jährige nicht nur die spielerische Steigerung der Berliner, die im Chancenwirbel gegen Hoffenheim mit 23 Torschüssen eine Bestmarke in der Amtszeit von Trainer Pal Dardai aufstellten. Auch das schwierige Verhältnis zu den Fans ist seit dem Actionkrimi vom Samstag wohl wieder etwas entspannter. Nach der Aufhebung des Verbots von Bannern, das der Club wegen der massiven Ausschreitungen von Hertha-Anhängern in Dortmund verhängt hatte, bebte die Ostkurve wieder - und trug das Team zur Aufholjagd.

«Wir haben die Power gespürt», versicherte Angreifer Selke, dessen Einwechslung die Schluss-Offensive der Gastgeber beflügelt hatte. «Die Moral der Mannschaft stimmt, das können wir mitnehmen für die nächsten Wochen. Der Punkt war wichtig fürs gute Gefühl», stellte Ersatz-Abwehrchef Fabian Lustenberger nach seinem 200. Bundesliga-Spiel fest.

Kritik und Lob von Trainer Pal Dardai

Coach Dardai zollte seiner Mannschaft ebenfalls Respekt für ihre Willensleistung, bemängelte aber auch die «Chaosmomente» in der Defensive. Nach nur 44 Sekunden und einem kapitalen Fehlpass von Hoffnungsträger Marko Grujic bei seinem Comeback nach neun Wochen Zwangspause lagen die Berliner durch Kerem Demirbays Tor hinten.

Auch beim 2:0 von Andrej Kramaric (10.) und dem scheinbar vorentscheidenden 3:1 von Ermin Bicakcic (55.) war die Hertha-Abwehr indisponiert. «Die ersten zwei Tore, da haben wir den Nikolaus vorgezogen und Geschenke verteilt», spottete Dardai.

Doch seine Mannschaft kam voller Elan und Offensivgeist zurück. Vedad Ibisevic (13.), der bärenstarke Mathew Leckie (71.) und schließlich Lazaro (87.) belohnten die Berliner. «Wir haben an uns geglaubt, jeder einzelne hat gezeigt, was er kann, und für den anderen gekämpft», lobte Außenverteidiger Marvin Plattenhardt und verlangte eine Wiederholung in den kommenden Wochen.

Trainer Dardai indes ist noch nicht wieder in der Wohlfühlzone. «Immer nur unentschieden, unentschieden, unentschieden, das ist zuviel. Jetzt müssen wir endlich einen Dreier nehmen», mahnte der Ungar beim Blick auf die Tabelle, in der die Hertha immer tiefer im Mittelfeld zu versinken droht. Schon in Hannover am nächsten Samstag wird sich zeigen, wie belastbar der zarte Aufschwung der Berliner ist.

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