Bundesliga

Hertha bremst Hoffenheim: Lazaro-Kracher rettet 3:3

Hertha liegt zweimal mit zwei Toren gegen Hoffenheim hinten und kommt dank Valentino Lazaro doch noch zum Remis.

Fabian Lustenberger beglückwünscht Valentino Lazaro (r.), der Herthas dritte Niederlage in Folge mit einem Traumtor verhinderte.

Fabian Lustenberger beglückwünscht Valentino Lazaro (r.), der Herthas dritte Niederlage in Folge mit einem Traumtor verhinderte.

Foto: Eberhard Thonfeld/camera

Berlin. Am Ende standen sich beide gegenüber und bedankten sich beieinander. Die Ostkurve feierte die Mannschaft, die Profis von Hertha BSC applaudierten den Fans für ihre lautstarke Unterstützung. In einem Fußball-Spektakel vor 44.508 Zuschauern im Olympiastadion trennten sich die Berliner von der TSG Hoffenheim mit 3:3 (1:2). Einerseits wartet Hertha nun schon seit sechs Spielen auf einen Sieg. Andererseits fühlt sich das fünfte Saisonremis wie ein Sieg an, weil Hertha zweimal mit zwei Toren zurückgelegen hatte.

In einer Partie, die sich wie ein Western anfühlte – ständig wurde scharf geschossen – hatten sich die Hausherren die letzte Patrone bis kurz vor Schluss aufgehoben. Es war Valentino Lazaro, der sah, wie der Ball nach einer Ecke aus dem Hoffenheimer Strafraum rollte. Der Österreicher jagte den Ball aus 23 Metern wie ein Geschoss hoch ins linke Eck. Es war der vielumjubelte Treffer zum 3:3 in der 87. Minute. „Letztlich sind wir mit dem Punkt zufrieden“, sagte Marvin Plattenhardt. „Der Start war bitter. Aber danach hat jeder Spieler gezeigt, was er kann.“

In der Tat, bis gefeiert werden durfte, war es ein langer Weg. Hertha erwischte einen Albtraum-Start. Marko Grujic, nach einer Verletzung erstmals seit zwei Monaten wieder in der Startelf, leistete sich im eigenen Strafraum einen Fehlpass, Sekunden später lag der Ball im Tor der Berliner – Hoffenheims Kerem Demirbay traf nach 41 Sekunden, 0:1.

Dann der nächste Rückschlag: TSG-Torwart Oliver Baumann mit einer Torvorlage über 80 Meter. Der Ball flog, Herthas Innenverteidiger Derrick Luckassen schaute Kollege Fabian Lustenberger an, und der schaute zurück – derweil Andrej Kramaric Tempo aufnahm und den Ball im Berliner Tor unterbrachte, 0:2 (10.). Da machte sich bitter bemerkbar, dass mit den verletzten Niklas Stark und Karim Rekik Herthas etatmäßiges Abwehrzentrum fehlte. Erste Pfiffe waren zu hören. „Die zwei Tore, das war wie vorgezogener Nikolaus. Solche Tore kann man in der Bundesliga nicht kassieren“, kritisierte Hertha-Trainer Pal Dardai.

Ibisevic steht wieder einmal genau am richtigen Platz

Nach den Wochen der Verunsicherung war es allerdings beeindruckend, was die Hausherren an Willen und Mentalität in die Waagschale warfen. Gleich mit dem nächsten Angriff drehten die Hausherren den aufkommenden Unmut in Unterstützung. Auf der linken Seite setzte sich Mathew Leckie durch und bediente Ondrej Duda. Den Schuss des Slowaken parierte TSG-Torwart Oliver Baumann, dafür wuchtete Vedad Ibisevic den Abpraller umso energisch ins Netz, 1:2 – Hertha war wieder im Spiel (13.).

Ein historischer Treffer: Es war das 33. Tor im blauweißen Trikot für Ibisevic. Der Hertha-Kapitän ist damit der erste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der nun für drei verschiedene Klubs mindestens 33 Mal getroffen (zuvor 43 Mal für Hoffenheim und 33 Mal für Stuttgart).

Statt Mittelfeld-Geplänkel lieferten sich beide Teams ein Shoot-out. Plattenhardt verhinderte mit einer Rettungsaktion auf der Linie ein weiteres Hoffenheimer Tor (27.). Auf der anderen Seite hatte der wie aufgedreht spielende Leckie nach Vorarbeit von Grujic den Ausgleich auf den Fuß – verfehlte das Hoffenheimer Tor aber um Zentimeter (35.).

Nach der Pause leistete sich Hertha den nächsten Abwehrschnitzer. Bei einem Freistoß der Gäste fühlte sich niemand für Ermin Bicakcic zuständig, der Hoffenheimer köpfte ungehindert, 1:3 (55.). War dies nun die Entscheidung? Noch lange nicht. Allein Ibisevic ließ diverse Chancen liegen (62., 64.). Es war der eingewechselte Ex-Hoffenheimer Davie Selke, der die Hoffnungen wieder beflügelte. Der Stürmer setzte sich auf der rechten Seite gegen den ehemaligen Herthaner Nico Schulz durch, seine Flanke erreichte Leckie, der aus vier Metern traf. Es stand nur noch 2:3 (71.).

So viel Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann an der Seite seine Mannschaft auch anfeuerte, die Gäste wankten. Für Hertha hatten Salomon Kalou (78.) und Ibisevic Gelegenheiten auf dem Fuß, beide verfehlten das Gehäuse knapp.

Luckassen hatte den Auftrag, den Ball zurückzuspielen

Vor dem letzten Eckball rief Lazaro Luckassen zu, er solle ihm den Ball zurückspielen. Luckassen entschied sich aber dafür den Weg freizumachen, als Lazaro herangerauscht kam und den Ball zum 3:3-Endstand versenkte.

Hoffenheims Trainer Nagelsmann war angetan von Hertha: „Aufgrund des Spielverlaufs könnte man meinen, dass wir uns den Punkt verdient haben. Aber ich fand, Berlin war heute einen Tick besser.“ Sein Kollege Dardai haderte mit den Gegentoren, aber „was die Mannschaft nach dem 0:2 an Moral gezeigt hat, wie sie gespielt hat, dafür Respekt“. Am kommenden Sonnabend geht es zu Hannover 96.

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