Rückkehr

Grujic ist bei Hertha wieder im Mittelpunkt

Marko Grujic steht gegen Hoffenheim vor der Rückkehr bei Hertha – und mit ihm die lange vermisste Balance im Spiel des Bundesligisten.

Herthas Mittelfeldspieler Marko Grujic ist beim Training voll fokussiert

Herthas Mittelfeldspieler Marko Grujic ist beim Training voll fokussiert

Foto: Moritz Eden / City-Press GbR

Berlin.  Der Fallrückzieher wäre des Guten auch zu viel gewesen. Knapp sauste der Ball über die Torlatte, unaufhaltsam der nächsten Baumkrone entgegen. Lachend schaute Marko Grujic (22) ihm hinterher. Auf das eine Tor mehr während dieser Trainingseinheit kommt es nun wirklich nicht an, wollte sein Gesichtsausdruck sagen.

Grujic hatte in den knapp 70 Minuten zuvor all das gezeigt, was ihn zu Herthas Hoffnungsträger für das Heimspiel am Sonnabend gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr, Olympiastadion) macht. Er hatte Zweikämpfe gewonnen (fast alle), auch schwierige Pässe an den Mitspieler gebracht (fast immer) und Tor um Tor geschossen (fast im Minutentakt). Grujic war immer da, wenn man ihn brauchte. Diese Fähigkeit ist bei ihm ausgeprägter als bei allen anderen Spielern im Kader des Berliner Bundesligisten.

Wenn Trainer Pal Dardai sagt, „er ist ein anderer Spieler, eine andere Kategorie“, dann hört sich das ein wenig nach Pep Guardiola an. Nach top, top, top und super, super, super. Nur ist es die Wahrheit. Grujic verfügt über das Potenzial, in einigen Jahren auf dem Niveau Fußball zu spielen, wie es jene tun, die bei von Guardiola trainierten Klubs unter Vertrag stehen. Nicht umsonst hat ihn der FC Liverpool mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet und im vergangenen Spätsommer an Hertha BSC ausgeliehen, damit der Hochveranlagte im fernen Deutschland ordentlich Spielpraxis sammeln kann, bevor er für höhere Aufgaben zurückkommandiert wird.

Mit dem Serben zehn Punkte in vier Spielen

In Berlin ist Grujic quasi von der Fliegertreppe gleich in die Startelf gesprungen. Ohne Umwege, direkt rein ins Team. Schnell wurde nach wenigen Einheiten klar, wie sehr er die neuen Kollegen inspirierte und welchen Wert er für das Gesamtgefüge besitzt. Ehe ihm der Gladbacher Patrick Herrmann mit einem sehr harten Foul das Sprunggelenk ramponierte. Das war Mitte September. Seitdem hat Hertha sechs Punkte aus sieben Spielen geholt. Mit Grujic waren es zehn Punkte aus vier Spielen.

Vor allem während der Niederlagen gegen Leipzig (0:3) und in Düsseldorf (1:4) wurde er schmerzlich vermisst. Herthas Spiel mangelte es an Ideen, die Umschaltmomente verliefen zu langsam und Torgefahr aus der Mitte existierte nicht. Grujic soll das wieder ändern. „Er führt Zweikämpfe und geht in die Box. Wenn wir in Ballbesitz sind, taucht er vorne auf und geht dann wieder zurück auf seine Position. Er hat diese Gier, ein Tor zu machen, egal ob von der Sechser-, Achter-, oder Zehnerposition“, sagt Dardai.

Im Trio mit Arne Maier und Ondrej Duda hatte Grujic den Achter gegeben, also das Bindeglied zwischen dem defensiveren Maier und dem sehr offensiven Duda. Ihrem Zusammenspiel wohnte ein Selbstverständnis bei, das an das „magische Dreieck“ des VfB Stuttgart (Fredi Bobic, Krassimir Balakow, Giovanni Elber) erinnerte. Weil Duda zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Berlin vor bald drei Jahren ein echtes Leistungshoch erlebte und Maier einen weiteren Schritt in seiner Entwicklung machte, galt Grujic bald als Bessermacher und lange vermisstes Puzzlestück im Berliner Mittelfeld.

Große Verletzungsprobleme bei den Berlinern

Inzwischen ist Maier in ein Leistungsloch gefallen und auch Duda spielt längst nicht mehr so auffällig und effizient wie am Anfang der Saison. Von Grujic erhofft sich Dardai eine akute Verbesserung der Zustände, auch deshalb ist der Serbe trotz langer Verletzungspause nach zwei Wochen Training gleich ein Kandidat für die Startelf. Dardai weiß um das Risiko. „Er war lange verletzt, aber im Training sieht es schon sehr ordentlich aus. Der Fitnesstrainer kann noch mitreden bei der Entscheidung, ob es für 90 Minuten reicht“, sagt Herthas Trainer.

Die Berliner haben derzeit mit großen Verletzungsproblemen zu kämpfen, auch deshalb will Dardai die Verwendung von Grujic genau mit allen Spezialisten besprechen. Mit Karim Rekik und Niklas Stark fällt die angestammte Innenverteidigung aus, Lukas Klünter und Javairo Dilrosun werden in diesem Kalenderjahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Maximilian Mittelstädt brummt eine Gelb-Rot-Sperre ab.

„Wir wollen uns bei Marko kein Eigentor schießen. Trotz Fitnesstraining, trotz Datenbank haben wir ziemlich viele Verletzte“, sagt Dardai. Hertha durchlebt sportlich eine schwierige Phase, die Verunsicherung der Spieler ist sichtbar. Grujic kommt eine wichtige Aufgabe zu, wenn es darum geht, die Dinge ins Gegenteil zu verkehren.

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