BUNDESLIGA

Michael Preetz überholt Dieter Hoeneß

Hertha BSC setzt auf Kontinuität und verlängert den auslaufenden Vertrag mit dem Manager bis Juni 2022

Michael Preetz steht seit 1996 in den Diensten von Hertha BSC, seit 2009 als Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation

Michael Preetz steht seit 1996 in den Diensten von Hertha BSC, seit 2009 als Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  Die offene Stadion-Frage, das angespannte Verhältnis zu den Fans, die Kritik am Kommerz im Profifußball – das Hertha-Schiff fährt in unruhigen Gewässern. Ob es am Montag um diese oder andere Themen geht auf der Mitgliederversammlung des Berliner Bundesligisten: Michael Preetz (51) tritt in der Messehalle 18 mit einem robusten Mandat versehen vor die Mitglieder. Aufsichtsrat und Präsidium von Hertha BSC haben einstimmig den bis Juni 2019 laufenden Vertrag mit Preetz als Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation „um mindestens drei Jahre“ bis 2022 verlängert. Im Anschluss gibt es die Option für eine ­weitere Zusammenarbeit.

Preetz kann also selbstbewusst auftreten. Mit dem neuen Arbeitspapier wird der Manager seinen Vorgänger überholen. Dieter Hoeneß war von April 1997 bis Juni 2009 gut zwölf Jahre im Amt. Preetz wird am ­Ende der Laufzeit mehr als 13 Jahre amtieren (siehe Infokasten).

Nur Eberl, Völler und Zorc länger im Amt

Damit setzt Hertha-Präsident Werner Gegenbauer auf einen Wert, der ihm im hektischen Profigeschäft wichtig ist: Beständigkeit. „Somit kann die positive Entwicklung der ­vergangenen Jahre von Hertha BSC mit Kontinuität ­fortgeführt werden“, betonte der Unternehmer.

Im Ligavergleich ist Preetz nun der Manager mit der viertlängsten Dienstzeit: Max Eberl wirkt seit 2008 als Sportdirektor in Gladbach, Rudi Völler seit 2005 in Leverkusen und Michael Zorc seit 2005 in Dortmund. „Hertha ist mein Verein. Hier habe ich in 22 Jahren alle Höhen und Tiefen erlebt“, freute sich Preetz, der auch Berlins Bundesliga-Rekordtorjäger (84 Tore) ist.

Wie hat sich Hertha unter Preetz entwickelt?

Bei der Frage, wie sich Hertha unter Preetz entwickelt hat, lautet die Antwort: kommt auf die Perspektive an. Seit Längerem strebt Hertha an, national zu den Top-6-Klubs aufzuschließen. Das wäre gleichbedeutend mit regelmäßigen Europacup-Teilnahmen.

Anfänglich, nach den Abstiegen 2010 und 2012 in die Zweite Liga, hatte Hertha Mühe, überhaupt unter den 16 Klubs zu landen, die regelmäßig Bundesliga spielen. Das hat sich seit dem Einstieg von Finanzinvestor KKR 2014 geändert. Die sportliche Stabilität unter Trainer Pal Dardai führte zu wirtschaftlicher Erholung. In der TV-Tabelle – eine wichtige Einnahmequelle aller Bundesligisten – ist Hertha mittlerweile auf Rang acht geklettert.

Hertha wird zum Ausbildungsverein

Dabei beschreiten die Berliner den Weg, durchaus anerkennend von der Liga-Konkurrenz begleitet, vielversprechende Talente an den Profifußball heranzuführen und dann zu verkaufen. So geschehen bei John Brooks, der nach zehn Jahren bei Hertha für 18 Millionen Euro Ablöse an den VfL Wolfsburg veräußert wurde. Zudem hat sich Hertha in der Zusammenarbeit Preetz/Dardai als eine gute Adresse etabliert, jungen Profis beim zweiten Karriere-Schritt zu helfen. So geschehen bei Mitchell Weiser, der nach Lehrjahren beim FC Bayern in Berlin zum Stammspieler wurde - und im Sommer für zwölf Millionen nach Leverkusen verkauft wurde.

Dieser Weg hat sich herumgesprochen. Deshalb gelang es Preetz, vielversprechende Youngster wie Davie Selke, Valentino Lazaro oder Javairo Dilrosun nach Berlin zu holen. „In den vergangenen Jahren haben wir es geschafft, einen sportlich und wirtschaftlich erfolgreichen Weg einzuschlagen“, sagt Michael Preetz. „Aber als Hauptstadtklub muss es unser Anspruch sein, diese Entwicklung fortzuführen.“

RB Leipzig hat Hertha überholt

Zur Wahrheit gehört aber auch: National gehört Hertha nach wie vor nicht zu den deutschen Topklubs, mit RB Leipzig wurden die Berliner zudem von einem Klub überholt, der finanziell in ganz anderen Dimensionen agiert.

Vor Michael Preetz liegen nun wichtige Aufgaben. Sportlich gilt es den Trainer zu unterstützen, den Durchhänger von zuletzt fünf Spielen ohne Sieg zu beenden. Der nächste Gegner am Sonnabend im Olympiastadion, die TSG Hoffenheim, ist ein anspruchsvoller (15.30 Uhr).

Stadion, Fanfrage: Hertha steht vor wichtigen Aufgaben

Für das große übergeordnete Vorhaben, den Bau einer eigenen Arena, brauchen die Hertha-Verantwortlichen für ihren Weg die Unterstützung von Fans und Mitgliedern. Nach den Dissonanzen der letzten Monate braucht es da noch einige Überzeugungskraft, unter anderem von Preetz.

Hertha benötigt die interne Geschlossenheit, um gegenüber dem Abgeordnetenhaus überzeugend auftreten zu können. Weil Hertha auch in der Berliner Politik noch diverse Skeptiker überzeugen muss, um die Zustimmung zu erhalten, die ersehnte Arena im Olympiapark bauen zu dürfen.

Hertha-Manager seit 1986

Michael Preetz ­seit 11. Juni 2009

Dieter Hoeneß seit April 1997 bis Juni 2009

Carl-Heinz Rühl seit August 1995 bis April 1997

Wolfgang Levin seit Juli 1991 bis Juni 1995

Reinhard Roder seit Juli 1990 bis Dezember 1991

Horst Wolter seit 1986 bis April 1990

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